Wann hast du das letzte Mal Detail-Wissen über Whisky bekommen?

Ich meine so richtiges Detail-Wissen.

Fakten, die der Großteil der Whisky-Fans nicht kennt; die dieser Spirituose einen neuen Wow-Moment verpassen.

Was ich in dir in diesem Artikel daher nicht liefern werde:

  • Die Geschichte von Whisky
  • Die Unterschiede zwischen Whisky und Whiskey
  • Eine Liste mit zahlreichen Marken, die du probieren solltest

Dies sind Punkte, die definitiv interessant sind und – zumindest beim letzten Aspekt – dir neue spannende Tropfen liefern können.

Allerdings sind dies auch Punkte, die im Internet schon Dutzende Male durchgekaut wurden.

Stattdessen möchte ich dir heute Folgendes bieten:

Einen umfangreichen Leitfaden zu einer der seltensten Whisky-Hölzer:

Japanische Mizunara-Eiche

Beschäftigst du dich daher erst seit kurzem mit Whisky, empfehle ich dir im Vorfeld die Lektüre unserer Whisky-Artikel zur Herstellung und Degustation:

In diesem Artikel möchte ich dir mit „Mizunara Oak“ eines der Details liefern, die die Whisky-Szene so spannend macht.

Denn nicht nur liefert dir dieses seltene Holz einen besonderen Whisky-Stil, es birgt zudem ein Bouquet, das du nur selten unter die Nase bekommen wirst.

Denn auch wenn der Whisky-Boom Abfüllungen, Produktpaletten und sogar Destillerien aus dem Boden schießen lässt: Dass du in Zukunft mehr Whiskys aus Mizunara-Eiche im Handel finden wirst, ist unwahrscheinlich.

Whisky aus Mizunara-Fässern bleibt eine Besonderheit.

In diesem Artikel wirst du erfahren wieso.

Warum sind Whiskys aus Mizunara Eiche so spannend?

Das Gros der Scotch Whiskys, die du im Handel findest, stammt aus 2 verschiedenen Fass-Typen:

  • Amerikanische Weiß-Eiche
  • Europäische Eiche

Gehen wir jetzt noch etwas weiter ins Detail, könnten wir Europäische Eiche in Quercus robur und Quercus petraea aufteilen.

Jede diese 3 Eichen-Arten besitzt eine charakteristische molekulare Zusammensetzung.

Nimm zum Beispiel die europäischen Varianten. In diesen findest du mehr Tannine als in deren amerikanischen Kollegen.

Letztere geben allerdings eine deutlichere Vanille-Note in den Whisky ab als Fässer aus Europäische Eiche.

Du siehst, jede Holz-Art hat charakteristische Auswirkungen auf Bouquet und Textur eines Whiskys.

Und Mizunara Eiche?

Diese Holz-Sorte wirkt wie ein Bindeglied der beiden bisherigen.

Für den Whisky-Trinker ist die entscheidende Frage: „Welchen Einfluss hat dies auf meinen Whisky?“

Wer diese Frage bedient, ist erst mal irrelevant. Egal, ob Getreide, Destillation oder eben das Holzfass.

Bestehen letztere aber aus Mizunara-Eiche, kann jener Einfluss enorm sein.

Neben Gewürz- und Weihrauch-Nuancen, die ein solches Fass dem Whisky geben kann, solltest du vor allem folgende 3 Punkte im Hinterkopf haben:

  • Hoher Anteil an Vanille-Aromen
  • Niedriger Tannin-Gehalt und daher geringe Neigung zu Adstringenz
  • Häufige Bildung von Kokos-Aromen aufgrund hoher Lacton-Konzentration

Die Aromatik der Mizunara-Eiche basiert – wie bei allen anderen Eichen-Sorten auch – auf dem Molekül Lignin. Eine gigantische Verbindung, die durch Ausbrennen und Kontakt mit Alkohol in kleine Portionen zerlegt wird.

Wie eben Vanille…

Bei Fässern aus Mizunara-Eiche zeigt der Aufbau von Lignin jedoch Besonderheiten. So finden sich neben der herkömmlichen Variante im Holz jenes Baumes Lignin-Abwandlungen mit Namen wie Epicutissimin A und B.

Das Interessante: Aufgrund ihrer Bedeutung in Fässern aus Mizunara-Eiche (Quercus mongolica) existieren für diese Moleküle auch die Bezeichnungen Mongolicin A und B.

Neben diesen Verbindungen erkennst du aber auch die Auswirkungen einer anderen Gruppe chemischer Verbindungen in einem Whisky recht schnell: Tannine.

Ist deren Konzentration zu hoch, zum Beispiel durch zu lange Reifung, kann es zu Adstringenz, einem Whisky-Fehler, kommen.


Um dir zu helfen solche Fehler in einem Single Malt zu entdecken, haben wir einen Online-Kurs entwickelt.

Die ersten Lektionen dieses Seminars bieten wir dir zum kostenfreien Download an:

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Im Gegensatz zu den anderen Eichen-Arten der Whisky-Industrie ist die Mizunara-Eiche jedoch ein „Tannin-Leichtgewicht“.

Die Konzentration an Tanninen und Gerbstoffen ist in Mizunara-Eiche geringer als in den Amerikanischen oder Europäischen Varianten.

