Glenfiddich 15 Jahre Solera Vat

Ein Massenphänomen, das keiner kennt. Ein Bouquet, das keiner entdeckt. Dies trifft auf den Glenfiddich 15 Jahre Solera zu.

Denn dieser Whisky – zumindest scheint es mir so – steht in zu vielen Regalen, als das wir ihn objektiv betrachten könnten.

Dinge des Alltags üben auf uns keinen Reiz aus. Es muss schon etwas besonderes sein, etwas das uns in Staunen versetzt.

Teuer, selten oder limitiert.

Eigenschaften, die auf den Glenfiddich 15 Jahre aber nicht zu treffen. Nicht im geringsten.

Denn weder ist dieser Whisky selten – er ist Teil des Kern-Portfolios der erfolgreichsten Single Malt-Marke. Noch ist er teuer. Für ungefähr 40 Euro bieten ihn Händler an.

Dies sind ausreichend Gründe, um ihn als Whisky-Connaisseur zwar zu probieren, sich aber schnell anderen Abfüllungen zu zuwenden.

Selteneren.

Dies beschreibt mich, meinen kurzen Kontakt mit dem Glenfiddich 15 Jahre.

Vor ungefähr 10 Jahren – Eye for Spirits war nur wenige Tage alt – erhielt ich den 12- und 15-jährigen Glenfiddich Single Malt zur Verkostung. Ich recherchierte über sie, verkostete sie, genoss sie.

Mehr als „Interesse“ lösten sie bei mir jedoch nicht aus. Ich wollte mehr, wollte besondere Single Casks Whiskys. Bouquet und Mundgefühl eines Glenfiddich 15 Jahre schien mir da zu banal.

Wie falsch ich doch lag.

Ich hatte eine Perle vor mir, sah sie aber nicht.

Bevor wir mit dem Glenfiddich 15 Jahre beginnen..

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So entsteht der Glenfiddich 15 Jahre Solera Vat

Die Destillerie Glenfiddich arbeitet in Superlativen. Nicht nur ist sie mit 16,8 Millionen Flaschen Single Malt (Stand: 2018) das erfolgreichste Unternehmen in dieser Branche, es hat noch Kapazität für mehr.

Der Großteil dieses Volumens entfällt auf Whiskys in deren Kernportfolio. Darunter auch der Glenfiddich 15 Jahre Solera Vat.

Für die Produktion ihrer Whiskys gibt die Destillerie ihren Hefezellen 68 bis 72 Stunden. In diesen knapp 3 Tagen wandeln jene Mikroorganismen Moleküle aus der Maische um. Allen voran: Zucker.

Bei diesem Prozess entstehen nicht nur Alkohol, sondern zahlreiche chemische Verbindungen. Die meisten darunter verleihen einem Single Malt Duft und Aromen, die uns sofort den Geldbeutel zücken lassen.

Vorausgesetzt, dieser Prozess – die Fermentation- läuft lange genug ab.

Nach gerade einmal 48 Stunden ist das Minimum erreicht. Zu diesem Zeitpunkt verwandelte die Hefe ausreichend Zucker in Alkohol.

Um einen hochwertigen Single Malt zu kreieren reicht das aber nicht.

Auch nicht bei einem Glenfiddich 15 Jahre.

Denn während dieser 2 Tage entstehen nicht nur unzureichend Aroma-Moleküle, die Hefe bildet zudem Moleküle, die du nicht möchtest.

Solche, die Gerüche von Gummi, Metall oder ranziger Butter in deine Nase schicken.

Läuft die Fermentation hingegen über 48 Stunden hinaus, werden jene unangenehme Moleküle abgebaut.

Dies sind die Gründe für eine Fermentationsdauer von 68 bis 72 Stunden.

Gute Aromen aufbauen, schlechte abbauen.

Für Glenfiddich Whisky stehen 31 (!) Brennblasen bereit

Ist die Fermentation abgeschlossen, erfolgt bei allen Malt Whisky-Destillerien der gleiche Schritt: die Destillation.

Auch Glenfiddich bildet da keine Ausnahme. Im Gegenteil. 31 Pot Stills stehen zur Verfügung, um Malts wie den Glenfiddich 15 Jahre zu destillieren.

Das ist mehr als bei jeder anderen schottischen Whisky-Brennerei.

