Ich finde es schwierig, einen Rum-Cocktail zu finden, der besser ist als ein Daiquiri. Ich war sogar Jahre davon überzeugt, dass es so etwas nicht gibt…zumindest nicht, bis ich das erste Mal einen Hemingway Cocktail im Glas hatte.

Hast du bereits eine Hand voll Drinks zubereitet, gibst du mir vielleicht Recht. Kompliziert wird es vor allem dann, wenn der Cocktail wenige Zutaten hat. Denn dann muss jede einzelne perfekt sitzen.

Fehler werden nicht verziehen. Spätestens deinem Gast fallen sie auf die ein oder andere Art auf.

Dies ist auch bei einem Dreiteiler wie dem Daiquiri so: Rum, Zucker und Limette.

Veränderst du in diesem jedoch 2 Zutaten, kannst du damit – aus aromatischer Sicht – Großes bewirken. Du kreierst einen Hemingway Cocktail.

Im Folgenden möchte ich dir daher zum einen zeigen, wie du einen Hemingway Cocktail zubereitest, als auch die Gründe erklären, warum er deinen Gästen mehr zu bieten hat als sein berühmter Verwandter.

Ok, legen wir los.

Das Rezept eines Hemingway Cocktail

Hemingway Cocktail Rezept

Die Anzahl an Zutaten, die du zur Zubereitung eines Hemingway Cocktails benötigst, ist überschaubar.

Die Crux liegt jedoch in deinem Umgang mit diesen. Denn im Vergleich zu einem herkömmlichen Daiquiri erweitert die Rezeptur des Hemingway Cocktail diesen um Geschmack und Aromen.


  • 60 ml Weißer Rum (40 %Vol.)
  • 22,5 ml Frischer Limettensaft
  • 15 ml Maraschino (32 %Vol.)
  • 15 ml Frischer Grapefruitsaft (Gelb)
  • Optional: Salzlösung (20 %)

Gib alle Zutaten mit 4 bis 5 Eiswürfeln in den Shaker und schüttle rund 12 Sekunden.

Seihe anschließend in eine vorgekühlte Cocktailschale/Coupette und garniere den Drink mit Limetten- oder Grapefruitzeste.


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Achte unbedingt auf diesen Zusammenhang

Vergleichst du das Rezept des Hemingway Cocktail mit dem eines Daiquiri, werden dir 2 Unterschiede auffallen.

Der Daiquiri besitzt – abgesehen von Rum – 2 Geschmacksrichtungen: Süß und sauer.

Die Hemingway-Version hingegen 3: Süß, sauer und herb/bitter.

Die Folge ist, dass du eben nun nicht mehr nur 2, sondern 3 Geschmacksrichtungen in Einklang bringen musst.

Hinzukommt die Tatsache, das du neben Rum und Limette, wie im Falle des Daiquiri, beim Hemingway Cocktail neben Kirsch- auch noch Grapefruit-Aroma hinbekommst.

Deine Nase und Zunge erreichen folglich mehr Duft- und Geschmacksmoleküle, die du miteinander kombinieren musst.

Wichtig: Probiere den Hemingway Cocktail mit obiger Rezeptur und passe die Zutaten je nach Geschmack um ein paar Milliliter an. Verkoste diesen und halte dich dann an die Rezeptur. Dann musst du ihn nicht mehr nach jeder Zubereitung probieren, bevor er dem Gast serviert wird. Denn ein paar Tropfen eines Cocktails auf den Handrücken zu treufeln und davon auszugehen, dass man auf diese Art dessen Qualität prüfen kann, ist totaler Unsinn.

Weitere Rezepte bekannter Rum-Cocktails


Ein Hemingway Cocktail hat 16,5 %Vol.

Je nachdem wie hoch die Qualität deines Eises, wie genau du bei der Abmessung der Zutaten bist und wie lange du shakst, bekommt dein Hemingway Cocktail/Hemingway Special im Durchschnitt einen Alkoholgehalt von 16,5 %Vol.

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Weißer Rum: So entschlüsselst du seine Aromen

Der große Rum-Leitfaden: Was du über Rum wissen solltest

Kubanischer Rum: Der große Tasting-Leitfaden


Hemingway Cocktail mit oder ohne Salz?

Es ist eine Frage, die sich nicht viele Bartender stellen. Zumindest ist mir in den vergangenen Jahren kaum einer begegnet, der sich fragte:

„Dieses Mal Salz in den Hemingway Cocktail oder doch nicht?“

Dieses kleine Detail hilft dir aber, aus diesem Drink eine kleine Perfektion zu zaubern.

