Kalt und auf Ex.

Die Volksweisheit darüber wie du Vodka trinken solltest, ist präzise.

So kalt wie möglich, und so schnell wie möglich.

Und so viel wie möglich.

Die Vodka-Industrie hat es in den vergangenen 50 Jahren geschafft, aus diesem Destillat ein Prestige-Produkt zu kreieren, das nur einen Zweck erfüllen muss:

Das Flaschen-Design muss luxuriös und auffallend sein, der Inhalt möglichst neutral. Das Aussehen soll die Kunden locken, der Vodka selbst dann aber nicht gleich wieder abstoßen.

Und ein solches Produkt erschafft man, indem das Destillat keinerlei Aromen oder Nuancen hat, an denen man sich stören könnte.

Oder die einem gefallen könnten.

Solch industriellen Vodka brennt eine Destillerie auf hohen Alkoholgehalt und filtert anschließend mit allen Mitteln, die der Markt hergibt.

Einen solchen Vodka kannst du ohne Bedenken kalt „exen“; würdest ja bei einer Verkostung eh nichts erkennen.

Es gibt allerdings noch die andere Fraktion Vodka. Der, den kleine und mittelständische Destillerien, und selbst mancher Konzern auf den Markt bringt. Der, der tatsächlich ein High End-Vodka ist.

Ein Destillat, voll bepackt mit grazilen Nuancen.

Dieser Vodka lohnt sich zu verkosten, lohnt sich zu genießen.

Ich möchte im Folgenden 3 Fragen mit dir besprechen und klären:

  • Wie verkostest du hochwertigen Vodka?
  • Welche Kategorien von Vodka begegnen dir?
  • Welcher Vodka lohnt sich zu kaufen und zu verkosten?

So verkostest du hochwertigen Vodka

Ich kann dir versprechen, dass dir diese Anleitung zur professionellen Vodka-Verkostung helfen wird, Nuancen in einem hochwertigen Vodka zu entdecken.

Was aber auch dieser Artikel nicht schaffen wird, einem Vodka das intensive Bouquet eines Cognacs, Rums oder Whiskys zu verleihen.

Das funktioniert nicht. So funktioniert Vodka nicht.

Bei Vodka gibt es den Rohstoff und Hefezellen. Grob gesagt, die einzigen beiden Bestandteile, die aromatische Nuancen liefern.

Daraus entsteht ein Bouquet aus Nuancen; das dir jedoch bei der korrekten Verkostung einen Heidenspaß machen wird.

Welche Temperatur braucht Vodka?

Ich finde es unglaublich. Jede Verkostung, egal wie hoch wir in der Experten-Leiter bereits geklettert sind, wird von unserem Unterbewusstsein gesteuert.

Die Kunst liegt jedoch darin, diesem Teil unseres Gehirns, auf das wir nur bedingt Einfluss haben, nicht all zu viel Spielraum zu geben.

Vor allem nicht bei Vodka; vor allem nicht, wenn es nur um Nuancen geht.

Ich staune immer wieder, wie mir ein und dieselbe Spirituose an unterschiedlichen Orten verschiedene Aromen liefert. Der Inhalt des Glases ist dabei immer derselbe. Mein Unterbewusstsein nimmt sie nur anders war, manipuliert durch äußere Einflüsse.

Aus diesem Grund ist es bei der Verkostung von Vodka so wichtig, dass du diesen in einem hellem, gut gelüftetem und geruchsneutralem Raum verkostest.

Optimal sind dabei 20 bis 22°C. Im Schnitt also die übliche Wohlfühltemperatur in einem Zimmer.

Die Raumtemperatur während der Vodka-Verkostung sollte im Durchschnitt bei 21°C liegen.

Zudem sollten die Wände keine zu grellen Farben tragen und der Raum gut beleuchtet sein.

Anders wäre es für dich nur schwer möglich, das Destillat optisch zu beurteilen. Zumal sich die einzelnen Produkte eh nur marginal unterscheiden.

