Cachaça

Es ist schon irgendwie seltsam.

Cachaça zählt zu den Spirituosen, die wir hierzulande am meisten trinken. Als Basis einer Caipirinha geht sie hektoliterweise über die Theken Deutschlands.

Nur scheint es kaum jemanden zu interessieren, welche Qualität oder Marke er trinkt. Cachaça scheint uns nicht zu tangieren.

Und dennoch legen wir Hunderte Scheine dafür auf den Tisch.

Irre.

Schiebst du allerdings Rohrzucker und Limette einmal beiseite, konzentrierst dich also nur auf das Destillat, dann kannst du eine Perle entdecken.

Denn kleine, kaum bekannte Marken liefern dir hierzulande Cachaça in genialer Qualität.

Zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis.

Du musst nur wissen, welche das sind und wie du sie verkosten musst.

In diesem Artikel zeige ich dir daher 3 Punkte:

  • Was ist der Unterschied zwischen Rum und Cachaça?
  • Wie sollte man Cachaça trinken?
  • Welche Produkte sind gut?

Ok, legen wir los.

Was du als erstes über Cachaça wissen musst

Als ich das erste Mal eine Caipirinha trank, war ich 16. Es interessierte mich damals nicht die Bohne, aus was dieser Cocktail besteht.

Ich sah Limetten, der Zucker knirschte zwischen den Zähnen und irgendeine Flüssigkeit darin machte mehr als 2 dieser Drinks unmöglich.

Das war damals mein Wissen über eine Caipirinha; folglich auch über Cachaça.

Eher mager.

Zu Beginn meines Studiums erfuhr ich mehr über die Spirituose. Es war irgendwas mit einem roten Süßwasserkrebs. Pitú oder so ähnlich.

Verbessert hatte sich mein Wissen dadurch allerdings nicht.

Denn Pitú hat mit hochwertigem Cachaça so viel zu tun wie Nickel mit Pumpernickel.

Nichts.

Ist Cachaça das gleiche wie Pitú? Cachaça ist ein brasilianisches Zuckerrohr-Destillat, Pitú hingegen eine brasilianische Cachaça-Marke. Sie erlangte in Deutschland in den 1980ern vor allem als Basis für Caipirinhas Bekanntheit. Pitú ist ein industriell gefertigter Cachaça und in Deutschland Marktführer.

Zwar ist Pitú der Marktführer in Deutschland im Bereich „Cachaça“, aber kein Tropfen für den Purgenuss.

Im Gegenteil.

Als industriell produzierter Cachaça besitzt er nicht die Qualität wie die Konkurrenz aus Kupferbrennblasen.

Zudem zeigt eine Statista-Umfrage aus dem Jahr 2019, dass der Export von Cachaça stetig abnimmt.

Statistic: Quantity of cachaça exported from Brazil from 2006 to 2018 (in 1,000 metric tons) | Statista
Find more statistics at Statista

Wenn du nun bedenkst, dass Deutschland der Hauptabnehmer von Cachaça außerhalb Brasiliens ist, dann wird klar:

Mit den Zahlen sind wir gemeint.

Immer mehr Konsumenten hierzulande trinken weniger, dafür aber hochwertiger.

Im Folgenden möchte ich dir daher zeigen, dass du auch bei Cachaça hochwertige Destillate abseits des Mainstreams findest.

Destillate, mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis und interessanten Aromen.

Was unterscheidet Cachaça von Rum?

Blendest du einmal Details und gesetzliche Vorgaben aus, dann wird klar: Cachaça ist eine Unterkategorie von Rum.

Beide Destillate basieren auf Zuckerrohr.

Rum hingegen kann auf die gesamte Bandbreite an Verarbeitungsmöglichkeiten zurückgreifen, sein brasilianischer Kollege hingegen nicht.

Während Rum sowohl aus Melasse, frischem Zuckerrohrsaft und Zuckerrohrsirup hergestellt werden darf, muss Cachaça auf frischem Zuckerrohrsaft basieren.

