Bist du Malt Whisky-Einsteiger oder zählst du dich eher zu den alten Hasen? Im ersten Fall ist die Reifung von Whisky in Ex-Sherryfässern für dich wahrscheinlich ein Schmankerl, das nur bestimmten Malts zuteil wird. 

Und dies meist auch nur für einen kurzen Zeitraum.

Whisky-Destillerien wie Glenfarclas sind da eher die Ausnahme. Kaum eine Brennerei gönnt sich heute noch den Luxus fast ausschließlich Fässer zur benutzen, in denen vormals jener spanische verstärkte Weißwein lagerte.

Die Whisky-Industrie hat sich in den vergangenen 20 bis 30 Jahren dramatisch gewandelt.

Bist du schon eine Weile in der Szene, stimmst du mir wahrscheinlich zu, dass es eine Zeit gab, als die Bezeichnung „Ex-Sherry-Reifung“ kein netter Beiname war.

Es gab mehr Brennereien wie Glenfarclas.

Es gab mehr Brennereien, bei denen „Ex-Sherry“ die Fässer der Wahl waren. Sie waren Teil des Kernportfolios und nicht nur schmuckes Beiwerk, um das Preisschild etwas nach oben zu treiben.

Das Malt Whisky-Genre hat sich gewandelt. Und zwar drastisch.

Und Glenfarclas?

Dort scheinen die Mühlen etwas langsamer zu mahlen. Etwas mehr Qualität statt Quantität.

Aus diesem Grund überschüttet dich das Unternehmen aus der Speyside nicht mit zahlreichen Neuankündigungen. Glenfarclas haut nicht jedes halbe Jahr ein neues No-Age-Statement auf den Markt.

Deren Single Malts spielen in einer anderen Liga.

Um das Niveau von Glenfarclas jedoch zu entschlüsseln, brauchst du ein paar Informationen.

Du benötigst Hintergrundwissen darüber, was Glenfarclas von zahlreichen anderen Brennereien abhebt.

Wie stellen sie ihren Whisky her? Wie verkostest du diesen am besten?

Die Antworten auf diese Fragen findest du in den folgenden Abschnitten.

 

 

Haus-Stil: Welche Aromen du von Glenfarclas kennen solltest 

Glenfarclas whiskyUm Glenfarclas Whiskys von Grund auf zu verstehen und somit deren Bouquet und Textur zu entschlüsseln, musst du zunächst ein paar Fakten über deren New Make wissen.

Wenn dieser Feinbrand aus den Brennblasen von Glenfarclas fließt, hat er schon 75 Prozent aller Herstellungsschritte durchlaufen.

Der längste, die Fasslagerung, folgt zwar noch, die ersten 3 bilden aber bis zu 40 Prozent der Aromen, die bei dir im Glas landen.

Bei Glenfarclas ist dieser Haus-Stil durch erdige Noten, Rauch und Birne geprägt. Hinzukommt ein schwerer Körper.

Um diese Noten zu erreichen, gibt die Destillerie ihren Hefen zwischen 60 und 102 Stunden Zeit zur Fermentation.

 

 

Wie du in der Grafik erkennen kannst, folgt im Anschluss an die Fermentation die Destillation, die Bildung der tertiären Aromen.

Als ich das erste Mal erfuhr, wie dies bei Glenfarclas abläuft, geriet ich ins Zweifeln.

Ich stellte alles in Frage, was ich bis dato über die Whisky-Herstellung wusste. Und dies obwohl ich schon an zahlreichen Tastings teilnahm und auch einige selbst hielt.

Das Paradoxe war, dass der New Make von Glenfarclas mit einem auffallend hohem Gewicht auf deiner Zunge landet. Diese Eigenschaft passt aber überhaupt nicht zu den Brennblasen, die diese Destillerie betreibt.

Die Pot Stills von Glenfarclas sind groß, sehr groß. Die größten unten allen Speyside-Destillerien.

Der Alkoholdampf muss daher einen langen Weg auf sich nehmen, um aus der vergorenen Maische heraus zu destillieren. Am Ende müsste also ein feiner, leichter New Make stehen.

Tut er aber nicht.

Er ist auffallend schwer.

Der Grund: Glenfarclas befeuert seine Pot Stills direkt mit Feuer. Eine Seltenheit heutzutage.

Dies ermöglicht der Destillerie trotz ihrer hohen Brennblasen ihrem Malt einen schweren Körper zu verleihen und dadurch Individualität.

1981 experimentierte Glenfarclas mit Dampf als Wärmequelle. Leitungsrohre in Spiralform sollten die Brennblasen erwärmen. Dieser Versuch dauerte aber genau 3 Wochen. Dann wechselte die Destillerie wieder auf offenes Feuer.

