Aberlour A'bunadh
Whisky aus dem Kern-Portfolio der Destillerie Aberlour kommen in einer charakteristischen bauchigen Flasche auf den Markt – so auch der Aberlour A’bunadh.

Ich kann mich nicht erinnern, wie oft ich den Aberlour A’bunadh bereits verkostet habe.

10-mal?

15-mal?

Ich weiß es nicht mehr.

Was ich aber noch weiß, ist die Tatsache, dass er seit dem ersten Glas zu meinen Favoriten zählt.

Ich kenne wenige Single Malts, die ein derartiges Potential für einen gelungenen Whisky-Abend haben.

Lass mich dir 3 Gründe hierfür nennen:

  • Hohe Qualität trotz fehlender Altersangabe
  • „Aromen-Abenteuer“ aufgrund hohen Alkoholgehalts
  • Dezente Variationen zwischen einzelnen Chargen

Verbringst du deinen Abend mit Freunden, die im Bereich „Single Malt Whisky“ firm sind, wäre der Aberlour A’bunadh eine gute Wahl.

Das Ding liefert Material für lange Gespräche.

Der Grund hierfür liegt in erster Linie in der Reifung in Ex-Oloroso Sherry-Butts.

Große Whisky-Fässer mit einem Fassungsvermögen von 491 Litern. Denn genau die sind es, die diesen Whisky mit einem Potpourri an Aromen versorgen.

Vorausgesetzt, du weißt, wie du diese aus dem Whisky herausholst.

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Degustation des Aberlour A’bunadh

Die Farbe dieses Single Malts ist genial.

Ein derart intensives Terracotta suchst du bei vielen Neuerscheinungen vergebens. Er strahlt mit seinem orange-braunen Ton eine Wärme aus, die fast schon als Kennzeichen durchgeht.

Hierin unterscheidet sich Batch No. 60, das hier zur Verkostung steht, kaum vom Rest der A’bunadh-Reihe.

Im Gegenteil.

Der aktuelle Aberlour A’bunadh reiht sich in Sachen Qualität nahtlos an die bisherigen Editionen an.

Um das volle Potential dieses Whiskys auszuschöpfen, habe ich ihn einige Minuten atmen lassen.

Aufgrund der hohen Alkoholmenge von 60,3 %Vol. solltest du dir zudem Gedanken über die Wahl des Glases machen.

Denn je größer die Oberfläche der Flüssigkeit, desto besser verteilt sich der Alkohol.

Die Folge ist, dass du die Aromen des Bouquets deutlich wahrnimmst.

Aus meiner Sicht eignet sich daher – außer du verdünnst ihn mit Wasser – ein Glencairn-Glas zur Verkostung des Aberlour A’bunadh nur bedingt.

Aufgrund der geringen Oberfläche des Whiskys in jenen Gläsern, wird deine Nase Probleme haben, den Alkohol zu durchdringen.

Hast du es – in welchem Glas auch immer – geschafft, diesen beiseite zu schieben, erwartet dich ein intensives Bouquet.

Dessen Bouquet ist eine Messlatte für Speyside-Whiskys

Allen voran steigen dir Trockenpflaumen und altes Leder entgegen.

Es wirkt für einen Moment, als betrittst du ein altes Geschäft für Lederwaren.

Schwenkst du das Glas unterhalb deiner Nase, dann schickt dir der Aberlour A’bunadh eine zweite Schicht an Aromen entgegen.

Frucht-Noten, die an Kirsche, Pfirsich und Birne erinnern.

Stelle es dir wie einen Obstkorb samt zahlreicher Früchte vor. Dazwischen: Kamilleblüten.

Würde der Aberlour A’bunadh an dieser Stelle das Bouquet beenden, wäre er bereits überdurchschnittlich gut.

Er legt jedoch noch eins drauf.

Lässt du ihn noch länger atmen, dann bekommt er eine leicht medizinische Note. Es erinnert etwas an Iod-Tinktur mit kaltem Zigarettenrauch.

Ein geniales Bouquet, das dich über Minuten ans Glas fesseln wird. Es macht gewaltig Spaß, auch wenn du noch keinen einzigen Schluck getrunken hast.

Der richtige Umgang mit Wasser

Das Kuriose am Aberlour A’bunadh ist sein Verhalten im Mund.

Der hohe Alkoholgehalt versorgt ihn mit einer Textur, die sich weich und spritzig auf deine Zunge legt.

Auf der anderen Seite stehen hingegen die Aromen.

Seine 60,3 %Vol. machen es dir unmöglich, all seine Aromen im Mund zu entdecken.

Glaube mir. Ich habe es auf verschiedene Arten probiert.

Möchtest du im Mund ein ähnliches Erlebnis feiern wie in der Nase, dann mache Folgendes:

  • Aberlour A’bunadh unverdünnt
  • Whisky zu Wasser – 2:1
  • Whisky zu Wasser – 1:1

Du wirst merken, dass mit jedem Tropfen Wasser dessen Textur öliger wird.

An welcher Stelle das Maximum für dich erreicht ist, musst du selbst entscheiden.

Fakt ist jedoch, dass mit jedem Tropfen Wasser das Bouquet mehr Aromen preisgibt.

Im Verhältnis Whisky zu Wasser von eins zu eins, erhältst du die größte Ausbeute.

Hier zeigen sich Honig, Vanille und Heidekraut.

Eine spannende Kombination, auch wenn sie nicht derart komplex ist, wie das Pendant der Nase.

Verlässt der Aberlour A’bunadh schließlich deinen Gaumen, bleibt ein wärmendes Mundgefühl zurück.

Sahne, Vanille und Leder schmiegen sich dabei für lange Zeit an deinen Gaumen.

Aberlour A’bunadh - 60,3 %Vol.

9.2

Bouquet

9.5/10

Geschmack

8.9/10

Mundgefühl

9.2/10

Nachklang

9.1/10

Positiv

  • Äußerst komplexes Bouquet
  • Spannende Aromen-Kombinationen
  • Hoher Alkoholgehalt ermöglicht langes Tasting-Erlebnis