Hierzulande eine neue Tequila-Marke zu importieren, ist wahnwitzig. Wir haben den nicht Agaven-Hype der USA, wir haben keine Prominenten mit eigenen Marken.

Und dennoch gibt es Start Ups, die sich der Herkulesaufgabe des Tequila-Imports nach Deutschland annehmen.

Zum Glück.

Denn ansonsten hätte das Gros von uns die Marke G4 Tequila nie auf den Schirm bekommen.

Allem voran nicht deren Standard-Qualität G4 Blanco.

Auch in diesem Punkt unterscheiden wir uns vom US-Markt. Denn dessen Nachfrage nach G4 kann die Destillerie nach eigener Aussage derzeit kaum stemmen.

Dabei führt El Pandillo, die Destillerie hinter G4, gerade einmal 4 Qualitäten dieser Marke.

  • Blanco
  • Reposado
  • Añejo
  • Extra Añejo

Habe ich eine solche Verkostungsreihe vor mir, habe ich mir vor Jahren angewöhnt, mit der Blanco-Variante zu beginnen.

Zum einen, da ich hierdurch den Stil der Brennerei entdecken kann. Zum anderen, da ich dadurch oft Aromen entdecke, die im Laufe vieler Jahre der Fasslagerung verloren kennen.

Vor allem bei aromatischen Rohstoffen wie der Blauen Weber Agave wäre dies ein Sakrileg.

Auch beim G4 begann ich mit der Verkostung der Blanco-Variante.

Und ich muss sagen… es ist der beste Tropfen der gesamten Reihe.

Tipp: Um die einzelnen Aromen im G4 Blanco zu entdecken, haben wir einen umfangreichen Leitfaden für dich geschrieben. Dieser wird dir helfen, Tequila besser zu verkosten. Du findest ihn hier: Wie trinkt man Tequila?

Degustation des G4 Blanco Tequila

Das Aussehen des G4 Blanco ist unspektakulär. Klar und ohne Schweb- oder Trübstoffe.

Wobei das auch schon das Einzige ist, was er mit der Konkurrenz gemeinsam hat.

Denn sobald du deine Nase über das Glas hältst, beginnt einer Reise zum Mittelmeer.

Das Bouquet beginnt zunächst trocken und mit einem Hauch frischer Agave.

Allmählich kommt eine leicht rauchige Note hinzu, die nach wenigen Sekunden an Teer erinnert.

Dies ist allerdings nur ein kurzes Intermezzo bis der G4 Blanco eine Breitseite an mediterranem Gemüse aus dem Glas drückt.

  • Zucchini
  • Artischocken
  • Gedünstete Zwiebeln

All dies sind Nuancen, die in der Summe aber ein komplexes und individuelles Bouquet ergeben.

Als Dessert serviert das Bouquet geröstete Nüsse, getrocknete Cranberries und erdig-mineralische Aromen.

Da dessen Bouquet zwar komplex aber aus zahlreichen fragilen Aromen besteht, profitiert die G4-Reihe meiner Ansicht nach vor allem von geringer Fasslagerung.

Mit jedem Jahr mehr, büßt deren Haus-Stil Nuancen ein.

Gehen wir einen Schritt weiter. Schauen wir uns an, was der G4 im Mund drauf hat.

Er beginnt mit einem weichen Mundgefühl und leichtem Körper.

Leicht süßlich liegt er auf der Zunge und bildet dadurch einen interessanten Kontrast zur „trockenen Nase“.

Parallel dazu erkennst du hier erdige Noten und solche die dezent an Aubergine und Artischocken erinnern. Ein interessanter aromatischer Balance-Akt auf dessen Gegenseite das Agaven-Aroma steht.

Spielst du ihn 20 bis 30 Sekunden mit der Zunge hin und her, beginnt eine elegante Parfüm-Note aufzusteigen.

Verlässt er schließlich deinen Gaumen zeigt er ein kurzes Brennen.

Allerdings verschwindet dies recht schnell. Zurück bleibt eine leicht bittere Alkoholnote, Agaven-Aromen und erdige Töne.

G4 Blanco Tequila // 40 %Vol.

9

Bouquet

9.3/10

Mundgefühl

9.1/10

Geschmack

9.2/10

Nachklang

8.5/10

Positiv

  • Hervorragend komplexes Bouquet
  • Spannende, kaum bekannte Aromen
  • Gute Balance zwischen einzelnen Nuancen

Negativ

  • Bittere alkoholische Note im Nachklang