Der New Make, der heute aus den Brennblasen von Glenfarclas tropft, besitzt einen Alkoholgehalt von 68,3 %Vol. Bevor er allerdings über Jahre in Fässern verschwindet, verdünnt ihn die Destillerie noch auf 63,5 %Vol.

Aus Qualitätsgründen.

 

Warum dir Glenfarclas mit ihren Fässern eine fast vergessene Qualität liefert 

 

Ich möchte dir eine Farce verraten. Eine, die zahlreiche Malt-Destillerien und deren Dachkonzerne verwenden, wenn sie heute Produkte anpreisen.

Es ist die Lüge mit der Ex-Sherry-Reifung.

 

  • 1. Punkt: Die Dauer 

Ein erheblicher Teil der Single Malts, die heutzutage erscheinen, erhalten – wenn sie denn mit Sherry-Fässern in Kontakt kommen – häufig nur eine wenige Monate dauernde Nachreifung.

Meist wird dies dann als herausragendes aromatisches Charakteristikum beschrieben. Ignoriert wird dabei häufig, dass diese paar Monate kaum aromatischen Einfluss zeigen.

Aus Kostengründen wird auf eine mehrjährige Lagerung in eben jenen Behältern verzichtet.

 

  • 2. Punkt: Die Art des Holzes

Achte einmal auf Neuankündigungen von Single Malts. Viele Unternehmen heben die Ex-Sherry-Reifung hervor, verschweigen dabei aber die Art des Holzes.

Und jetzt kommt der Clou: Diese hat häufig mehr Einfluss auf den Charakter eines Malt Whiskys als der vorherige Inhalt.

Statt auf Fässer aus Europäischer Eiche wie Quercus petraea oder Quercus robur zu setzen, verwenden viele meist den Industrie-Standard Quercus alba, die Amerikanische Weißeiche.

Aus Kostengründen.

 

 

Verstehe mich nicht falsch. Quercus alba gibt ein hervorragendes Holz zur Whisky-Reifung, und zahlreiche hochwertige Malts stammen aus diesen. Ist es schließlich das Holz der Wahl, wenn es um Ex-Bourbon-Fässer geht.

Bei einigen Destillerien macht es aus aromatischen Gesichtspunkten durchaus Sinn, für die ersten Jahre der Reifung Ex-Bourbon-Fässer zu verwenden.

Nämlich dann, wenn der Feinbrand des Malts einen grazilen Charakter besitzt und durch Sherry-Fässer „erschlagen“ werden könnte.

Dieses Vorgehen predigen auch einige Destillerien.

Das Entscheidende wird aber ausgelassen: Einen „frischen Whisky“ erschlägt in erster Linie das Holz der Europäischen Eichen und nicht der vorherige Inhalt.

Wenn aber Sherry-Bodegas und dadurch auch jene Scotch-Brennereien auf Sherry-Fässer aus Amerikanischer Eiche setzen, dann bricht damit die gesamte Argumentationskette zusammen.

Zum Glück müssen wir aber nicht die gesamte Malt Whisky-Szene über einen Kamm scheren.

Zum Glück gibt es Destillerien wie Glenfarclas, die darauf hinweisen, dass deren Sherry-Fässer aus Europäischer Eiche gefertigt werden.

Seit über 25 Jahren beziehen sie ihre Fässer aus der Sherry-Bodega José y Miguel Martin.

Dadurch erhältst du ein Sammelsurium an diversen Aromen.

Im Bouquet eines Glenfarclas findest du daher häufig folgende Aromen:

  • Datteln, Rosinen und Pflaumen
  • Mandeln, Kastanie und Espresso
  • Lärche, Lagerfeuer und Zeder

 

Fässer von Glenfarclas verlieren pro Jahr vierzigmal weniger Flüssigkeit als das Gros der Konkurrenz. 

 

Lass uns einmal bei den individuellen Merkmalen von Glenfarclas bleiben.

Denn in Sachen Individualität musst du auch vom Mikroklima gehört haben, in denen die Fässer der Destillerie lagern.

Der Grund: Dieses hat unweigerlich Einfluss auf das, was letztlich bei dir im Glas landet.

34 ihrer Lagerhäuser, mit dicken Wänden und Schieferdach, stehen auf dem Gelände der Brennerei am Fuße des Ben Rinnes.

Das Mikroklima darin führt dazu, dass die Verdunstungsrate – der so genannte Angels‘ share – bei gerade einmal 0,05 % liegt.

Dies ist deswegen so verblüffend, da der schottische Industriedurchschnitt zwischen 2 und 3 % liegt.

Die Fässer von Glenfarclas verlieren pro Jahr somit zwischen 40- bis 50-mal weniger Flüssigkeit als das Gros der Konkurrenz. 

