Mai Tai
Abb.: Der Mai Tai ist der bekannteste Tiki-Cocktail … und einer der aromatischsten.

Ein Mai Tai war der erste Cocktail, mit dem ich mich als Jugendlicher so richtig abschoss.

Ich weiß nicht mehr, ob er besonders gut oder schlecht schmeckte. Angesichts der Tatsache, dass wir ihn damals aus Eimern mit überdimensionalen Strohhalmen tranken, gehe ich aber davon aus, es war kein Mai Tai auf Weltniveau.

Über Jahre galt er für uns als der Inbegriff eines hochprozentigen Cocktails, den man immer dann bestellte, wenn man mit wenig Geld maximale Resultate erzielen wollte. Er spielte in einer Liga mit Zombie und Long Island Iced Tea.

Ein Mai Tai war für uns vieles, aber kein Genussprodukt.

Bis zu einem Freitag Anfang der 2000er Jahre.

Damals hatte ich die Gelegenheit meinen ersten Mai Tai zu trinken, der im Glas serviert wurde.

Der erste Schritt in die richtige Richtung.

Tumbler statt Eimer, High End-Rum statt Fusel.

Durch die Ausbildung an der Barschule, der Arbeit hinter dem Tresen und Gesprächen mit zahlreichen befreundeten Bartendern, bekam ich Zugang zu zahlreichen jener Mai Tai-Rezepte.

Ich schrieb sie alle auf.

Heute möchte ich dir zeigen, was ich den vergangenen 15 Jahren über den Mai Tai gelernt habe.

Ich möchte dir zeigen, worauf du bei der Zubereitung dieses Cocktails achten musst, um trotz seines hohen Alkoholgehalts ein wahres Genussmittel ins Glas zu bringen.


Bevor wir uns in die Details stürzen und zahlreiche Mai Tais auseinander nehmen, lass uns zunächst bei den Grundlagen anfangen.

Lass uns einen Blick auf das Rezept werfen.

Mai Tai: Wie du ihn perfekt zubereitest

Ein Mai Tai ist ein hochalkoholischer Cocktail. Bei richtiger Dosierung der Zutaten ist dies jedoch auch ein hocharomatischer Drink, der zurecht in der Riege der Cocktail-Klassiker steht.
Vorbereitungszeit3 Min.
Zubereitungszeit3 Min.
Arbeitszeit6 Min.
Portionen: 1 Person

Equipment

  • Shaker
  • Muddler
  • Tumbler
  • Zitruspresse

Zutaten

  • 1/4 Limette
  • 3 cl Gereifter Guyana-Rum
  • 3 cl Gereifter Jamaica-Rum
  • 0,75 cl Weißer Rhum agricole
  • 1,5 cl Orangenlikör
  • 3 cl Frischer Limettensaft
  • 2,5 cl Orgeat
  • 1 Dash Angostura Bitters

Anleitungen

  • Limettenviertel mit Muddler im Shaker zerdrücken; Limettenviertel im Shaker zurücklassen.
  • Restliche Zutaten mit 3 Eiswürfeln in Shaker geben und 6 Sekunden shaken.
  • In Tumbler auf Crushed Ice abseihen.
  • Mit Crushed Ice wenig nötig auffüllen.
  • Mit den ätherischen Ölen einer Orangenzeste den Drink abspritzen/aromatisieren.
  • Orangenzeste als Dekoration hinzugeben.

 

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Du möchtest noch mehr hervorragende Rum-Cocktails zubereiten?


Welcher Rum eignet sich für einen Mai Tai?

Anders als beim Gros der Cocktail-Klassiker, liegt beim Mai Tai eine Split-Base-Variante vor. Das heißt, die alkoholische Basis des Drinks teilen sich mehrere Spirituosen.

Zweifelsohne benötigst du nur Destillate aus der Kategorie „Rum“. Diese ist aber derart vielseitig, dass die einzelnen Destillate verschiedene Aromen-Stile in den Mai Tai bringen.

Eine große geschmackliche Vielfalt bekommst du in diesen Cocktail, wenn du dich bei folgenden 3 Rum-Regionen bedienst:

  • Guyana
  • Jamaica
  • Martinique/Guadeloupe

Guyana: El Dorado 15 Jahre

el dorado 15

Der El Dorado 15 Jahre Rum stammt aus Guyana und bringt neben einer markanten Süße ein kräftiges Aromenprofil in einen Mai Tai.

Alkohol: 43 %Vol.

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Jamaica: Compagnie des Indes Jamaica 5 Jahre

compagnie des indes Jamaica 5

Der Compagnie des Indes Jamaica 5 Jahre bringt eine Hand voll Ester-Aromen in einen Mai Tai und sorgt somit für eine fruchtige und komplexe Komponente.

Alkohol: 43 %Vol.

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Martinique: Clément Rhum agricole blanc

clement rhum agricole

Mit einem Rhum agricole gibst du deinem Mai Tai einen Schliff, den du bei diesem Drink nur selten findest, der ihn aber raffinierter und komplexer macht.

