Lass mich dir eine Frage über die Whisky-Destillerie Highland Park stellen:

Was unterscheidet die Brennerei heute im Vergleich zum Jahr 2013?

Weißt du’s?

In jenem Jahr hatte Highland Park mit drastischen Umsatzeinbußen zu kämpfen. Der Grund war ein Mangel an 10- bis 15-jährigem Whisky in deren Lagerhäusern

In den 1990ern produzierte Highland Park schlichtweg nicht genug Malt Whisky, was ihnen 2013 auf die Füße fiel.

Die gute Nachricht: Diese Misere ist Geschichte. Heute fährt die Destillerie aufgrund von Umstrukturierungen des Portfolios Verkaufsrekorde ein. Allein 2017 rund 1,7 Millionen Flaschen.

Eines ihrer aromatischen Markenzeichen erkennst du, sobald du deine Nase über die Öffnung einer solchen Flaschen hältst: Torfrauch.

Wie du diesen im Bouquet von Highland Park und somit das volle Potential dieses Single Malts erkennst und entschlüsselst,  erfährst du im folgenden Artikel.

 


 

Haus-Stil: Warum du mit Highland Park ein Unikat bekommst

 

Ich finde es immer wieder verblüffend, dass auf zahlreichen Tastings und Seminaren bei dem „rauchiger Whisky“ das Leitmotiv ist, in erster Linie die Malts der Isle of Islay serviert werden.

Klar, ohne Lagavulin, Laphroaig und die anderen Perlen dieser Insel hätte Malt Whisky und insbesondere rauchiger Scotch weltweit nicht diesen Stellenwert.

Sich beim Thema Malts mit rauchigem Bouquet aber lediglich auf jene Islay-Destillerien zu beschränken, verwehrt die einen wichtigen Teil der Whisky-Landschaft Schottlands.

So bekommst du nur einen Bruchteil dessen mit, wie komplex rauchiger Whisky in Wahrheit sein kann.

Nimm Highland Park.

Highland Park

Analysierst du den Haus-Stil von Highland Parks Whisky, werden dir 4 Eigenschaften auffallen:

  • Frisches Zitronenaroma
  • Leichte Rauchnote
  • Birnenduft
  • Frische

Das aus meiner Sicht spannendste daran, ist die Tatsache, dass deren Malt zwar eine intensive Rauch-Note besitzen kann, diese aber aus leichten Nuancen besteht.

Wenn du einen Highland Park verkostest, hast du daher zweifelsohne einen Whisky aus der rauchigen Fraktion vor dir. Du gibst mir aber wahrscheinlich Recht, wenn ich behaupte, dass du diese von den Rauch-Klassikern der Isle of Islay mit verbundenen Augen unterscheiden kannst.

Stelle ich diese Behauptung bei Tastings und Seminaren auf, stimmt mir beinahe jeder zu. Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass nur wenige Whisky-Fans den Grund hierfür wissen.

Wenn sowohl Islay-Whiskys als auch Highland Park mit Torfrauch hergestellt werden, wieso unterscheiden sie sich dann derart drastisch?

 

2 Gründe, warum sich das Rauch-Aroma von Highland Park zu dem der Islay-Destillerien unterscheidet:

 

Erstens: Highland Parks New Make enthält weniger als 3 ppm Phenol-Derivate bzw. Rauchmoleküle. Zum Vergleich: Im New Make von Ardbeg schwimmen zwischen 17 und 24 ppm dieser Teilchen herum.

Zweitens: Der zweite und weitaus weniger bekannte Grund liegt in der Zusammensetzung des Torfes. Während das Gros der Malt Destillerien Islays Malz benutzt, das mit Torf aus dem naheliegenden Castlehill Moor geräuchert wurde, setzt Highland Park auf Torf aus dem Hobbister Moor.

Ein Charakteristikum dieser Moor-Region ist ihr hoher Anteil an Heidekraut. Dieses verleiht dem Bouquet eines Highland Park Whiskys eine leichtere Rauch-Note als das Torf von Islay.

Immerhin basiert letzteres weniger auf Heidekraut, sondern vielmehr auf Bäumen und Algen.

 

Abb.: Das Torf der Insel Orkney, welches Highland Park in erster Linie verwendet, basiert vornehmlich auf Heidekraut.

 

Highland Park produziert rund 30 Prozent ihres Malzes in der eigenen Mälzerei, wobei dies mit 30 bis 40 ppm den „rauchigen Teil“ liefert. Den ungetorften Rest liefert ihnen die Großmälzerei Simpsons Malt.

In den hauseigenen Floor Maltings trocknet das Malz rund 18 Stunden in Mitten von Rauchschwaden, gestochen aus dem Torf des nahegelegenen Hobbister Moores. Anschließend lässt die Destillerie das Malz für weitere 18 Stunden trocknen.

Dieses Mal jedoch mittels Kohle.

 

Abb.: Torf und Heidekraut der Insel Orkney unweit der Highland Park Distillery

 

Erfahre mehr über rauchige Aromen in Highland Park Whiskys


In unserem Whitepaper „Torf & Whisky“ haben wir dir die wichtigsten Aromen aufgestellt, die du in einem Highland Park Whisky finden kannst. Dies erleichtert dir die Aromensuche und hilft dir zu verstehen, woher manche Single Malts ihr charakteristisches rauchiges Bouquet bekommen.