Aus diesem Grund kommt es in jenen asiatischen Fässern seltener zu „Überholzung“ oder gar Adstringenz.

Folglich sind Fässer aus Mizunara-Eiche prädestiniert für eine jahrzehntelange Reifung von Whisky.

Sowohl aus diesem Grund als auch den zahlreichen Nuancen, die Mizunara-Eiche abgeben kann, sollten Whiskys in jenen Fässern mindestens 15 bis 20 Jahre reifen.

Dabei solltest du jedoch wissen, dass ich hier von ausschließlicher Reifung in Mizunara-Fässern spreche.

Das heißt, lagert ein Whisky ausschließlich in Fässern aus jenem Holz, dann sollte er auch rund 2 Dekaden darin bleiben.

Bei der Nachreifung sieht dies schon wieder ganz anders aus.

Denn sind wir mal ehrlich… diese Dinger sind so schwierig in der Handhabung und so dermaßen teuer, dass viele Whisky-Destillerien gar keine Alternative haben.

Nachreifung bzw. Finishing ist häufig die einzige Möglichkeit, wie ein Whisky überhaupt Kontakt mit einem solchen Holz bekommen kann.

Warum ist Mizunara-Whisky so selten?

Durch die Verwendung von Mizunara-Eiche (Quercus mongolica bzw. Japanische Eiche oder Mongolische Eiche) zur Reifung von Whisky, kann eine Destillerie ihrem Tropfen Exklusivität verleihen.

Sowohl in Hinblick auf Bouquet als auch Textur.

Wenn du nun bedenkst, dass ein Großteil der Scotch Malt Whisky-Industrie mit Eifer nach neuen Produktions- und Vermarktungsmöglichkeiten sucht, stellt sich die Frage:

Warum gehört Mizunara-Eiche dann nicht mittlerweile zu den Standard-Hölzern in einer Whisky-Küferei?

Es gibt mehrere Gründe…

… und jeder davon wiegt schwer.

  • Mindestalter des Baumes: 200 Jahre
  • Hoher Wassergehalt
  • Kein gerades Wachstum

Und die Liste geht weiter.

  • Hohe Anfälligkeit zur Leck-Bildung
  • Bis zu 10-mal teurer als andere Fässer
  • Langsames Wachstum

Diese Punkte ändern die Sichtweise einer Whisky-Destillerie auf Fässer diesen Typs.

Er ist plötzlich nicht mehr nur ein spannender Aromen-Lieferant, er ist auch ein Querulant in der Verarbeitung.

Da wirkt es fast schon sarkastisch, dass sein hoher Wassergehalt sogar Einzug in dessen Namen erhalten hat.

Mizunara“ lässt sich mit „Wasser-Eiche“ übersetzen.

Aufgrund der geringen Verfügbarkeit muss eine Destillerie heute für ein Fass aus Mizunara-Eiche rund 6.000 US-Dollar hinlegen.

Heute kostet ein einzelnes Fass aus Mizunara-Eiche rund 6.000 US-Dollar.

Aus Sicht eines Unternehmens muss die Destillerie daher abwägen, inwieweit sich die Vorteile jener Fässer rechnen.

Die japanische Destillerie Yamazaki, einer der Vorreiter in Sachen Mizunara-Reifung, hat laut eigener Angabe nur 1 Prozent ihres Whisky-Bestands in jenen Fässern.

Es ist daher selten, einen Mizunara-Whiskys zu finden, dessen Preis noch im 2-stelligen Bereich liegt.

Zumindest dann, wenn die Destillerie ausschließlich diese Fässer zur Reifung verwendete.

Dies sind Whiskys aus Mizunara-Fässern

Auch wenn die Handhabung dieser Fässer undankbar ist, so gibt es im Handel dennoch eine kleine Auswahl an Whiskys, die mit jenen Fässern in Berührung kam.

Sei es über die gesamte Dauer der Lagerung oder zumindest als Teil der Nachreifung.

Eine Auswahl hiervon möchte ich dir im Folgenden vorstellen.

Chivas Regal Mizunara Blended Scotch Whisky

Viel ist über diesen Blended Whisky nicht bekannt. Lediglich, dass Mizunara-Fässer in Teilen der Whiskys Verwendung fand, die in diesem Tropfen vermählt wurden.

Den Chivas Regal Mizunara Blended Scotch Whisky kannst du hier bestellen.

Glendalough 13 Years Old Mizunara Finish

Der Glendalough reifte 13 Jahre in Ex-Bourbon-Fässern und erhielt anschließend eine Nachreifung in Fässern aus Mizunara-Eiche.

Diesen Irish Whiskey kannst du hier bestellen.

Kaiyō Japanese Mizunara Oak Whisky Cask Strength

Der Kaiyō Whisky aus Japan reifte ausschließlich in Fässern aus Mizunara-Eiche.

Diesen Whisky kannst du hier bestellen.

Yamazaki Mizunara Oak Cask 2017 Edition

Dieser Single Malt Whisky ist einer der exklusivsten Mizunara-Tropfen. Er reifte ausschließlich in Fässern aus Quercus mongolica. Dies über einen Zeitraum von mindestens 18 Jahren.

Wobei auch 50-jährige Mizunara-Destillate darin enthalten sein sollen.

Den Yamazaki Single Malt Whisky Mizunara Oak 2017 kannst du hier bestellen.