Das erste Mal, als ich einen Whisky in den Abfluss kippen musste, war ein schrecklicher Moment.

Dies passierte mir vor rund 10 Jahren.

Bis dahin liebte ich meinen Elijah Craig 18 Jahre Bourbon Whiskey und rationierte ihn daher stoisch.

Alle paar Wochen ein kleines Glas.

Und das war leider zu langsam.

Je größer der eigene Whisky-Bestand, desto länger dauert es, einzelne Flaschen zu leeren. Nach 3 bis 6 Monaten ist – ohne Vorkehrungen – ein Teil davon ungenießbar.

Neben der Enttäuschung nun einen guten Whiskey verloren zu haben, war es aber mehr das Unwissen über die Gründe, was mich verzweifeln ließ.

„Wie kann Whisky schlecht werden und „kippen“? Ich hatte gedacht, der viele Alkohol macht ihn haltbar?“

Wenn ich nicht wusste, warum dieser Whiskey schlecht geworden war, wie kann ich es dann beim nächsten verhindern?

Ich unterhielt mich daraufhin mit zahlreichen professionellen Whisky-Sammlern und -Experten, recherchierte über die Durchlässigkeit von Korken und probierte Möglichkeiten Whisky in einer angebrochenen Flasche haltbar zu machen.

In diesem Artikel möchte ich dir die Ergebnisse dieser Recherche zeigen. Ich möchte dir helfen, deine Whiskys richtig zu lagern und haltbar zu machen.

So lagerst du Whisky richtig

Lass es uns pragmatisch betrachten.

Stellst du dir die Frage, wie du Whisky richtig lagern sollst, stehen 2 Gruppen an Faktoren vor dir.

Die eine Gruppe kannst du nicht beeinflussen. Dies sind Raumdruck und Luftfeuchtigkeit.

Natürlich kannst du dir einen Raumluftbefeuchter neben dein Whisky-Regal stellen, großen Einfluss hat dies aber auf die Haltbarkeit des Whiskys nicht.

Vor allem nicht, wenn du dir die Faktoren anschaust, auf die du hingegen Einfluss nehmen kannst.

  • Flaschenposition
  • Helligkeit
  • Zimmertemperatur

Die Faktoren beeinflussen die Haltbarkeit deines Whiskys und sogar dessen Reifung in der Flasche.

Das gute daran: Du kannst sie aktiv steuern.

Achte darauf, wie du die Flasche ins Regal stellst

Lass uns einmal einen kurzen Blick in die Wein-Szene werfen.

Dort gilt es als ungeschriebenes Gesetz, Weine liegend zu lagern. Der Grund liegt in der Befeuchtung des Korkens, zur Vermeidung von Porosität.

Die Annahme ist, dass die Flüssigkeit den Korken davor bewahrt, porös zu werden und damit zu brechen.

Wein liegend zu lagern, ist Unsinn.

Dr. Miguel Cabral

Diese Theorie ist allerdings Unsinn, wie Dr. Miguel Cabral auf Drinksbusiness.com bestätigt.

Die Feuchtigkeit im Luftraum der Flasche, dem sogenannten „Headspace“ enthielte genug Feuchtigkeit, um den Korken zu befeuchten.

Wird Wein oder Whisky liegend gelagert, greift der Alkohol die Zellstruktur des Korkens an. Unter Umständen führt dies zur Porosität und damit zur Durchlässigkeit des Korkens.

Im Gegenteil. Zu viel Alkoholkontakt könnte die Zersetzung der Zellstruktur des Korkens sogar beschleunigen. Die Folge wäre eine höhere Verdunstungsrate und Kork-Stücke in der Flüssigkeit.

Und jetzt rate mal, wie es bei Whisky aussieht?

Noch extremer!

Denn Whisky hat nicht die 9 bis 13 %Vol. Alkohol von Wein. Es hat mindestens 40 %Vol.

Die Zersetzung der Zellstruktur des Korken würde damit noch schneller ablaufen.

So solltest du vorgehen: Im Sinne der Haltbarkeit des Korkens und somit des Whiskys solltest du diesen ausschließlich stehend lagern.

Der Dampfdruck im „Headspace“ reicht aus, um den Korken feucht zu halten, ohne ihn dabei jedoch zu zersetzen.

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Welche Temperatur soll der Raum haben?

