Einen Talisker Single Malt zu verkosten, kann ein zähes Stück Arbeit sein.

Vor allem dann, wenn du nicht weißt, wonach du suchen musst; vor allem dann, wenn du nicht weißt, weshalb die Rauch-Aromen kaum mit jenen anderer Single Malts zu vergleichen sind.

Talisker ist eine jener Brennereien, die vor allem dann Spaß macht, wenn du weißt, was dich erwartet. Wenn du die einzelnen Aromen „verstehst“.

Dies war so, als Talisker 10 Jahre und Talisker 57° North die beiden prominentesten Produkte der Destillerie waren, und dies ist heute so, wenn das Kernportfolio in erster Linie aus No-Age-Statements besteht.

Vor allem heute!

Seit rund 4 Jahren schwankt die Qualität neuer Abfüllungen meiner Ansicht nach enorm. Von „Kaufe-ich-mir-nie-wieder“ bis „Der-muss-in-mein-Regal“ war alles dabei.

In manchen dieser Single Malts erhältst du eine perfekte Balance zwischen Haus-Stil und Fassreifung. In anderen wiederum ist diese „Balance“ in Schieflage.

Um die Qualität einzelner Talisker Whiskys beurteilen zu können, ist es entscheidend, dass du nicht nur deren Haus-Stil kennst, sondern auch deren Herstellung.

Mit dem folgenden Artikel möchte ich dir daher Antworten auf folgende 2 Fragen liefern:

  • Wie entsteht der Charakter eines Talisker Single Malts?
  • Worauf musst du bei der Verkostung achten, um möglichst viel Genuss aus einem Glas zu ziehen?

 

 

Dies ist der Haus-Stil von Talisker

 

Aus meiner Sicht bestimmen den Brennerei-Charakter von Talisker in erster Linie 4 Faktoren:

  • „Torfgehalt und -art“ am Malz
  • Klarheit der Maische
  • Dauer der Fermentation
  • Worm Tubs

Ohne Frage spielen andere Punkte wie die Größe der Pot Stills oder die Art der Hefe ebenfalls eine Rolle.

Wenn du aber bedenkst, dass Talisker, wie auch das Gros der anderen Malt Destillerien Schottlands, auf konventionelle Industriehefe zurückgreift, kann man deren Einfluss in meinen Augen ausblenden.

Bevor wir uns nun ins Detail stürzen, wirf einmal einen Blick auf folgende Übersicht:

Talisker whisky

 

Würde über dieser Infografik nicht „Talisker“ stehen, wäre der Haus-Stil im ersten Moment nicht von der ein oder anderen Malt-Destillerie der Insel Islay zu unterscheiden.

Rauch, Salz, Schwefel…

Alles Charakteristika, die dir, so scheint es, auch anderen Destillerien liefern können.

Aber: Dass Talisker ein Unikat ist, erkennst du mit Blick auf die Details.

Das Torf zum Beispiel.

Ihr Malz besorgt sich Talisker von Glen Ord, der Großmälzerei der gleichnamigen Malt Destillerie. Dieses besitzt einen Gehalt an Phenol-Derivaten und somit rauchigen Molekülen von 18 bis 20 ppm.

Gehst du davon aus, dass während der Whisky-Produktion rund 75 Prozent jener Moleküle auf der Strecke bleiben, landen im New Make von Talisker noch 5 bis 7 ppm.

 

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In unserem Whitepaper „Torf & Whisky“ haben wir dir die wichtigsten Aromen aufgestellt, die du in einem Talisker Whisky finden kannst. Dies erleichtert dir die Aromensuche und hilft dir zu verstehen, woher manche Single Malts ihr charakteristisches rauchiges Bouquet bekommen.

 

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Setzt die Destillerie aus jenem Malz schließlich die Maische an, filtrieren sie diese auf hohe „Klarheit“. Die Folge einer klaren Maische: viele Ester-Verbindungen und dadurch Aroma-wichtige Verbindungen.

Um diese zu erhalten, lässt Talisker den Hefezellen 65 bis 75 Stunden Zeit. Deutlich über dem Industrie-Minimum von 48 Stunden.

Herauskommt dadurch neben den erwähnten Rauch-Aromen zusätzlich ein Hauch Salz, Gummi und Schwefel.

Noten, die in der richtigen Menge einem Single Malt durchaus Raffinesse verleihen können, ihm bei falscher Dosierung aber auch zum Graus werden lassen können.

Talisker geht hier eine Gratwanderung.

Denn Größe und Form der Brennblasen sowie die Worm Tubs zur Kondensation unterbinden kaum schweflige Noten. Stellen die Hefen also jene Moleküle her, hindert sie nicht mehr viel auf dem Weg in den Feinbrand des Whiskys.

 

talisker-distillery

Abb.: Brennblasen der Talisker Destillerie; 3 Spirit Stills (links) und 2 Wash Stills mit Boil Ball (rechts); Bildquelle: DIAGEO

 

Aufgrund dieses Feuertanzes mit schwefligen Molekülen sowie einem metallischen New Make-Charakter benötigen Single Malts von Talisker das Eichenfass.

Vielleicht sogar mehr als viele anderen Marken.

