Gibt es eigentlich eine Dienstleistung im Spirituosen-Segment, die größere Wachstumszahlen hat als Gin Tastings?

Ich kenne keine. 

Vor rund 10 Jahren waren professionell geführte Gin-Verkostungen kein großes Ding. Der Wacholderschnaps schien eine exklusive Abfüllung für Bartender zu sein.

Und heute?

Heute führen alle namhaften Event-Agenturen wie MyDays oder Jochen Schweizer mehr als ein Gin Tasting im Portfolio.

Gefühlt bietet jeder Spirituosen- und Weinhandel, jede Bar mindestens ein Gin Tasting aller 6 Monate an.

Selbst Destillerien entdeckten die 2 bis 3-stündigen Veranstaltungen als Marketing-Maßnahme Marke und Produkt einem breiten – wenn auch nur lokalen – Publikum vorzustellen.

Für zahlreiche junge Gin-Destillerien sind Gin Tastings mittlerweile zum Strohhalm geworden, an den es sich zu klammern gilt, nachdem das Start Up feststellen musste, dass der Markt doch nicht auf einen neuen Gin gewartet hatte.

Du siehst, falls du mit dem Gedanken spielst, private oder professionelle Gin Tastings anzubieten, bist du nicht alleine.

Zahlreiche Referenten vernachlässigen jedoch ein wichtiges Credo bei Gin Tastings:

 

Die Auswahl des Gins ist für den Erfolg einer Veranstaltung nur zu 50 bis 60 Prozent relevant.

 

Aus diesem Grund möchte ich dir daher heute zeigen, auf welche Punkte du achten musst, um deinen Gästen nicht nur Gin einzuschenken, sondern ein Erlebnis zu bieten.

 

 

Was brauche ich für ein professionelles Gin Tasting?

 

Das erste, was dir bei dieser Frage in den Sinn kommt, ist wahrscheinlich „Gin“.

Wäre ja auch das Naheliegendste.

Aber glaube mir, ich habe bisher noch kein Gin Tasting besucht oder gehalten, das ausschließlich Gin anbot und damit für Begeisterung gesorgt hätte.

Bietest du lediglich Schnaps an, ohne ihn mit „Besonderem“ zu flankieren, welchen Grund hat ein Teilnehmer dann, dein Gin Tasting zu besuchen?

Unterm Strich könnte er dann auch Samples der Gins bestellen und sich die entsprechenden Tasting Notes im Internet durchlesen.

Stattdessen solltest du deinem Gast eine Erinnerung bescheren.

Um dies zu erreichen, braucht es neben dir als Referenten auch ein paar Werkzeuge:

 

Die richtigen Botanicals auswählen

 

Ein Ansatz, deinen Gästen etwas zu bieten, was diesen ein eigenes Gin Tasting meist nicht bieten kann, ist eine Auswahl an Botanicals.

Finde im Vorfeld deines Gin Tastings heraus, auf welchen Botanicals deine Gins basieren.

Verwendet die Destillerie exotische Zutaten oder hält sie es klassisch und konservativ?

Manche Gins enthalten derart seltene Ingredienzen, dass es schwierig wird, hierfür die getrockneten Varianten im Handel zu bekommen. Häufig fährst du daher besser, wenn du dir die frischen Samen, Kräuter und Früchte besorgst und diese einige Zeit vor dem Gin Tasting selbst trocknest.

Falls du dir nicht sicher bist, welche Botanicals sich für ein Gin Tasting eignen, hier eine Auswahl mit Erläuterung.

 


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Wacholder

 

Wacholder Gin Tasting
Wacholder-Zapfen sind die Grundlage jedes Gins. Sie sollten zum Probieren bei jedem Gin Tasting gereicht werden.

 

Auch wenn in den letzten Jahren mehr und mehr Gins erschienen, bei denen Wacholder nicht das dominante Aroma war, ist es dennoch die stil-gebende Zutaten jener Spirituosen-Kategorie.

Bei einem Gin Tasting solltest du daher immer 2 bis 3 Schälchen mit jenen Zapfen bereitstellen.

Lasse deine Gäste darin riechen und schmecken. Vor allem beim Kauen erkennen sie die harzig-würzigen Aromen des Wacholders.

 

Koriander-Samen

Koriander-Samen gelten häufig als der „kleine Bruder“ des Wacholders. Er nimmt keine aromatisch dominante Rolle ein, ist aber ein wichtiges Bindeglied zwischen den Aromen des Wacholders und anderen Zutaten.

 

Wacholder (Juniperus) und Koriander-Samen (Coriandrum sativum) stehen in einem Gin aromatisch Schulter an Schulter. Dafür sorgen deren charakteristische Geschmacks- bzw. Aromenprofile.