Mit der Temperatur des Raumes, in dem dein Whisky lagert, kannst du Einfluss auf 2 Eigenschaften nehmen:

  • Die Geschwindigkeit der chemischen Reaktionen in der Flasche
  • Den Druck in der Flasche und folglich der Gasaustausch mit der Umgebung

Hast du schon einmal von „interaktiver Reifung“ während der Fasslagerung gehört?

Einfach ausgedrückt, beschreibt dies die chemischen Reaktionen, die während der Fasslagerung innerhalb der Flüssigkeit ablaufen. Das Holz des Fasses nimmt hier nur indirekt Einfluss.

Ähnlich kannst du es dir in der Whisky-Flasche in deinem Regal vorstellen. Die Moleküle, die sich darin befinden, gehen zu einem gewissen Grad chemische Reaktionen miteinander ein.

Das hat bei einer Lagerung bei Zimmertemperatur keine nennenswerten Auswirkungen – weder geschmacklich noch aromatisch.

Drehst du nun jedoch das Thermometer nach oben oder lässt ungebremst Sonnenstrahlen in den Raum einfallen, laufen auch jene chemischen Reaktionen schneller ab.

So kannst du auf Grundlage der RGT-Regel davon ausgehen, dass jede Temperaturerhöhung um 10 °C die chemischen Reaktionen in deinem Whisky um das 2- bis 3-fache beschleunigen.

Hinzukommt die Tatsache, dass jede Temperaturerhöhung des Whiskys dazu führt, dass der Gasdruck in der Flasche steigt.

Je höher dieser ist, desto stärker ist die Kraft, mit der die Moleküle im „Headspace“ durch die Poren des Korkens nach außen drücken.

Unterliegt der Raum also starken Temperaturschwankungen, hat dies unmittelbar Einfluss auf die Qualität deines Whiskys.

Chemisch und physikalisch.

So solltest du vorgehen: Achte darauf, dass deine Whiskys keinen hohen Temperaturschwankungen ausgesetzt sind.

Zudem sollte die Temperatur des Raumes nicht dauerhaft über 25 °C und auch nicht kurzzeitig über 40°C liegen. Wenn möglich solltest du den Raum bei rund 20 °C halten.

Auch wenn dieser Schritt bei 98 Prozent der Whisky, die in einem Regal stehen, ausreicht, gibt es noch einen weiteren Schritt.

Denn Naturkorken, wie sie in der Single Malt-Industrie angewendet werden, haben immer eine gewisse Permeabilität und damit Durchlässigkeit für Gase.

Sauerstoff rein, Moleküle aus der Flasche raus.

Um diesen letzten Rest Gasaustausch auch noch zu unterbinden, kannst du den Verschluss mit Parafilm abdichten.

Kein Gas rein, kein Gas raus.

Zu viel Licht kann deinen Whisky zerstören

Hast du schon einmal vom „Lightstruck“ bei Bier gehört?

Dies ist ein schwerer aromatischer Fehler, der auf der Verbindung 3-methyl-2-butene-1-thiol (kurz: MBT).

Die Ursache für die Bildung dieser Substanz ist die Wechselwirkung von Licht mit Molekülen des Hopfens in der Flasche. Aus diesen formt sich MBT, eine unangenehm riechende Schwefel-Verbindung.

Vielleicht fragst du dich jetzt, warum ich dir dies schreibe, wenn Whisky doch gar kein Hopfen enthält.

Um dir zu zeigen, welchen Einfluss Licht auf ein Genussmittel haben kann, das bereits in der Flasche ist.

Direkte Sonneneinstrahlung verändert nicht nur das Bouquet von Bier und Wein, sondern auch das von Whisky. Dieser sollte daher stets dunkel gelagert werden.

Denn auch Wein – ebenfalls kein Hopfen enthalten – bildet bei längerer Lichteinstrahlung unangenehme Fehlnoten.

Der Grund liegt hier in Aminosäuren und Proteinen, die mit Hilfe von Tageslicht zur Oxidation neigen. Dadurch bilden sie Schwefelverbindungen mit unangenehmen Geruch.

Und bei Whisky?

Auch dieser enthält Schwefelverbindungen, die durch Lichteinfluss umgewandelt werden können.