Weitaus wichtiger jedoch als die örtlichen Faktoren sind die Mahlzeiten.

Einen Vodka in Begleitung eines Essens zu beurteilen, macht ungefähr so viel Sinn wie wasserdichte Sandalen.

Das funktioniert einfach nicht.

Fette, Öle und Proteine belagern dadurch deine Mundschleimhäute derart, dass die Aromastoffe des Vodkas keine Chance haben, zu diesen durchzudringen.

Die letzte deftige Mahlzeit vor einer Vodka-Degustation sollte daher mindestens 2 bis 3 Stunden zurückliegen. Optimalerweise verspürst du weder Hunger noch Sattheit.

Verkoste hierarchisch

Für die Verkostung eignet sich eine hierarchische Anordnung der einzelnen Proben. Von minderer bis höchster Qualität.

Du beginnst „unten“ und arbeitest dich dann nach „oben“. Am Ende sollten jene Vodkas mit der Klassifizierung „Luxus“ bzw. „Lux“ und „Alpha“ stehen.

Wobei „Extra“ in diesem Falle nicht Teil von Extra smooth oder Extra hot ist, sondern eine offizielle Qualitätsstufe des Vodkas darstellt.

Vodka-Hersteller können für ihr Produkt nahezu jeden Rohstoff verwenden. Für Destillate höherer Reinheit ist allerdings nur Getreide und Kartoffeln, Zuckerrüben, Melasse oder Mischungen aus den genannten möglich.

Möchte die Destillerie ihrem Tropfen allerdings als „Extra„, „Luxus“ oder „Basis“ klassifizieren, benötigt der Vodka-Brenner entweder verschiedene Getreide-Arten oder eine Mischung aus Getreide und Kartoffeln.

Möchte er hingegen das Prädikat „Alpha“ für seinen Vodka, kommt nur Roggen, Weizen oder eine Mischung der beiden in Frage.

Unabhängig der Qualität solltest du pro Verkostungsrunde 4 oder 5 cl Vodka im Glas haben.

Temperatur des Vodkas: 15°C.

Dies erfordert zwar etwas Kühlung, hilft aber dabei, die Textur des Vodka nicht zu ölig werden zu lassen.

Vodka sollte bei der Degustation eine Trinktemperatur von ca. 15 °C besitzen.

Auch wenn es das Klischee so möchte, hochwertiger Vodka hat nichts in einem Shot-Glas verloren.

Diese kleinen Teile sind fürs Wirkungstrinken geeignet, nicht aber zur Verkostung von Destillaten. Auch nicht von Vodka.

Wie auch bei Whisky, Cognac oder Rum kommen bei der Degustation von Vodka tulpenförmige Gläser zum Einsatz. Gläser, die unten breiter sind und sich nach oben verengen. So genannte Nosing-Gläser.

Da du auch das Aussehen bewertest, ist es wichtig, dass das Glas farblos ist.

Beurteile die Farblosigkeit!

Selbst die optische Beurteilung von farbintensiven Destillaten wie Bourbon oder vieler Weinbrände ist manchmal ein ziemlich harter Brocken.

Die Unterschiede fließend, die Farbe nicht klar abzugrenzen.

Ich denke, du gibst mir daher Recht, wenn ich sage, dass die Bewertung eines farblosen Tropfens noch mal eine ganz andere Hausnummer ist.

Schaut man nicht genau hin, sehen Vodkas eh alle gleich aus.

Der Teufel liegt allerdings im Detail. Die Frage, die du dir daher bei der optischen Beurteilung eines Vodkas stellen musst, ist nicht: „Welche Farbe hat er?“.

Das kannst du auch beantworten, ohne dass du den Vodka jemals zu Gesicht bekommen hast.

Die relevanten Fragen sind vielmehr:

  • Ist er klar oder trüb?
  • Funkelt er im Licht?
  • Enthält er Fremdpartikel oder Bodensatz?