 

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Highland Park liefert dir Zahlen und Fakten über deren Whisky-Herstellung

 

Lass uns bei den Grundlagen anfangen. Fangen wir dort an, wo Highland Park die ersten Aromen produziert, die du in deren Single Malt Whisky erkennen kannst.

Die Fermentation.

Diese findet bei Highland Park in 12 Maischebottichen aus Douglasienholz statt. Zwischen 50 und 80 Stunden haben die Hefen Zeit Zucker in Alkohol zu verwandeln.

Die Besonderheit hier: die Zeitspanne.

Mit 50 Stunden Fermentation bewegt sich Highland Park am Minimum von 48 Stunden, mit 80 liegt sie jedoch deutlich darüber. Die Konsequenz sind Maischen mit unterschiedlichem Aromen- und Geschmacksprofil.

Nach der Fermentation folgt die Destillation. Bei dieser fließt – im Falle von Highland Park – ein New Make mit 70 %Vol. Mit knapp dem gleichen Alkoholgehalt (69,5 %Vol.) landet dieser Feinbrand schließlich in Fässern aus Eiche.

 

Mehr zur Fassreifung von Malt Whisky:


Möchtest du deine Expertise hinsichtlich Fassreifung bei Whisky verbessern, haben wir hier passende Artikel für dich geschrieben:


 

Diese Trinktemperatur ist perfekt für Highland Park Malts

 

Perfekte Trinktemperatur für Highland Park Malts: ~ 18 – 19 °C

 

Wirf bitte nochmal einen Blick auf die Infografik zu Beginn des Artikels. Dort siehst du, dass diese Single Malts – je nach Reifungsdauer – einen schweren Körper und süßen Geschmack auf deine Zunge bringen.

Diese Eigenschaften beginnen bereits beim New Make und halten sich über Jahrzehnte im Whisky.

Selbst bei Qualitäten, die an der 20 Jahre-Grenze kratzen, kannst du dies noch erkennen. Erst ab 40 Jahren weicht die Süße einem öligen Mundgefühl.

Egal, ob nun süß oder ölig, die meiste Freude an einem Highland Park Whisky hast du, wenn du die Temperatur etwas senkst. Knapp unter Raumtemperatur machen diese Malts am meisten Spass.

 

Foodpairing: Was passt zu Highland Park?

 

Das Spannende am Whisky-Stil von Highland Park ist die Tatsache, dass er mit jedem Jahr mehr im Fass exotischere Aromen erhält. Zudem wird sein Mundgefühl trockener.

Diese Eigenschaften findest du allerdings in erster Linie in „alten“ Malts dieser Destillerie. Auf das Gros deren Portfolios trifft dies nicht zu.

Diese sind vornehmlich süß, was sie jedoch für eine Kombination mit zahlreichen Speisen empfiehlt.

Ein Single Malt von Highland Park macht vor allem dann Spaß, wenn du ihn mit dunkler Schokolade kombinierst.

Ersteres liefert Süße, zweiteres Bitterkeit; Ersteres liefert Zitrusaromen, zweiteres Gewürznoten. 

Möchtest du deinen Highland Park hingegen mit herzhaften Speisen kombinieren, dann ist hier eine Melange mit mediterranen Kräutern wie Oregano oder Rosmarin eine Wucht.

Dieses Aromenspiel hebt das Bouquet eines Highland Park auf ein anderes Niveau.

 

Vorschläge

Gemüse/Käse/Gebäck

Süßkartoffeln, Lebkuchen, Ciabatta, Honig, Olivenöl, Tomate

Kräuter/Gewürze

Schwarzer Tee, Muskat, Petersilie, Basilikum, Karotten, Rosmarin, Oregano, Kardamom, Kumin

Fleisch/Fisch

Ente, Schinken

Früchte

Erdbeeren, Rosinen, Guave, Grapefruit, Orange, Limette, Zitrone

 

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Hast du diese Malts von Highland Park schon probiert?

 

Kannst du dich erinnern, was ich zu Beginn des Artikels über die Misere von Highland Park im Jahr 2013 geschrieben habe?

Zum Teil lag dies daran, dass deren Lagerbestände nicht deren damaliges Portfolio bedienen konnte. Auf den Erfolgsweg brachte die Destillerie neben einer Hand voll Age-Statements auch die Veröffentlichung zahlreicher Whisky-Motto-Reihen.

Wikinger, Elemente etc.

Bevor du allerdings beginnst, dich in der High End-Schiene von Highland Park zu bedienen, wirf mal einen Blick auf die folgenden Single Malts. Sie zählen nicht nur zu den im Internet meist gesuchtesten Whiskys dieser Brennerei, sondern liefern dir auch einen guten Einblick in den Haus-Stil dieser Destillerie.

 

Highland Park 12 Jahre

 

Highland Park 12 Jahre

 

Fasstyp: Reifung in First Fill-Fässern aus amerikanischer und Refill-Sherry-Fässern.

Alkohol: 40 %Vol.

 

Highland Park Viking Pride 18 Jahre

Highland Park 18 Jahre

Fasstyp: Europäische Sherry-Fässer.

Alkohol: 46 %Vol.

 

Highland Park Valkyrie

Highland Park Valkyrie

Fasstyp: k.A.

Alkohol: 45,9 %Vol.

 

Highland Park Valknut

Highland-Park-Valknut

Fasstyp: U.a. Sherry-Fässer

Alkohol: 46,8 %Vol.

 

Bildquelle: Packshots und Destillerie-Bilder: Beam Suntory Deutschland