Es gibt einen Punkt, den ich an den Malt Whiskys von Glenmorangie bewundere: Es sind hervorragende Malts sowohl für Einsteiger als auch für Fortgeschrittene.

Wobei…eigentlich mag ich Behauptungen nicht, die ein Produkt für alle Kundengruppen gleichermaßen gutheißen. Dies klingt häufig nach einer eierlegenden Wollmilchsau. Eine, die alles kann, aber nichts richtig.

Verkostest du einen Glenmorangie Single Malt, gibst du mir aber wahrscheinlich recht, dass folgende 3 Punkte auf diesen zutreffen:

  • Er besitzt ein weiches Mundgefühl
  • Dessen Bouquet lässt dich schnell Aromen wie Vanille erkennen
  • Glenmorangie bietet auch für den kleinen Geldbeutel bereits gute Qualität

Für Einsteiger sind dies Kaufkriterien. Verführerisch, da sie ein Herantasten ermöglichen und schnell zu Erfolgsmomenten führen.

Aber glaube mir, wenn ich sage, dass Glenmorangie Killer-Tropfen bereit hält, sobald du die Expertise-Leiter nach oben kletterst.

Ich möchte dir daher heute zeigen, welche Nuancen typisch für diese Destillerie sind und was du bei der Verkostung beachten musst, um das Maximum aus einem Glas herauszuholen.

 

 

Lerne den Haus-Stil von Glenmorangie kennen

 

Erinnerst du dich, weiter oben schrieb ich, dass Glenmorangie Whiskys für Einsteiger geeignet seien.

In diesem Malts versteckt, befindet sich allerdings ein Haus-Stil, den du als Neuling nicht so einfach entdeckst.

Und selbst, wenn du schon Jahre in der Whisky-Szene verbrachtest, unzählige Malts genossen hast, der Brennerei-Charakter ist nicht die leichteste Entdeckung.

Die folgende Infografik soll dir daher als Einstiegshilfe dienen. Glenmorangie

Neben fruchtigen Noten wie Banane und Zitrone, sticht zudem ein blumiges Aroma sowie ein Hauch Fenchel aus dem New Make hervor.

Das Problem, das sich dabei für dich bei der Verkostung ergibt, ist die Entdeckung von Aromen, die auch das Holz liefern kann. Allem voran Banane und Zitrone.

Lediglich der Fenchel sticht als Fermentations- bzw. Sekundäraroma heraus.

Es gibt jedoch eine andere Eigenschaft des Haus-Stils von Glenmorangie Whiskys, die du selbst nach Jahrzehnten der Fasslagerung noch entdeckst:

Textur

Diese ist bei Malts dieser Destillerie so markant, dass du sie häufig auch im Blindtasting ohne große Schwierigkeiten erkennen kannst.

Textur bzw. Mundgefühl ist hier derart weich und cremig, dass sie zum Steckenpferd von Glenmorangie werden.

 


Um dir eine Hilfestellung beim Entdecken des Mundgefühls von Glenmorangie Whiskys zu geben, möchten wir dir das so genannte Mouthfeel-Wheel zur Verfügung stellen.

Dieses war bisher nur Mitgliedern unseres Whisky-Kurses Whisky Inside zugänglich. Es hilft dir, die Textur deines Whiskys besser zu beurteilen und einzuordnen.

 

Lade dir hier kostenfrei das Mouthfeel-Wheel zur Whisky-Verkostung runter.


 

Ist Wasser so wichtig für Glenmorangie?

 

Kaum einer kennt die Malts von Glenmorangie so gut, wie derjenige, der für deren Produktion zuständig ist: Dr. Bill Lumsden. 

Dieser traf vor einiger Zeit eine Aussage, die viele Whisky-Fans stutzen lies:

 

Das Wasser ist für bis zu fünf Prozent der Geschmacksnuancen eines Glenmorangie verantwortlich.

 

Diese Behauptung ist deswegen so interessant, da Wasser zu keinen der 4 Aromen-Kategorien von Whisky zählt:

 

whisky-aromen

 

Du siehst: Nirgends taucht Wasser auf. Zumindest nicht als eigenständige Kategorie.

Aber 5 Prozent?!

Das wäre eine echt Hausnummer, wenn du bedenkst, dass Getreide und Destillation auch nicht sonderlich viel mehr zum Whisky-Bouquet beitragen.

Um zu verstehen, wie Glenmorangie auf diesen Wert kommt, dann wirf mal einen Blick auf die einzelnen Herstellungsschritte.

Dir wird auffallen, dass keiner davon ohne Wasser funktioniert. 

Das Einmaischen der Gerste, Verdünnung des New Makes etc.

Der entscheidende Punkt, bei dem Wasser auf den Charakter von Glenmorangie Einfluss hat, ist die Fermentation. Denn zusammen mit dem Wasser gelangen Mineralien zu den Hefen.

Mithilfe dieser gelösten Salze kann die Destillerie die Leistung der Hefen verändern. Wichtig sind dabei vor allem folgende Ionen:

  • Magnesium
  • Calcium
  • Nitrate
  • Sulfate

Beim Wasser von Glenmorangie sind 2 Werte erhöht: Magnesium und Calcium.

Ersteres ist ein Spurenelement, das Hefen für ihren Stoffwechsel benötigen; Calcium brauchen sie zur Vermehrung und zum Wachstum.

Dies ist ein Faktor, der in erster Linie die Fermentationsleistung der Hefe beeinflusst, in zweiter Linie den Whisky, den du im Glas hast.