Als ich diese Aussage einmal bei einem Rum-Seminar machte, kam prompt folgende Frage:

„Und was ist mit Rhum agricole? Ist dies dann dasselbe wie Cachaça, da diese Rum-Art auch nur aus frischem Zuckerrohrsaft hergestellt werden darf?“

Diese Frage war gut kombiniert und berechtigt, lies sich aber ganz einfach beantwortet:

„Nein. Rhum agricole ist etwas anderes.“

Anders als andere Zuckerrohr-Destillate darf Cachaça ausschließlich in Brasilien produziert werden.

Möchtest du ihn hierzulande vertreiben, dann bleibt dir nur der Import aus Südamerika. Selbst herstellten darfst du ihn nicht.

Ähnliche Regelungen gelten aber auch für Rhum agricole. Diese Rum-Sorte basiert auf frischem Zuckerrohrsaft und darf ausschließlich in Frankreich bzw. dessen Übersee-Départements produziert werden.

Allein unter diesem Aspekt lässt sich Cachaça eindeutig als Rum-Sorte klassifizieren.

Allerdings unterliegt die brasilianische Nationalspirituose noch weiteren Vorgaben, als lediglich geographischen.

Denn in diesem Fall wäre es schlicht brasilianischer Rum.

Cachaça artesanal oder industrial? Die erste Variante ist die traditionelle, bei der die Destillation in Kupferbrennblasen erfolgt. Die industriell gefertigte Version basiert hingegen auf der Destillation in Stahlkolonnen.

Es gibt allerdings noch eine Hand voll Eigenschaften, die Cachaça von anderen Rum-Sorten unterscheidet.

Mit teils erheblichen Einfluss auf dessen Bouquet.

# 1: Zuckerrohrsaft vs Melasse

Während Cachaça ausschließlich aus Zuckerrohrsaft bzw. -sirup hergestellt wird, spielt die Rum-Produktion aus frischen Zuckerrohr nur eine Rolle in bestimmten geographischen Gebieten.

Nur französisch-verwaltete Inseln wie Martinique, Guadeloupe, Marie Galante und La Réunion produzieren Rum aus frischen Zuckerrohrsaft.

Das Gros der Rum-Produzenten stellt ihr Destillat aus Melasse, einem „Überbleibsel“ der Zuckerproduktion, her.

#2: Fermentationsbeschleuniger

Ein weiterer Punkt, der bei der Rum-Produktion nicht erlaubt ist, ist die Zugabe von Fermentations-Beschleunigern.

Zumindest in den meisten Regionen nicht.

Um die Gärung anzustoßen setzen einige Cachaça-Hersteller der Maische allerdings ein Gemisch aus dem frischen Saft des Zuckerrohrs, Maisstärke, Mehl und Kleie bei.

Auch Rum-Brennereien, wie die jamaikanische Hampden Distillery, gibt der Maische Zusätze hinzu. Dies in erster Linie jedoch um die Aromatik des Rums zu steuern.

#3: Alkoholgehalt

Der nächste Unterschied zwischen Cachaça und Rum tritt bei der Destillation auf.

Ersteres darf lediglich im Bereich zwischen 38 und 48 %Vol. abgefüllt werden, bei Rum hingegen darf dies deutlich höher sein.

Abb.: Cachaça artesanal-Destillerie in Rio de Janeiro, Brasilien

Eine so knappe Marge im Alkoholbereich mindert zwar die Kreativität des ein oder anderen Brennmeisters. Dennoch sorgt es für eine charakteristische Eigenschaft, einen Wiedererkennungswert für Cachaça.

Mit welchem Alkoholgehalt Rum-Hersteller ihr Destillat abfüllen, bleibt in vielen Regionen ihnen selbst überlassen.

Fakt ist allerdings, dass sie ihr Produkt nur dann nach Europa exportieren dürfen, wenn dieses mindestens 37,5 %Vol. besitzt.

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#4: 30 Gramm Zucker pro Liter

Fertig destilliert dürfen Cachaça aus geschmacklichen Gründen noch bis zu 30 Gramm Zucker pro Liter hinzugefügt werden.

Bei Rum ist dies für einige Destillerien gesetzlich untersagt, z.B. auf Jamaica oder Martinique.

Cachaça besitzt da mit seinen 30 Gramm schon eine äußerst hohe Toleranzgrenze.