Im Sinne der Haltbarkeit ist es daher wichtig, dass du deine Whisky-Flaschen nicht direkter Sonneneinstrahlung aussetzt.

Es ist nicht nötig, dass du hierfür gleich deinen Keller leer räumst. Es reicht, wenn der Schrank, in dem die Flaschen stehen, nicht regelmäßig von der Sonne angestrahlt wird.

Oder die Flaschen in ihrer Umverpackung aus Metall oder Pappe bleiben.

Reift Whisky in der Flasche? Ja!

Bisher haben wir uns darüber unterhalten, wie du deinen Whisky lagerst, um dessen Qualität möglichst lange konstant zu halten.

Dabei haben wir einen Punkt jedoch stets vorausgesetzt: Die Flasche wurde noch nie geöffnet.

Aber blicke ich in mein Whisky-Regal, und ich denke, dir geht es nicht anders, ist dies keine realistische Situation.

Wir kaufen uns Whiskys um mindestens einen Teil davon zu genießen. Folglich stehen auch geöffnete Flaschen im Regal.

Manche mit mehr, manche mit weniger Inhalt.

Viele Jahre war mir nicht bewusst, dass dieser Zustand einer Flasche dem Whisky nach nur wenigen Monaten schaden kann.

So schaden, dass du den Whisky in den Abfluss geben kannst.

Und genau dort landete auch mein Elijah Craig 18 Jahre.

Hattest du schon mal einen Whisky geöffnet und dann mehr als 6 Monate im Schrank stehen?

Falls ja, und du ihn nach dieser Zeit noch trinken konntest und dich keine scharfen Alkoholnoten und ein bitterer Geschmack davon abhielten, hattest du Glück.

Denn 6 Monate sind eine Art Schwelle, nach der dein Whisky „kippen“ kann. Sofern die Flasche offen ist und schon eine ordentliche Portion Whisky entnommen wurde.

Denn an dessen Stelle tritt Luft. Und der darin enthaltene Sauerstoff ist das Problem.

Als ich Eye for Spirits gründete, hatte ich ungefähr 6 Flaschen Spirituosen zu Hause. Etwas Whisky, Rum, hier und da einen Gin.

Dass diese Destillate verbraucht werden, war abzusehen.

Im Laufe der Jahre änderte sich jedoch der Bestand. Mittlerweile sind mehrere Regale bis zum Rand mit Flaschen gefüllt. Diese alle zu leeren, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Zumindest nicht auf absehbare Zeit. 

Und genau hier liegt die Crux: Zeit.

Denn wenn ich bedenke, dass Spirituosen wie Whisky ein Verfallsdatum haben, tickt die Uhr.

Du darfst dir dieses Verfallsdatum jedoch nicht wie ein Mindesthaltbarkeitsdatum vorstellen. Whisky ist weit davon entfernt, es Käse oder Yoghurt gleich zu tun.

Hochprozentige Alkoholika können aufgrund ihres Alkoholgehalts nicht „schlecht“ werden.

Sie können aber „kippen“.

Je mehr Luft in der Flasche ist, desto näher rückt dieser Zeitpunkt. Der Sauerstoff innerhalb der Flasche reagiert mit Molekülen innerhalb des Whiskys und verwandelt sie in weniger bekömmliche Stoffe.

Vor allem Gerbstoffe und Tannine freuen sich auf chemische Reaktionen mit dem eindringenden Sauerstoff.

Die Konsequenz: der Tropfen wird ungenießbar.

Du hast daher 2 Möglichkeiten.

Option 1 ist ein schnelles Aufbrauchen.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Whisky, dessen Flasche zur Hälfte mit Luft gefüllt ist, eine Lebensdauer von 6 Monaten bis 1,5 Jahren hat.

Die zweite Option, die du hast: Tue etwas gegen diesen Verfall. Hierfür musst du die Luft aus der Flasche kriegen. Auf irgendeine Art.

Um dies zu bewerkstelligen, helfen dir die folgenden Methoden.

Manche davon haben jedoch auch Nachteile, dir ich dir ebenfalls nicht vorenthalten möchte.

4 Möglichkeiten, um deinen Whisky haltbar zu machen

Egal, ob Whisky oder andere Spirituosen, sind die Flaschen geöffnet, beginnen oxidative Prozesse den Flascheninhalt zu verändern.