Glenfiddich Destillerie, Brennblasen
Abb.: Still Room von Glenfiddich; Bildquelle: David Christopher Schlierenkämper

Auf dem Foto siehst du einen Teil von Glenfiddichs Pot Still-Ausstattung.

Im vorderen Bereich – mit den blauen Rohren – befinden sich die Wash Stills für die erste Destillation, im hinteren – mit den roten Rohren – die Spirit Stills für die zweite.

Wie du siehst, bedient sich Glenfiddich bei ihren Wash Stills verschiedenen Formen.

Mit Folgen für das Destillat.

Der Alkoholdampf muss zur Herstellung eines Whiskys, wie dem Glenfiddich 15 Jahre, vom Boden der Brennblasen hinauf zum Überleitrohr.

Den Antrieb hierfür erhält es durch Wärme am Boden des Kesseln.

Das Problem: Je höher der Dampf steigt, desto schwieriger wird der Weg für ihn. Denn je mehr Höhe er gewinnt, desto mehr Kontakt bekommt er zu kühlerem Kupfer.

In dessen Folge kühlt der Dampf ab und fließt zurück zum Boden, als sogenannter Reflux.

Kannst du dir mit diesem Wissen nun denken, warum die Wash Stills solch kuriose Formen besitzen?

Die Destillerie erhöht dadurch den Reflux. Durch Einschnürungen und Milton Balls vergrößert sie die Oberfläche ihrer Brennblasen.

Die Folge ist, dass Whiskys wie der Glenfiddich 15 Jahre ein weicheres Mundgefühl und filigraneres Bouquet erhalten.

Reift der Glenfiddich 15 Jahre im Solera-Verfahren? Nein!

Das Solera-Verfahren, typisch für die Sherry-Produktion, kommt beim Glenfiddich 15 Jahre nicht zum Einsatz.

Allerdings gibt die Destillerie auch keine falschen Versprechungen, wenn sie auf dem Etiquette des Glenfiddich 15 Jahre von „Solera Vat“ schreibt.

Um dies zu verstehen, solltest du zunächst einen Blick auf das Solera-Verfahren der Sherry-Industrie werfen:

Abb.: Das klassische Solera-Verfahren spanischer Sherry-Bodegas

Beim klassischen Solera-Verfahren – ähnlich einer Pyramide – entnimmt die Bodega reifen Sherry aus den Fässern der untersten Reihe. Die entstehende Lücke an Flüssigkeit füllt sie mit dem Inhalt darüber liegender Fässer. Bei den obersten Fässern angekommen, füllt sie diese mit neuem Sherry auf.

Nach diesem Prinzip stellt Glenfiddich ihren 15-jährigen Single Malt jedoch nicht her.

Vielmehr reift dieser Whisky in Ex-Bourbon-, Ex-Sherry- und neuen Eichenfässern. Nach dem gleichen Muster wie der Durchschnitt schottischen Whiskys.

Entscheidend ist jedoch, was danach erfolgt.

Den Inhalt aus jenen Fässern lässt die Brennerei in einen großen Behälter fließen, den Solera Vat. In diesem erhalten die einzelnen Whiskys anschließend Zeit, sich zu vermischen – zu vermählen.

Eine ausgeprägte Form der interaktiven Reifung.

Besteht nun Bedarf an einer neuen Charge des Glenfiddich 15 Jahre, zieht die Brennerei einen Teil des Whiskys aus dem Solera Vat auf Flaschen.

Die entstandene Lücke füllt sie daraufhin wieder mit Whisky aus Ex-Bourbon-, Ex-Sherry- und neuen Eichenfässern.

Du siehst: Die Destillerie bedient sich zur Herstellung des Glenfiddich 15 Jahre nicht der Komplexität des Solera-Verfahrens, wohl aber dessen Prinzips.

Sie gibt einzelnen Destillaten Zeit, sich zu vermählen und sie entleert das „Vermählungs-Fass“ nie.

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Das erwartet dich bei diesem Single Malt

Betrachtest du den Glenfiddich 15 Jahre vor weißen Hintergrund, zeigt er sich als Prototyp eines Single Malts. Mit der Farbe von Kupfer schwingt er im Glas.

Allerdings solltest du dieser nicht all zu viel Beachtung schenken. Glenfiddich gibt diesem Malt Farbstoff E150a hinzu, was Rückschlüsse auf die Fassreifung hinfällig macht.