Um die Klarheit eines Vodkas zu beurteilen, hältst du das Glas auf Augenhöhe zunächst schräg gegen das Licht.

Anschließend kannst du es auch mit der Draufsicht probieren.

Die Klarheit des Vodkas hängt dabei von der Menge und Farbe der enthaltenen Schwebepartikel ab. Je mehr, desto trüber. Je trüber, desto minderwertiger.

Ich weiss aus eigener Erfahrung, dass die optische Beurteilung von farblosen Destillaten zur Königsdisziplin bei der Bewertung von hochprozentigen Genussmitteln gehört. Allerdings gibt es einen einfachen Trick, mit dem du dir die ganze Sache deutlich erleichtern kannst.

Tipp: Nimm 2 Gläser. In eines füllst du rund 10 cl des zu testenden Vodkas und in das andere dieselbe Menge destilliertes Wasser. Halte beide Gläser parallel gegen das Licht und betrachte deren Aussehen. Sollte ein Trübung im Vodka vorhanden sein, erkennst du sie spätestens jetzt im direkten Vergleich.

Diese Aromen solltest du kennen

Aromen, jene feinen Duftnoten, die wir mit unserer Nase wahrnehmen, gibt es auch beim Vodka. Wir müssen die Nase nur auf diese trainieren.

Entsprechend der Qualität eines Vodkas können dies durchaus viele sein, so dass wir definitiv von einem „Bouquet“ reden können. Alle ortho- und retronasal wahrnehmbar.

So teilt man das Bouquet eines Vodkas grundlegend in folgende 7 Gerüche ein:

VODKA-AROMEN

Entdeckst du darüber hinaus noch weitere Aromen, gelten diese als Kombinationen der genannten 7.

Um das Bouquet optimal wahrzunehmen, schwenkst du 4 bis 5 cl des Vodkas kurz im Glas.

Gib ihm 30 bis 40 Sekunden, um sich wieder zu beruhigen und halte es anschließend an deine Nase.

Was riechst du?

Bewege das Glas nun langsam von einem zum anderen Nasenloch. Sollte dir der Alkohol zu stark sein, dann öffne leicht deinen Mund. Dadurch zirkuliert Luft zwischen Mund und Nase und schwächt die alkoholische Schärfe in Teilen ab.

Was ein Vodka nicht sein darf

Scharf. Ein hochwertiger Vodka darf nicht scharf sein.

Ob ein Vodka dies ist, erkennst du bisweilen schon in der Nase, spätestens aber im Mund.

Seine erste Performance, sein erster Eindruck, den er hinterlässt, ist sein Mundgefühl.

Ist er weich und samtig? Oder doch eher hart?

Eigenschaften, die aus den einzelnen chemischen Inhaltsstoffen resultieren.

Fakt ist allerdings, dass ein hochwertiger Vodka keinen scharfen oder brennenden Geschmack haben darf. Außerdem sollte er ohne jeglichen Beigeschmack sein.

Die Verkostung von Vodka ist, so würde ich es beschreiben, eine der schwierigsten Prozesse der Spirituosen-Beurteilung. Zu filigran die Noten, zu grazil Geschmack und Aroma.

Dennoch zeigen sich zwischen den einzelnen Qualitätsstufen markante und spannende Unterschiede.

Wenn du weisst, wie du danach suchen musst.

3 Vodkas, die du probieren solltest

Lions’s Vodka (Deutschland)

Lion’s Vodka stammt aus der Münchner Gin-Schmiede „Duke“. Ein hervorragender Tropfen mit zahlreichen Getreide-Nuancen.

Absolut Elyx (Schweden)

Die Schweden von Absolut Vodka sind in erster Linie bekannt für ein geniales Marketing. In deren Portfolio versteckt sich mit dem Absolut Elyx jedoch auch eine wahre Genussperle.

Freimut Vodka (Deutschland)

Wenige andere Vodkas zeigen so eindrucksvoll, wie intensiv das Getreide-Aroma dieses Genre sein kann wie der Freimut Vodka.