Der Grund ist dabei nicht, dass „salzig“ eine der noch fehlenden Geschmacksrichtungen ist – immerhin haben wir ja schon süß, sauer und herb.

Nein, vielmehr pusht das Salz die vorhandenen Geschmacksnuancen in Richtung deiner Sinneszellen.

Die Salzlösung hilft dir und deinen Gästen, den Hemingway Cocktail intensiver zu schmecken.

Dir stehen hier 2 Möglichkeiten zur Verfügung:

  1. Option: 2 Tropfen einer 20 prozentigen Kochsalzlösung
  2. Option: Eine kleine Prise Salz

Bei Variante 2 musst du jedoch darauf achten, dass sich das Salz durch das Shaken vollständig auflöst.

Ansonsten geht dessen Effekt gegen Null.


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Welcher Rum für einen Hemingway Cocktail?

Auch wenn du im Vergleich zum Daiquiri bei diesem Cocktail mehr Ingredienzen benutzt, steht und fällt auch hier die Qualität mit dem Rum.

Verwendest du einen günstiger Discounter-Tropfen, dann brauchst du dir um die Qualität von Limette und Grapefruit auch keine Gedanken mehr machen.

Dann wird das kein guter Hemingway Cocktail.

Im Folgenden möchte ich dir daher 3 Rums vorschlagen, die sowohl eine gute Figur im Daiquiri als auch im Hemingway Cocktail machen.

Compagnie des Indes Rum Tricorne

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Inhalt: Rum aus Zuckerrohrsaft, Melasse und Arrak

Alkohol: 43 %Vol.

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Revolte Rum Blanco

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Inhalt: Zuckerrohr aus Papua-Neuguinea

Alkohol: 41,5 %Vol.

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Plantation 3 Stars White Rum

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Inhalt: Melasse-Rum aus Jamaica, Barbados und Trinidad

Alkohol: 41,2 %Vol.

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Die Geschichte hinter dem Drink

Schaut man sich die Zutaten des Hemingway Cocktail genauer an, sind die Parallelen zu einem klassischen Daiquiri offensichtlich.

Die Basis bildet weißer kubanischer Rum und die Frische bringt etwas Limette. Zum Daiquiri fehlt hier nur noch Zucker.

Ernest Hemingway, der in seinen späteren Tagen an Diabetes Typ II litt, bestellte Daiquiris zu jener Zeit üblicherweise ohne Zucker. Dafür bevorzugte er jedoch die doppelte Menge Rum.

Skulptur Hemingways mit Cocktail

Im La Floridita in Havana experimentierte in der Mitte des 20. Jahrhunderts der damalige Bartender Constantino Ribalaigua Vert mit den Zutaten jenes Drinks.

Auf der damaligen Barkarte der La Floridita gab es daher eine Vielzahl an Daiquiri-Variationen, die der Einfachheit halber durchnummeriert waren.

Nach Bitte Hemingways an Ribalaigua Vert doch den Zucker bei der Zubereitung wegzulassen, dafür den Rum im Drink aufzustocken, entstand dadurch die zunächst als „Daiquiri like Papa“ einfachere und zugleich extremere Version des Daiquiri.

Dessen Name wandelte sich im Laufe der Zeit vereinfacht zu „Papa Doble“; benannt nach der doppelten Menge Rum und dem Kosenamen Hemingways „Papa“.

Etwas mehr als lediglich Rum und Limettensaft sollten es für den berühmtesten Gast der Bar dann schon sein. Ribalaigua Vert ergänzte die beiden Zutaten um Grapefruitsaft und Maraschinolikör. Verpasste dem Cocktail dadurch eine fruchtigere, herbere und gleichzeitig auch süßere Note.

Auf diversen Webseiten und Literatur werden Papa Doble und Hemingway Special heute gerne als ein und derselbe Drink gesehen. Synonyme für den selben Cocktail.

Allerdings ist dies eher fraglich, bezeichnete Papa Doble doch eher die Variante doppelten Rums mit lediglich Limettensaft.

Der Hemingway Cocktail enthält jedoch zusätzlich die beiden weiteren Komponenten Grapefruitsaft und Maraschinolikör.

Bei aller Wortglauberei um dessen Ursprung zählt schlussendlich, ob der Drink dem Gast mundet. Egal, ob man ihn nun wie Hemingway ohne ein bißchen Zucker oder eben doch mit einer Prise möchte.


Bildquelle Hemingway Cocktail: Brent Hofacker – Fotolia.de