Alkohol: 50 %Vol.

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Du möchtest mehr über die einzelnen Rum-Stile erfahren?


Natürlich bist du frei in der Wahl des Rums für die Zubereitung eines Mai Tai. Die genannten Rums stellen lediglich eine Empfehlung von mir dar, um dir einen hervorragenden Drink zu bieten.

Falls du es hingegen etwas ursprünglich möchtest, dich also gerne an dem Rum orientieren möchtest, der auch in die ersten Mai Tais floss, habe ich eine gute und eine schlechte Nachricht.

Die Gute: Es gibt diesen Rum noch.

Die Schlechte: Eine Flasche kostet 29.000 Euro.

Auf dem Rumfest London präsentierte J. Wray & Nephew die 4 letzten Flaschen des J. Wray & Nephew 17 Jahre. Der Original-Mai Tai-Rum.

4 Flaschen, die sie bei einer Großinventur einige Monate zuvor in einer ihrer Lagerhäuser entdeckten.

Die Versteigerung brachte umgerechnet über 29.000 Euro ein.

Für eine Flasche!

Jener Rum wurde in den 1940ern abgefüllt und basierte auf mehreren Blends. Das älteste darin enthaltene Destillat war 25 Jahre, was heißt, dass dieser um das Jahr 1915 destilliert wurde.

J. Wray & Nephew stellte die Produktion dieser Qualität Mitte der 1930er ein. Kurz nachdem Trader Vic den ersten Mai Tai mit ihr mixte. Als Konsequenz kaufte er weltweit alle Vorräte des J. Wray & Nephew 17 Jahre auf.

Anschließend stieg er auf die 15-jährige Version um. Allerdings versiegte auch diese Quelle.

Ein Produkt einzustellen, dessen Nachfrage hoch, dessen Marktpotential enorm ist, erscheint von außen nicht nachvollziehbar.

Der Grund für diesen Schritt war jedoch, dass Wray & Nephew zu jener Zeit ihre Produktionsmethoden änderten. Hierdurch war es für sie möglich, Rum deutlich schneller zu produzieren.

Den Original-Rum vom Beginn des 20. Jahrhunderts kann daher heute nicht einmal mehr das eigene Unternehmen herstellen.

Einen Original-Mai Tai gibt es nicht mehr.

Folgendes ist über jenen Rum bekannt: 

Möchtest du dich so nah wie möglich am Orginalrezept des Mai Tai bewegen, dann brauchst du einen Rum, der einen Großteil hiervon abgedeckt.

Um einen Jamaikaner kommst du nicht umhin; um einen hohen Alkoholgehalt auch nicht.

Um die Aromatik jenes Rums in einem Mai Tai möglichst originalgetreu wiederzugeben, eignet sich eine Melange zweier Rum-Stile: Jamaika und Martinique.

Destillate wie der Clément Rhum agricole Blanc oder Clément VSOP Martinique Rhum verleihen jenem Tiki-Cocktail Raffinesse und Balance.

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Das Wichtigste für einen perfekten Mai Tai? Die Süß-Sauer-Balance

Zahlreiche Rums, Sirups und Zitrussäfte… Die Anzahl an Ingredienzen, die du für einen Mai Tai benötigst, sind beachtlich. Vor allem wenn du eine High End-Variante kreieren möchtest, bei dem das Gros der Zutaten nur die Aufgabe hat, den Rum zu „ergänzen“.

Ohne Frage, die Auswahl hochwertiger Zutaten ist Voraussetzung für einen guten Mai Tai; was jedoch mindestens einen eben so hohen Stellenwert hat, ist die richtige Süß-Sauer-Balance.

Denn letztlich – das wird beim Blick auf die Rezeptur deutlich – ist ein Mai Tai nichts anderes als ein typischer Sour-Cocktail.

mai tai sour

Was heute in zahlreichen Bars bei der Zubereitung dieses Cocktails vergessen wird, ist die Tatsache, dass ein Mai Tai aus 3 Komponenten besteht: Alkohol, Süße und Säure.

Alle in einem Verhältnis, bei dem Liköre und Zitrussäfte nur dazu dienen, die Aromen des Rums auf ein Podest zu heben.

Und dies war auch die Intention von Trader Vic, dem Erfinden des Mai Tai.

The flavor of this great rum wasn’t meant to be overpowered with heavy additions of fruit juices and flavorings.

Victor Jules Bergeron jr. alias Trader Vic; ca. 1934

Der Rum im Mai Tai – im damaligen Fall J. Wray & Nephew – war laut Trader Vic zu gut, als dass er durch zu viel Saft und Aromastoffe überlagert werden sollte.

Besser kann man einen Sour nicht definieren.