Die Vor- und Nachteile von Inert-Gasen

Die Luft, die in die Flasche dringt, bringt zwangsläufig auch Sauerstoff mit. Ein hochreaktives Element, dass deinen Whisky peu à peu verändert.

Eine Möglichkeit deinen Whisky haltbar zu machen, besteht daher darin, den Sauerstoff in der Flasche durch weniger aggressive Gase zu ersetzen

  • Stickstoff: Füllst du die Whiskyflasche mit Stickstoff, verdrängst du dadurch den Luftsauerstoff. Effektiv, aber unhandlich, denn jene Stickstoffbehälter kommen meist in schweren Stahlflaschen und fassen mindestens 1,5 Liter. Zudem sind sie teuer.
  • Edelgase: Edelgase wie Helium oder Argon in die Whiskyflasche zu füllen, stoppt den Verfall. Bei den Preisen von Edelgasen wäre es aber besser, du kaufst dir einfach eine neue Flasche Whisky.
  • Kohlenstoffdioxid: Preiswert, handlich und effektiv. Das Problem mit diesem Gas ist jedoch, dass es in die Flüssigkeit eindringt und zusammen mit Wasser Kohlensäure bildet. In einem Scotch nicht gerade das beliebteste Molekül.

Kleine Flaschen sind effektiv, aber nicht ästhetisch

Eine weitere Möglichkeit wäre, deinen Whisky in kleinere Flaschen umzufüllen.

Du kaufst dir Sample-Flaschen mit Drehverschluss in den Größen 10 bis 20 Zentiliter und verteilst den Whisky nach erstmaligem Öffnen der Flasche in diesen.

Allerdings bin ich hiervon kein großer Fan, da zum einen andere Aromen in der „neuen“ Flasche den Whisky stören könnten und zum anderen das Flaschenlabel fehlt.

Rein aus sensorischen Gründen – vorausgesetzt die neuen Flaschen sind geruchlos – spielt dies aber keine Rolle. Es mangelt allerdings an Ästhetik einer Whisky-Flasche und deren Labels.

Es fehlt daher ein Stück Flair, den du mit jeder Flasche Whisky kaufst.

Glaskugeln?

Eine weitere Möglichkeit, die ich mittlerweile bei zahlreichen Whisky-Fans beobachten konnte, ist die Verwendung von Glaskugeln.

Kleine, Daumennagel-große Kugeln aus Glas, die in die geöffnete Flasche gefüllt werden. Gerade so viel, dass die Luft verdrängt wird und die Flüssigkeit wie bei einer neuen Flasche am Flaschenhals anliegt.

Dies hat den Vorteil, dass du die Ästhetik der Flasche behältst und der Whisky sensorisch nicht verändert wird.

Auf der anderen Seite erhöhst du jedoch drastisch das Gewicht der Flasche. Gießt du dir oder deinen Gästen nun den Whisky in Gläser, erfordert es einiges Geschick die Glaskügelchen in der Flasche zu behalten.

Die beste Möglichkeit deinen Whisky haltbar zu machen

In den letzten Jahren habe ich zahlreiche Varianten ausprobiert, meine Whiskys haltbar zu machen.

Ich wollte um jeden Preis vermeiden, dass sich das Maleur mit meinem Elijah Craig 18 Jahre wiederholt.

Die bis heute besten Ergebnisse bei der mehrmonatigen Lagerung geöffneter Whisky-Flaschen mache ich seither mit Unterdruck.

Ziehe die Luft aus der Flasche.

Unterdruckpumpen wie VacuVin erzeugen Unterdruck in Wein- und Whisky-Flaschen und erhöhen dadurch deren Haltbarkeit.

Bei Whisky-Flaschen, die ich nur hin und wieder öffne, verwende ich die Unterdruckpumpe Vacu Vin seit mehreren Jahren.

Diese findest du bei mehreren Online-Händlern für einen Preis von rund 10 bis 15 Euro. Wahlweise kannst du auch diesem Link von mir folgen, um direkt zu der Unterdruckpumpe von Vacu Vin zu gelangen.

Sie hat zwar den Nachteil, dass du  für jede Flasche einen speziellen Verschluss benötigst, diese sind allerdings nachbestellbar.

Und: Sie bewahren dich relativ günstig davor, deinen Whisky zu verlieren.