Der Erste süßlich-würzig, kräftig und harzig-bitter, der Zweite würzig und leicht pikant und mit Nuancen von Orangenschalen, Zimt und Muskat.

Bei deinem Gin Tasting hilft dir ein Schälchen dieser Samen, deinen Gästen den Zusammenhang verschiedener Botanicals zu erläutern.

 

Zitronen- und Limettenschalen

Neben Zitronen- sind Limettenschalen eines der häufigsten Zutaten ein Gins. Verwendung finden dabei in erster Linie deren Schalen.

 

Bietest du deinen Gästen bei deinem Gin Tasting Botanicals an, ist es dir überlassen, wie viele du auswählst. Nie fehlen sollten dabei jedoch Zitronen- bzw. Limettenschalen.

Trockne diese im Vorfeld des Gin Tastings und biete sie deinen Gästen zum Riechen an. Dadurch erkennen diese nicht nur den Duft einer der wichtigsten Botanicals, sondern verstehen auch den aromatischen Zusammenhang zwischen Zitrusfrucht, Koriander-Samen und Wacholder.

 

Das richtige Verkostungs-Glas

 

Veranstaltest du ein professionelles Gin Tasting, kommst du um Nosing Gläser nicht umhin. Diese besitzen in der herkömmlichen Ausführung einen Stiel und zusätzlich eine Glasform, bei der der Boden breiter als die Öffnung ist.

Standard-Varianten haben ein Volumen von 18 cl, sind jedoch aufgrund ihrer Form für 2 bis 4 cl Flüssigkeit optimiert.

Dies ermöglicht eine maximale Oberfläche. Von dieser steigen Duftmoleküle auf und werden zur Öffnung hin gebündelt und konzentriert zur Nase geschickt.

 

Nosing-Gläser gibt es in verschiedenen Qualitätsstufen. Kristallglas spielt dabei sowohl haptisch als auch ästhetisch in der obersten Liga.

Welche Beilagen eignen sich?

 

Bei der Auswahl der Beilagen, die du deinen Gästen neben dem Gin reichst, gilt folgendes Credo:

Eine Beilage darf dem Gin nicht die Show stehlen.

Dies gilt sowohl optisch, vor allem aber geschmacklich und aromatisch. Lässt du während der einzelnen Gin-Verkostungen Pizzas liefern, werden deine Gäste zwar satt, aber weitere Gins kannst du danach vergessen.

Die Geschmacksrezeptoren sind in diesem Fall für unbestimmte Zeit unbrauchbar für ein professionelles Tasting.

Du solltest daher bei der Wahl deiner Beilagen darauf achten, dass sie dem Gin Tasting und damit deinen Gästen dienlich sind.

Biete ihnen daher etwas, das sowohl die Grundbedürfnisse wie Hunger und Durst befriedigt und gleichzeitig die Sinneszellen zwischen zwei Gin-Runden neutralisiert.

Für dein Gin Tasting eignen sich daher folgende 2 Beilagen:

 

  • Frisches, knuspriges Weißbrot oder Baguette ohne Gewürze
  • Stilles Wasser in der Glaskaraffe mit einigen Schnitzern frischer Gurke

 

 

Gurke Gin Tasting
Gibst du dem Wasser einige Schnitzer frische Gurke hinzu, verleiht dies dem Wasser mehr Frische, ohne dabei von der Gin-Verkostung abzulenken.

Welcher Gin eignet sich für ein Gin Tasting?

 

Grundsätzlich alle.

Du solltest dir allerdings, bevor die ersten Gäste eintreffen, darüber Gedanken gemacht haben, welche Produkte du für dein Gin Tasting auswählst.

Denn greifst du einfach blind ins Händlerregal und wählst hier und da einen Gin aus, bekommt dein Gast zwar, was auf dem Flyer steht, „Gin Tasting“, einen roten Faden wird dieses dann aber nicht haben.

Du solltest dir daher überlegen, unter welchem Motto deine Veranstaltung stehen soll.

Ist das Gin Tasting für Einsteiger oder doch eher für Fortgeschrittene? Möchte ich mich auf eine spezielle Gin-Sorte konzentrieren?

Um dir die Planung dabei etwas zu erleichtern, findest du im Folgenden eine Auswahl verschiedener Themen.

 

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New Style vs Old Style

 

In diesem Beispiel stellst du Gins mit einem modernen Aromenprofil, so genannte New Western Dry Gins, denen mit klassischem Profil gegenüber.

Du hast also eine Fraktion, bei denen Wacholder nicht das dominante Merkmal ist und solche bei denen die harzig-trockenen Eigenschaften jener Zapfen hervorstechen.