Beginnt die Hefe nun ihre Arbeit und „verstoffwechselt“ Zucker und andere Substanzen zu Alkohol und aromawichtige Verbindungen, lässt ihr Glenmorangie für diesen Prozess 52 Stunden Zeit.

Die Brennerei bewegt sich damit gerade einmal 4 Stunden über dem Minimum.

Denn 48 Stunden Fermentation gelten in der Malt Whisky-Industrie als Grenze, unterhalb der, der Whisky zu viele Fehler, so genannte serious flavour defects, bekäme.

Und dennoch: Schaust du auf die obige Infografik, siehst du, dass Glenmorangie mit dieser Dauer sowohl fruchtige als auch krautige Aromen erzeugt.

Alles auf einem Level, das kaum Fehlnoten hervorbringt. 

 

Groß? Glenmorangie destilliert Superlativen

 

Springst du von der Fermentation einen Schritt weiter, dann stößt du bei Glenmorangie auf etwas großes. Etwas sehr großes.

Um genau zu sein, die höchsten Brennblasen der Malt Scotch Whisky-Industrie.

 

Abb.: Pot Stills von Glenmorangie; Bildquelle: CC BY-SA 3.0 – Hajotthu

 

Diese Kolosse besitzen eine Höhe von rund 8 Metern und überragen damit die Pot Stills jeglicher Konkurrenz.

Vielleicht fragst du dich nun, warum es Glenmorangie damit übertreiben muss.

2 Gründe:

  • Bouquet
  • Textur

Durch diese Höhe entsteht vergleichsweise viel Rückfluss. Das heißt, die Destillerie heizt die Brennblasen an, sorgt aber dafür, dass nur kleine und leichte Moleküle die Pot Still passieren können.

Dadurch, dass jene chemischen Verbindungen bei Glenmorangie einen enormen Weg zurücklegen müssen, schneidet die Brennerei die schweren Stoffe großzügiger ab als viele andere Malt Whisky-Destillerien.

Hinzukommt, dass sowohl deren Wash- als auch Spirit Stills noch über Milton Balls verfügen. Runde Ausbuchtungen zwischen Kessel und Schwanenhals, die ebenfalls für Rückfluss sorgen.

Hat es der Feinbrand trotz aller Hürden aus der Brennblase geschafft, besitzt er 69 %Vol. Glenmorangie verdünnt diesen Alkoholgehalt anschließend auf 63,5 %Vol., bevor der Tropfen ins Holzfass kommt.

 


Auch wenn es sich bei den Pot Stills von Glenmorangie um Superlativen der Industrie handelt, gibt es noch zahlreiche andere Formen. Formen, die deinen Whisky stark beeinflussen können.

Um dir eine Zusammenstellung der diversen Pot Still-Formen der Malt Whisky-Industrie zu geben, haben wir ein Poster für dich erstellt.

 
Lade dir die Pot Still-Übersicht jetzt kostenfrei für dein nächstes Tasting runter.
 


 

Die perfekte Trinktemperatur für Glenmorangie Malts

 

Bevor du mit dem Tasting von Glenmorangie Whiskys beginnst, solltest du dir die durchschnittlichen Eigenschaften dieser Malts ins Gedächtnis rufen:

  • weiches Mundgefühl
  • filigranes Bouqet

Aufgrund dieser beiden Eigenschaften solltest du die Temperatur nicht zu hoch drehen.

Vor allem bei jüngeren Malts dieser Brennerei ist dies unnötig. Denn in diesem Fall würdest du nicht nur den Aromen schaden, sondern zugleich dem Mundgefühl eine gewisse Schärfe verleihen.

Meiner Erfahrung nach funktioniert das Gros an Glenmorangie Whiskys hervorragend bei einer Trinktemperatur von 19 bis 20 °C.

 

Foodpairing: Was passt zu Glenmorangie?

 

Glenmorangie-Foodpairing

 

Kombinierst du Glenmorangie Malts mit Speisen, dann hat hier vor allem eine Kategorie die Nase vorne: Desserts.

Das meist fruchtige Bouquet jener Whiskys zusammen mit deren weichen Mundgefühl prädestinieren diese als Begleitung zu Nachspeisen mit Obst.

Vor allem folgende Früchte sind ein Gaumenschmaus:

  • Mango
  • Maracuja
  • Erdbeere

 

Vorschläge

Gemüse/Käse

Avocado, Tomaten, Kichererbsen, Radieschen Gruyère

Kräuter/Gewürze

Sternanis, Basilikum, Rosmarin, Thymian

Fleisch

Rind

Früchte

Pflaume, Apfel, Birne, Pfirsich, Aprikose, Himbeere, Kirsche, Erdbeere, Banane, Rosinen

 

Diese Glenmorangie-Klassiker solltest du probieren

 

Verfolgst du die Whiskys, die Glenmorangie auf den Markt bringt, so sind dies seit den 2010er Jahren vor allem limitierte Editionen.

Single Malts, die peu à peu aus dem Handel wieder verschwinden.

Um dir nicht jene Malts zu beschreiben, von denen das Gros eh schon vergriffen ist, möchte ich dir stattdessen die Whiskys aus Glenmorangies Kernportfolio vorstellen.

Die Malts, die dir nicht nur zahlreiche Aromen liefern, sondern auch eine geniale Melange zwischen Haus-Stil und Fass-Einfluss.

 

Glenmorangie-Whiskys