 

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Möchtest du deine Verkostungs-Expertise verbessern, um mehr Aromen aus einem Whisky zu bekommen, dann haben wir hier passende Artikel für dich geschrieben:

 


 

Die perfekte Trinktemperatur für Glenfarclas Malts

 

~ 20 – 22 °C

Nimmst du einen Schluck von Glenfarclas New Make, legt sich dieser schwer und kraftvoll auf deine Zunge. Eine Eigenschaft, die er auch nach Jahren der Fasslagerung nicht ablegt, nur verfeinert.

Hinzukommt ein Potpourri an Frucht- und Weinaromen, die gleichzeitig aus dem Glas drücken. Eine Tatsache, die du bei Glenfarclas Whiskys jeden Alters findest.

Um die größtmögliche Bandbreite dieser Aromen wahrzunehmen, solltest du jene Malts daher zwischen 20 bis 22 Grad genießen.

 


Um dir eine Hilfestellung beim Entdecken des Mundgefühls von Glenfarclas Whiskys zu geben, möchten wir dir das so genannte Mouthfeel-Wheel zur Verfügung stellen.

Dieses war bisher nur Mitgliedern unseres Whisky-Kurses Whisky Inside zugänglich. Es hilft dir, die Textur deines Whiskys besser zu beurteilen und einzuordnen.

 

Lade dir hier kostenfrei das Mouthfeel-Wheel zur Whisky-Verkostung runter.


 

Foodpairing: Was passt zu Glenfarclas?

 

espresso

 

Um Speisen zu finden, die eine hervorragende Begleitung zu Single Malts von Glenfarclas abgeben, sollten wir den Stil dieses Whiskys auf das Wesentliche herunter brechen.

Dies wäre:

  • Komplexität
  • Schwerer Körper

Neben diesen beiden Eigenschaften solltest du noch seine fruchtigen und erdigen Aromen vor Augen haben. 2 Charakteristika, ohne die fast kein Glenfarclas auskommt.

Beachtest du all die Punkte, die gerade genannt wurden, dann passen Malts von Glenfarclas hervorragend zu herzhaften Rind-Gerichten.

Neben dem 12-jährigen eignet sich hier auch der 15-jährige Glenfarclas.

Je älter deren Whiskys werden, desto mehr stechen Kaffee, Tabak und dunkle Früchte hervor. Deutlich erkennst du dies beim Glenfarclas 30 Jahre.

Daher eignen sich deren Whiskys mit einem Alter jenseits der 20 vor allem als Digestif. In Kombination mit Espresso oder Trockenfrüchten trumpft deren Bouquet so richtig auf.

 

Vorschläge

Gemüse/Käse/Gebäck

Walnuss, Mandel, Tomate, Gruyère, Emmentaler, Ciabatta, Toast

Kräuter/Gewürze

Schwarzer Tee, Sesam

Fleisch/Fisch

Meeräsche, Seebrasse, Auster, Schweine- und Rinderlende

Früchte

Himbeeren, Apfel, Aprikose, Honigmelone

 

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Diese Glenfarclas Malts solltest du probieren

 

Wühlst du dich durch das Portfolio von Glenfarclas, brauchst du Zeit.

Damit meine ich nicht deren Kern-Sortiment. Das ist übersichtlich nach zunehmendem Alter strukturiert. Ich meine viel eher die zahlreichen Vintage-Editionen.

Wenn du Perlen der Single Malt-Szene entdecken möchtest, solltest du dich bei den limitierten Qualitäten dieser Destillerie bedienen.

Allerdings bietet dir Glenfarclas bereits im Kern-Portfolio zahlreiche Malts, die purer Genuss sind. Ich möchte dir daher im Folgenden jene Whiskys vorstellen, die du als Glenfarclas-Fan probiert haben solltest.

Hinweis: Mit Klick auf das jeweilige Bild erhältst du über unsere Affiliate-Links die Möglichkeit die Whiskys zu bestellen.

 

Glenfarclas 12 Jahre

Glenfarclas-12-Jahre

 

Fasstyp: Reifung in Ex-Oloroso Sherry-Fässern

Alkohol: 43 %Vol.

 

Glenfarclas 15 Jahre

 

Glenfarclas-15-Jahre-Whisky

 

Fasstyp: Reifung in Ex-Oloroso Sherry-Fässern

Alkohol: 46 %Vol.

 

Glenfarclas 21 Jahre

 

Glenfarclas 21 Jahre

 

Fasstyp: Reifung in Ex-Oloroso Sherry-Fässern

Alkohol: 43 %Vol.

 

Glenfarclas 25 Jahre

 

Glenfarclas-25-Jahre

 

Fasstyp: Reifung in Ex-Oloroso Sherry-Fässern

Alkohol: 43 %Vol.

 

Glenfarclas 105 Cask Strength

 

Glenfarclas 105

 

Fasstyp: k. A.

Alkohol: 60 %Vol.