Für dieses Gin Tasting eignen sich unter anderem: Gin Sul (New Style), N-Gin (New Style), Juniper Jack (Old Style), Fieldfare Dry Gin (Old Style)

 

Offizielle vs Inoffizielle

 

Die Gin-Welt besteht aus 12 Gin-Sorten, unterteilt in 2 Kategorien: Gins, die offiziell in der EU-Spirituosenverordnung definiert sind, und solche, die es nicht sind, die aber auf dem Markt erhältlich sind.

Für dieses Gin Tasting eignen sich unter anderem: Boar Dry Gin (Dry Gin), Plymouth Gin (Plymouth), Ableforth’s Old Tom Gin (Old Tom), Monkey 47 Sloe Gin (Sloe Gin), Tanqueray No. 10 (New Western Style)

Boar Dry Gin aus dem Schwarzwald besitzt ein klassisches Aromenprofil mit deutlicher harzig-trockener Wacholder-Note.

 

Historische Gin-Varianten

 

Die Geschichte des Gins enthielt Variationen, die heute kaum oder nicht mehr verfügbar sind. Möchtest du deinen Gästen geschmackliche Richtungen wie Cordial Gin oder Cream of the Valley dennoch anbieten, musst du diese in den meisten Fällen selbst ansetzen.

Um dich auf dieses Gin Tasting vorzubereiten, findest du hier eine Übersicht aller Gin-Sorten und deren Eigenschaften.

 

Good Stuff vs Bad Stuff

 

Erkläre, warum dieser oder jener Tropfen von schlechter Qualität ist. Entscheidend für den Erfolg dieses Gin Tastings, ist die genaue Erläuterung, warum dieser oder jener Gin nicht so high end ist wie sein Kollege.

Fehlt es ihm an aromatischer Tiefe? Besitzt er eine unangenehme Schärfe? Weist er sogar Fehler auf?

Für dieses Gin Tasting eignen sich: Hier überlasse ich die Entscheidung dir ;)

 

Tipp: Selbstverständlich kannst du auch eigenen Gin, sogenannten Compound Gin ansetzen und deinen Gästen zur Verkostung anbieten. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung wie du eigenen Gin herstellst, findest du hier.

 

Wie viele Gins soll ich anbieten?

gin tasting

 

Stehst du vor der Frage, wie viele Destillate, du während deines Gin Tastings anbieten sollst, musst du eine Gratwanderung gehen.

Auf der einen Seite steht der Preis, den der Gast für die Teilnahme an deinem Tasting zahlt. Die Anzahl an Gins sollte nicht im krassen Gegensatz zur Teilnahmegebühr stehen.

2 Gins für 80 Euro Eintritt lässt sich nicht rechtfertigen.

Auf der anderen Seite macht es keinen Sinn, dein Gin Tasting mit 12 Gins aufzuplustern, wenn der durchschnittliche Gast bei 10 Destillaten schon voll bis unter die Hirnrinde ist.

Das Ziel eines Gin Tastings soll immerhin sein, deinen Gästen ein Genusserlebnis zu bieten, und nicht der Besuch einer „Abfüllanlage“.

Als guter Richtwert für die Anzahl an Produkten bei einem Gin Tasting hat sich daher bei mir der obere einstellige Bereich herausgestellt.

 

7 bis 9 verschiedene Gins eignen sich für ein professionelles Gin Tasting.

 

Bietest du deinen Gästen zwischen 7 und 9 verschiedene Gins an, sind sie – ich gehe mal von 2 cl aus – bis zum Schluss in der Lage das Bouquet jedes Gins analysieren zu können.

 

Das wichtigste Werkzeug bei einem Gin Tasting: Du

 

Hervorragende Gins, perfekte Powerpoint-Präsentation und hochwertige Beilagen: Trotzdem floppt das Gin Tasting.

Du kannst deine Veranstaltung noch so akribisch planen, jedes kleine Details noch so gut durchdenken, wenn du als Referent schlecht bist, wird dies auch dein Gin Tasting sein.

Viele Veranstalter unterschätzen die Macht, die sie als Referenten eines Tastings haben. Mit der Qualität ihrer Arbeit steht und fällt die gesamte Veranstaltung.

Was bringen dir die besten Gins, das beste Baguette und die schönste Tischdekoration, wenn deine Gäste nach 15 Minuten schlafend auf den Tischen liegen.

Für den Erfolg deines Gin Tastings sind daher – in Bezug auf dich – 2 Dinge notwendig:

  • Kompetenz
  • Art der Präsentation

Um dir bei deiner Kompetenz und deinem Fachwissen unter die Arme zu greifen, haben wir einen umfangreichen Gin-Leitfaden geschrieben.

Dieser wird dir helfen, die meisten Fragen, die sich vor und während eines Gin Tastings stellen, zu beantworten.

Der zweite Punkte ist die Art und Weise deiner Präsentation. Denn du bist das wichtigste Medium während eines Gin Tastings.

Wäre ja auch schlimm, wenn dir ein Baguette die Show stellen könnte.