Weitere Rezepte bekannter Rum-Cocktails


Das Original Mai Tai-Rezept von 1934

Es dauerte eine Weile bis Trader Vic das Rezept seines Mai Tais öffentlich bekannt gab. Dessen Original erschien schließlich 1972:

  • 6 cl J. Wray & Nephew 17 Jahre
  • 1,5 cl DeKuyper Orange Curacao
  • 0,75 cl Rock Candy Sirup (Kandiszuckersirup)
  • 0,75 cl French Orgeat
  • 2,5 cl Frischer Limettensaft

Alle Zutaten in einem Shaker mit Crushed Ice schütteln und ohne Abseihen in ein doppeltes Old Fashioned Glas schütten. Den Cocktail mit Minzezweig und Limettenzeste dekorieren.

Wir können allerdings davon ausgehen, dass diese Rezeptur bei Drucklegung bereits nicht mehr galt. Denn der Jamaika-Rum Wray & Nephew 17 Jahre, wie ihn Trader Vic verwendete, wurde bereits mehrere Jahrzehnte zuvor aus dem Handel genommen.

Zerlegst du allerdings die Rezeptur des Original-Mai Tai, dürfte dir etwas auffallen, das ich bereits erwähnte: Trader Vic orientierte sich an der Grundstruktur eines Sours

Er nahm eine Basis-Spirituose und ergänzte diese im ungefähren Verhältnis 2:1:1 mit Süßkomponenten und Zitrussaft. Nicht im Ansatz eine Saftschleuder.

An der Rezeptur dieses 1972er Mai Tai springt allerdings noch etwas anderes ins Auge.

Es ist der Rum.

Da dieser vom Markt genommen wurde, können wir die Original-Rezeptur heute nicht mehr reproduzieren.

Dennoch gibt es eine Rezeptur, die in Sachen Aromatik und Balance nahe an die 1934er Version herankommt:

  • 3 cl Frischer Limettensaft
  • 3 cl Clément VSOP Martinique Rhum
  • 3 cl Appleton Estate Extra Dark Jamaican Rum
  • 1,5 cl Orange Curacao
  • 1,5 cl Orgeat
  • 0,75 cl Zuckersirup

Mindestens 2 Tassen Crushed Ice zusammen mit den Zutaten in einem Shaker rund 10 Sekunden schütteln. Ohne Abseihen in einen doppelten Tumbler gießen. Dekoration mit Minzezweig und Limettenzeste.

Neben der Wahl des Rums findest du in jener Rezeptur einen weiteren Punkt, der aus einem guten einen hervorragenden Mai Tai macht.

Orgeat.

Kein Mandel-Sirup.

Orgeat!

Wie du Orgeat selbst herstellst?

Der wichtigste Bestandteil von Orgeat ist das Aroma von Mandeln.

In diesem Punkt unterscheidet es sich nicht von herkömmlichen Mandel-Sirup. Möchtest du allerdings einen Mai Tai zubereiten, der im Gedächtnis bleibt, kommst du um Orgeat nicht herum.

Das Aroma von Mandeln ist eine der sensorischen Grundlagen eines Mai Tai.

Mit der Rezeptur, die ich dir im Folgenden zeigen möchte, erhältst du 0,375 Liter Orgeat. Genug für 25 Mai Tais.

Und weitaus besser als einfacher Mandelsirup.

Was du brauchst:

  • 125 Gramm blanchierte Mandeln
  • 200 ml Wasser
  • 175 Gramm Zucker
  • 20 ml Vodka bzw. Weinbrand
  • 1/4 TL Orangen- oder Rosenwasser (optional)

Gib Mandeln in eine Schüssel und übergieße sie mit kaltem Wasser. Lasse das Ganze rund 30 Minuten ziehen. Gieße anschließend das Wasser ab und zerkleinere die Mandeln mit einem Nudelholz.

Gib nun die Mandelstücke in eine große Schale und die 200 ml Wasser hinzu. Lasse dies 1 bis 2 Stunden ziehen. Lege ein Geschirrtuch in einen großen Filter und gieße die Mandel-Wasser-Mixtur hinein. Drücke das Tuch zusammen, um mehr Flüssigkeit zu extrahieren.

Nimm nun die Mandeln aus dem Tuch und gebe sie in das Mandelwasser, dass du gerade herausgepresst hast. Lass diese erneut für rund 1 Stunde ziehen und filtere anschließend nochmals wie zuvor.

Wenn du ein intensiveres Mandelaroma möchtest, kannst du den Vorgang auch ein drittes Mal durchführen.

Den Mandelrest kannst du nun wegwerfen. Das gewonnene Mandelwasser gibst du hingegen in eine Pfanne; Zucker dazu und bei mittlerer Hitze köcheln lassen. Regelmäßig umrühren.

Sobald sich der Zucker aufgelöst hat, nimmst du die Pfanne vom Herd.

Gib der Flüssigkeit rund 15 Minuten Zeit abzukühlen. Gieße anschließend Vodka oder Brandy sowie Orangen- oder Rosenblüttenwasser hinzu.

Fülle das Orgeat anschließend in eine Flasche.

Sobald die Flüssigkeit abgekühlt ist, hast du dein eigenes Orgeat. Besser als die meisten Industrieprodukte und aromatischer als herkömmlicher Mandelsirup.

Bereit für einen High End-Mai Tai.


Bildquelle Titelbild: © Ryzhkov – Fotolia.de