Nachdem ich nun bereits Dutzende Malts dieser Brennerei verkosten durfte, bin ich der Meinung, dass diese erst dann eine hohe Qualität besitzen, wenn sie lange im Fass waren.

Ich habe bisher keinen Talisker Single Malt verkostet, der diese 2 Eigenschaften in sich vereint hätte: Jung und gut.

Denn unabhängig davon, ob das Fass nun durch additive Reifung zahlreiche Aromen in den Whisky gibt, profitiert Taliskers Haus-Stil noch von einer anderen Eigenschaft des Fasses: der subtraktiven Reifung.

 

Abb.: Übersicht über die Fassreifung von Single Malt Whisky. Entnommen aus dem Buch „Whisky von Eye for Spirits„

 

Im Laufe der Jahre baut das Fass während der subtraktiven Reifung ungewünschte Aromen – Schwefel, Metall etc. – ab. Deren Platz füllen dann allmählich die Verbindungen aus der additiven Reifung.

Der Abbau gewisser Verbindungen ist bei Talisker aber deshalb so entscheidend, da er im New Make eine ordentliche Portion davon hat.

Verstehe mich nicht falsch. Dies ist per se nichts Schlechtes.

Im Gegenteil. Es kann einem Whisky Individualität und Raffinesse verleihen.

Unter einer Bedingung:

Viele Jahre im Fass. Sehr viele.

 

Mehr zur Fassreifung von Malt Whisky:


Möchtest du deine Expertise hinsichtlich Fassreifung bei Whisky verbessern, haben wir hier passende Artikel für dich geschrieben:


 

Die optimale Trinktemperatur für Talisker Malts

 

Bei vielen Talisker Malts, die in den vergangenen Jahren auf den Markt kamen, habe ich den Eindruck, dass sie ihr Maximum direkt nach dem Einschenken erreichen.

Es ist daher nicht nötig, dass du das Bouquet minutenlang „atmen“ lässt, um möglichst viel Genuss aus ihm zu ziehen.

Bevor du jedoch den Malt überhaupt verkostest, solltest du auf die Trinktemperatur achten. Letztendlich entscheidet diese mit darüber, welche und wie viele Aromamoleküle in deine Nase gelangen bzw. wie sich Textur und Körper des Talisker Malts verhalten.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass jüngere Malts sowie einige No-Age-Statements ihr größtes Potential haben, wenn du sie bei geringer Temperatur trinkst.

Der Grund ist: Bei vielen dieser Qualitäten stechen die Eigenschaften – sowohl in Nase als auch im Mund – des New Makes durch. 

Vor allem die maritimen Noten eines Talisker kommen dann bei 17 bis 18 Grad am besten zur Geltung. Bei Single Malts dieser Destillerie jenseits der 18 Jahre, solltest du auf rund 21 Grad hochgehen.

 

Foodpairing: Was passt zu Talisker Malts?

 

fish Talisker

 

Wenn du dir überlegst, dass bei einem erheblichen Teil des Talisker Portfolios die Aromen des New Makes deutlich erkennbar sind, dann schreien die Whiskys dieser Marke förmlich nach Fisch und Meeresfrüchten.

Sie mit maritimen Speisen zu kombinieren, ist eine Freude für den Gaumen. Hier kannst du dich aus dem gesamten Angebot, dass dir die Meere zur Verfügung stellen, bedienen. Talisker passt.

Seetang, Fisch oder Austern: Talisker passt.

 

Vorschläge

Gemüse/Käse

Nori, Gorgonzola, Ciabatta 

Kräuter/Gewürze

Hopfen, Dill

Fleisch/Fisch

Lachs, Seebrasse, Auster, Muscheln, Zander

Früchte

Guave, Aprikose, Preiselbeeren, Zitrone, Rosinen

 

Hast du diese Abfüllungen von Talisker schon probiert?

 

Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus unterscheiden sich die Malts, die Talisker in den vergangenen 5 Jahren auf den Markt brachte, drastisch von jenen aus den Jahren davor.

Bei neuen Malts lassen sich ohne Probleme Aromen und Textur des New Makes erkennen. Bei Abfüllungen aus den Jahren zuvor, bei Abfüllungen mit einem Alter von 18 Jahren und aufwärts, bekommst du hingegen eine Melange aus Haus-Stil und Fass-Einfluss.

Ich möchte dir daher im Folgenden eine Hand voll Talisker Single Malts präsentieren, die mich nach wie vor begeistern.

 

Talisker Distiller’s Edition

 

Talisker-DE

 

Fasstyp: Reifung in Ex-Bourbon-Fässern und Nachreifung in Ex-Amoroso-Sherry-Fässern

Alkohol: 45,8 %Vol.

 

Talisker 18 Jahre

 

Talisker-18-Jahre

 

Fasstyp: k.A.

Alkohol: 45,8 %Vol.

 

Talisker 25 Jahre

 

talisker-25

 

Fasstyp: Reifung in Ex-Bourbon-Fässern und Ex-Sherry-Fässern

Alkohol: 45,8 %Vol.

 

Talisker 30 Jahre

 

talisker-30

 

Fasstyp: k.A.

Alkohol: 45,8 %Vol.

Bildquelle: Packshots & Titelbild: DIAGEO