Zwar finde ich dies schade, da Farbstoffzugabe bei Whisky immer die Beziehung zwischen Farb- und Aromastoffen aus dem Eichenfass verschleiert. In Hinblick auf das gleich folgende Bouquet des Glenfiddich 15 Jahre ist dies aber zu verkraften.

Denn der Duft ist ein Apfel, ist eine Birne, ist eine Orange. Alles in einem, alles kombiniert.

Gibst du dem Whisky eine Temperatur von 21 °C – er darf nicht zu kalt getrunken werden – strömt ein bunter Obstsalat zu deiner Nase.

Jedes dieser Aromen wirkt fein und grazil, dennoch sind sie gut erkennbar. Du brauchst hierfür nicht viel Erfahrung bei der Verkostung von Single Malt Whisky – du erkennst sie.

Glenfiddich 15 Bouquet: Birne
Abb.: Der Duft von Birnen ist eines der herausstechendsten Merkmale des Glenfiddich 15 Jahre

In zweiter Reihe folgen dann Erdbeeren, Anis und ein Hauch Hefe.

Allerdings geht er über diese Hand voll Aromen nicht hinaus, es fehlt ihm an Komplexität.

Komplexität, die Single Malts besitzen, wenn sie aus einem hohen Anteil alter Destillate bestehen.

Dieser Eindruck setzt sich schließlich im Mund fort. Zarte Aromen, aber keine Vielschichtigkeit.

Du erhältst mit dem ersten Schluck Vanille-Noten, Sahne und einen Hauch Mango. Allerdings nicht deutlich, nicht kraftvoll.

Um diese Aromen zu finden, musst du sie suchen. Sie fliegen deiner Nase nicht entgegen.

Allerdings scheint dies auch gar nicht das Steckenpferd des Glenfiddich 15 Jahre zu sein. Das liegt woanders.

Und zwar auf der Zunge.

Der Körper dieses Whiskys ist derart leicht, seine Textur derart weich, dass es eine Freude ist, ihn im Mund hin und her zu schwenken.

Wobei dieses Vergnügen nur von kurzer Dauer ist. Verlässt er deinen Gaumen, verlässt er ihn schnell.

Sobald du ihn hinunterschluckst, hinterlässt er kaum Spuren. Lediglich eine dezente Rauch-Note, die vom Holz des Fasses stammt, bleibt für einige Augenblicke zurück.

In diesem Punkt hinkt er manch anderem Single Malt mit 12- oder 15-jähriger Fassreifung hinterher.

Das Urteil zum Glenfiddich 15 Jahre Solera Vat

Egal zu welcher Gelegenheit ich den Glenfiddich 15 Jahre heute trinke, es ist ein passender, denn hochwertiger Single Malt Whisky.

Natürlich, es gibt komplexere, aromatischere und ausgefallenere Tropfen als diesen. Aber es gibt kaum Single Malts, die es in Hinblick auf das Preis-Leistungs-Verhältnis mit diesem Whisky aufnehmen können.

Legst du knapp 40 Euro auf den Tresen, erhältst du zahlreiche Aromen und ein herausragendes Mundgefühl.

Glenfiddich 15 Jahre – 40 %Vol.


Pro:

  • Deutliche Frucht-Aromen
  • Auffallend weiches Mundgefühl
  • Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Kontra:

  • Mangel an Komplexität
  • Kein Nachklang

Fazit: 7,5 von 10 Punkten

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Foodpairing mit dem Glenfiddich 15 Jahre

Abb.: Zu Desserts auf Basis von Apfel und Zimt ist ein Glas Glenfiddich 15 Jahre Solera Vat eine hervorragende Begleitung.

Diesen Whisky pur zu trinken, ist eine Variante ihn zu genießen. Eine andere ist es, ihn mit verschiedenen Gerichten zu kombinieren.

Auf Basis seiner Aromen haben wir einige Speisen und Getränke herausgesucht, die dir eine neue Möglichkeit des Genusses bieten.

Genuss aus der Kombination mit 3 bis 4 cl Glenfiddich 15 Jahre Solera Vat.

  • Gemüse/Käse: Gruyère, Tomaten, Schwarzwurzel
  • Kräuter/Gewürze: Schwarzer Tee, Zimt
  • Fleisch: Schweinelende, Enten-Filet
  • Früchte: Apfel, Birne, Erdbeeren