Denn vergleiche dies einmal mit Likör. Dieser muss per Verordnung mindestens 100 Gramm Zucker pro Liter enthalten.

Gesetzt dem Fall daher eine Cachaça-Destillerie zuckert bis zum Maximalwert, dann wirst du dies definitiv bei der Verkostung erkennen.

Allerdings ist die Zuckerzugabe kein Box-Kampf zwischen Cachaça und Rum. Der „Süße“ in der einen Ecke, der „Trockene“ in der anderen.

Es gibt zahlreiche Rum-Destillerien die Zucker in hohen Mengen ihrem Destillat beimischen.

Im Vergleich zu Cachaça ist nur international nicht geregelt, wie viel Zucker Rum enthalten darf.

Suchst du jedoch bei deinem nächsten Cachaça-Kauf den Aufdruck „gezuckert“, wirst du diesen nicht finden.

Der Grund hierfür liegt in der EU-Spirituosenverordnung.

Cachaça hat im Gegensatz zu Rum keine eigene Kategorie, sondern wird allgemein nur als „brasilianische Spirituose“ oder “einfache Spirituose“ eingestuft.

Eine genaue Reglementierung des Zuckergehalts ist daher nicht möglich. Folglich gibt es keine Deklarierungspflicht.

#5: Cachaça kommt aus Brasilien – ausschließlich

Rum darfst du auf jedem Fleckchen Erde herstellen. Cachaça hingegen nicht.

Denn ein letzter rechtlicher Unterschied zwischen den beiden Destillaten liegt im Produktionsland. Cachaça artesanal und industrial gelten als Spirituosen Brasiliens und dürfen folglich auch nur dort produziert werden.

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Wie trinkt man Cachaça?

Cachaça ist kein Destillat, das über viele Jahre in Eichenfässern ausgebaut wird.

Zwar mag es einzelne Marken geben, die auch solch alte Tropfen anbieten. Die Regel ist dies nicht.

Allerdings ist dies auch nicht weiter tragisch.

Denn ähnlich wie Rhum agricole oder Clairin kann die brasilianischen Spirituose ein komplexes Bouquet vorweisen, das kaum Reifung benötigt.

So findest du im Handel neben den farblosen Varianten daher meist Cachaça-Varianten mit einem dezenten Gold-Ton.

Diese Sorten verbrachten einige Monate bis wenige Jahre in Eichenfässern.

Allerdings fand hier meist nur eine „verlängerte“ oxidative Reifung statt. Die Hand voll Aromen, die das Fass da noch beisteuert, sind eher das i-Tüpfelchen.

Hochwertige Varianten solltest du daher nicht zu warm trinken.

Achte darauf, dass die Trinktemperatur bei rund 19 °C liegt. Läge sie deutlich darüber, so habe ich die Erfahrung gemacht, bekommt Cachaça eine ölige Textur.

Möchtest du jedes Aroma entdecken, das das Bouquet hergibt, solltest du zudem ein Nosing Glas verwenden.

Allerdings eignen sich auch zahlreiche andere Glas-Formen für den Genuss von Cachaça.

Tumbler etc.

Denn ähnlich wie Mezcal ist Cachaça kein Destillat, das für die professionelle Aromen-Analyse konzipiert wurde.

Zumindest nicht in einem solchen Umfang wie wir es bei Single Malt Scotch, Straight Bourbon oder Cognac durchführen.

Cachaça, den du probieren solltest

In den vergangenen Jahren hatte ich das Glück, Destillate verschiedener Marken probieren zu dürfen.

Aber auch wenn der Import dieser Spirituose hierzulande enorm ist, bezieht sich das größte Volumen auf Massenware wie Pitú.

Es ist daher etwas Recherche nötig, um hochwertigen Cachaça im deutschen Handel aufzutreiben.

Um dir die Suche jedoch zu verkürzen, möchte ich dir 3 Produkte zeigen, die mich in den vergangenen Jahren begeisterten.

Tipp: Suchst du Cachaça für die Zubereitung einer Caipirinha, solltest du nicht zu fassgelagerten Varianten greifen.

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Bildquelle: Titelbild: RHJPhtotoandilust/Shutterstock, Distillery: Ksenia Ragozina/Shutterstock