Tequila ist Mangelware in Deutschland. Hochwertiger Tequila ist Mangelware. Zumindest, wenn wir Maßstäbe wie bei Scotch, Rum oder Gin ansetzen.

Dass Start Ups neue Tropfen wie den Huizache Origen auf den Markt bringen ist eine Seltenheit.

Während in den vergangenen Monaten unsere Mail-Postfächer mit Neuankündigungen zu Malts, Gins oder Likören geflutet wurden, kam Tequila kaum zum Zug.

Ich glaube, es waren 2 im letzten halben Jahr.

Wobei der Huizache Origen der Einzige war, bei dem die Verkostung Spaß machte. Der Einzige, der das Potential auf ein zweites oder drittes Glas hatte.

Dieser Tropfen stammt aus der mexikanischen Destillerie Romo de la Peña, die ihn nach der Destillation einige Zeit in Weiß-Eichenfässern reifen ließ.

Wie lange diese Ruhephase hin zum „Reposado“ dauerte ist jedoch nicht bekannt.

Dass das Fass jedoch seinen Beitrag leistet, ist erkennbar. Nicht unbedingt an der Farbe. Auch nicht am Bouquet. Aber an der Textur.

 

Degustation des Huizache Origen

 

2 bis 3 Umdrehungen im Glas und der Huizache Origen liegt mit zahlreichen öligen Tropfen an der Glasinnenseite. Langsam gleiten diese wieder zum Boden des Glases zurück.

Die klare Flüssigkeit besitzt dabei eine niedrige Viskosität und bewegt sich flott im Glas hin und her.

Halte nach 10 bis 20 Sekunden Ruhephase deine Nase über das Glas. In diesem Fall erlebst du das Steckenpferd des Huizache Origen: sein Bouquet.

Er schiebt einen intensiven Agaven-Duft nach oben.

Klar definiert. Deutlich.

Was dieses Bouquet aus meiner Sicht so spannend macht, ist die aromatische Nähe zur Espadin-Agave. Jene Unterart der Art Agave angustifolia ist die vorherrschende Sorte in Oaxaca und einer der geläufigsten in der Herstellung von Mezcal.

Bleibst du eine Weile am Bouquet des Huizache Origen, so liefert er dir eine zweite Reihe an Aromen. Mineralisch und Maritim.

Eine interessante Kombination, die dem sonst erdigen Grundton etwas Raffinesse verleiht.

Allerdings darfst du dir den Duft des Huizache Origen nicht als Schwergewicht vorstellen. Vom ersten bis zum letzten Moment der Verkostung wirkt dieser Tequila leicht – fast schon zerbrechlich.

Spätestens im Mund wirst du mir zustimmen.

Hier legt er sich trocken und mit leichtem Körper auf deine Zunge. Vor allem letzteres ist auffallend. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal einen Tequila mit derart geringem „Gewicht“ verkostet habe.

Passend zu diesem Stil bietet der Huizache Origen eine weiche Textur, legt sich mild auf deine Zunge. Wie bereits in der Nase übernehmen auch hier Agaven-Noten das aromatische Zepter.

Allerdings wirkt er hier weniger mineralisch und – dies ist seine Achillesferse – fehlt es ihm durch den niedrigen Alkoholgehalt etwas an Kraft und Ausdruck. Lediglich eine Hauch Vanille zeigt sich im Hintergrund.

Dadurch steht der Mund im Kontrast zur Nase, die dich minutenlang ans Glas fesseln kann.

Verlässt der Huizache Origen schließlich deinen Gaumen, so bleiben Aromen der Agaven, von Kaffeepulver und würzig-herbe Noten des Alkohols zurück.

 

Huizache Origen - 35 %Vol. - 69,90 €/0,7l

8.1

Bouquet

8.6/10

Geschmack

7.5/10

Mundgefühl

8.5/10

Nachklang

7.8/10