Laphroaig 30 Jahre Ian Hunter Story Title

Es ist schon eine Weile her, als ich das letzte Mal einen Single Malt Whisky diesen Alters verkosten durfte.

Ehrlich gesagt, es ist schon so lange her, dass ich mich nicht daran erinnere.

Und auch wenn ich beinahe täglich mit Single Malt Whisky zu tun habe, ein Tropfen wie der Laphroaig 30 Jahre The Ian Hunter Story No. 1 ist nur selten darunter.

Dies liegt zum einen an der Rarität der Abfüllung, als auch an dessen Preis.

Aber blenden wir dies mal für einen Moment aus.

Dann nämlich erzeugt ein solcher Malt vor allem eines: Ehrfurcht.

Denn als dieser Malt aus den Pot Stills floß, in Fässer gefüllt und in Laphroaigs Lagerhaus verschwand, fiel gerade die Berliner Mauer und Margaret Thatcher regierte noch über Großbritannien.

Neben dieser historischen Bedeutung, hat eine Reifungszeit von 30 Jahren allerdings auch sensorische Auswirkungen.

Mit einem solchen Alter des Laphroaig 30 Jahre The Ian Hunter Story No. 1 (46,7%) besteht die Möglichkeit der Überlagerung.

Der Holzeinfluss wäre in diesem Fall derart enorm, dass es sowohl zu extremer Adstringenz kommen könnte, als auch zur völligen Unkenntlichkeit des Haus-Stils.

Dies ist vor allem dann der Fall, wenn der Single Malt während seiner Reifungsjahre in neue First Fill-Fässer umgefüllt wird.

Meines Wissens nach war dies beim Laphroaig 30 Jahre The Ian Hunter Story No. 1 jedoch nicht der Fall.

Er verbrachte seine Reifung in den selben Ex-Bourbon-First-Fill-Fässern, in die er Ende der 80er gefüllt wurde.

Und während dieser Zeit lief folgendes ab:

In der Grafik kannst du erkennen, dass der Haus-Stil im Laufe der Reifungsjahre abnimmt.

Bei Laphroaig ist davon vor allem deren intensives Torf-Aroma betroffen. Je länger die Reifung, desto geringer die Rauch-Intensität.

Es besteht daher die Möglichkeit, dass der Laphroaig 30 Jahre The Ian Hunter Story No. 1 sein Optimum überschritt und weit in den Bereich der „Überreifung“ abgedriftet ist.

Aber all dies ist Spekulation. Ohne die Flasche zu öffnen und den Single Malt zu verkosten, ist dies lediglich Kaffeesatzleserei.

Nachdem ich also die Chance hatte diesen Whisky zu verkosten, muss ich sagen:

So einen Laphroaig habe ich noch nie probiert.

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Degustation des Laphroaig 30 Jahre Ian Hunter Story No. 1

Ich war überrascht.

Bevor ich den Laphroaig 30 Jahre ins Glas goss, hatte ich nicht mit einer solch hellen Farbe gerechnet.

Falls du an dieser Stelle die Farbe der Laphroaig-Klassiker wie 10 Years, Quarter Cask oder Triple Cask vor Augen hast:

Der Laphroaig 30 Jahre war heller.

Nicht enorm, aber erkennbar.

Dies wäre eine Bestätigung dafür, dass dieser Single Malt tatsächlich seine Reifungszeit in den selben Fässern verbrachte.

Eventuell – allerdings ist dies nur eine Vermutung von mir – wurden in dieser Zeit auch wieder Farbstoffe durch subtraktive Reifung abgebaut.

Aber dies ist nur Spekulation. Anders als das gleich folgende Bouquet.

Das Raucharoma war zwar hier deutlich erkennbar, jedoch weitaus schwächer als man es vom Haus-Stil Laphroaigs gewohnt ist.

Ich würde es eher als „fruchtigen Rauch“ beschreiben. Ein Strandfeuer mit zahlreichen Früchten: saftige Williams-Christ-Birne, reife Himbeeren, getrocknete Mango-Stückchen.

Ein für Laphroaig ungewöhnlich fruchtiges Rauch-Bouquet.

Auch wenn der Haus-Stil von Laphroaig mit seiner typischen Kresol-Note, Iod- und Medizin-Note noch erkennbar ist, viel ist davon nicht mehr vorhanden.

30 Jahre im Fass haben hier nicht nur hinzugefügt, sondern auch zahlreiche Verbindungen abgebaut.

Gibst du dem Laphroaig 30 Jahre The Ian Hunter Story No. 1 ein paar Minuten Zeit zum Atmen, erhält das Bouquet Nuancen von „Bauernhof“, trockenem Holz und getrockneten Gewürzen.

Gleich auf folgen Kartoffelschalen, feuchte Erde und Enzian.

Ein in meinen Augen spannendes und für Laphroaig ungewöhnliches Bouquet.

Nimmst du anschließend die ersten Schlücke, beginnt er mit süßem Geschmack. Mit leichtem Körper legt er sich dann auf deine Zunge.

Das wirklich interessante kommt jedoch, wenn du den Laphroaig 30 Jahre The Ian Hunter Story No. 1 retronasal verkostest. Das heißt, du nimmst einen Schluck und atmest durch die Nase wieder aus.

Hierdurch während die Duftmoleküle des Whiskys an deinen Sinneszellen nach außen getragen.

Und in diesem Fall bekommst du ein Potpourri an Aromen:

Rauch, Parfüm und Agave, Orange, Sahne und Zitrone.

Ich kann mich nicht erinnern, bisher einen Laphroaig verkostet zu haben, der derart mit Zitrus-Aromen spielt.

Durch diese Fruchtnoten, seine Agaven-Aromen und die schwachen Rauch-Nuancen, wirkt der Laphroaig 30 Jahre The Ian Hunter Story No. 1 fast schon ein bißchen wie ein guter Mezcal.

Ein Eindruck, der dann im Nachklang auch gleich nochmal nachgeschoben wird:

Süßliche Vanille, trockenes Holz und Rauch

Fazit


Bei der Betrachtung des Laphroaig 30 Jahre The Ian Hunter Story No. 1 stehen sich 2 Gegensätze gegenüber:

Ein genialer, für Laphroaig ungewöhnlicher Whisky in der einen Ecke, dessen Preis in der anderen.

Mit über 800 Euro ist die Toleranz der meisten Whisky-Fans weit überschritten.

Auf der anderen Seite steht einer der ungewöhnlichsten Single Malts, die du wahrscheinlich probieren wirst.

Die aus meiner Sicht beste Lösung ist daher eine Flaschenteilung. Dies ermöglicht es nicht nur den Preis, zu welchem er auf zum Beispiel bei Whisky.de angeboten wird, zu minimieren, sondern ermöglicht Diskussionen über den wahrscheinlich einzigen Mezcal-Laphroaig.

Offenlegung: Dieser Beitrag ist Werbung und in Zusammenarbeit mit Laphroaig/Beam Suntory entstanden. Beam Suntory stellte uns eine Verkostungsprobe des Laphroaig 30 Jahre The Ian Hunter Story No. 1 zur Verkostung zur Verfügung. Einfluss auf das Testurteil wurde indes nicht genommen. Dieses spiegelt ausschließlich die Meinung der Autoren/des Autors wieder.