Ardbeg Distillery

Ardbeg geht steil. Beinahe jedes Jahr veröffentlichen sie einen neuen Whisky, heizen die Diskussion in Tastings und Internet an.

Neben wenigen Ausnahmen – An Oa und Traigh Bhan – waren dies stets Single Malts in begrenzter Stückzahl.

Fans der Marke aber sind begeistert. Denn suchst du im Internet nach limitierten Ardbeg-Abfüllungen der letzten Jahre, findest du häufig nur: „Derzeit nicht verfügbar“.

Da scheint es nicht zu stören, dass das Gros jener Whiskys ohne Altersangabe erscheint. Auch der dreistellige Preis dieser Single Malts scheint kein Hindernis zu sein.

Ardbeg wird gekauft – und das schnell.

Einer der Gründe für die Nachfrage nach diesen Single Malts liegt – neben gutem Marketing – aber vor allem am Brennerei-Charakter. Eigenschaften, die du in Nase und auf Zunge erkennst.

Was du daher über Ardbeg wissen musst, ist nicht viel. Aber es sind wichtige Fakten, um den größtmöglichen Genuss aus einem Glas dieses Single Malts zu erhalten. In diesem Artikel erfährst du sie.

Bevor wir mit Ardbeg beginnen..

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Suche nach diesen Aromen in einem Glas Ardbeg!

In den Jahren 2018 und 2019 reagierte Ardbeg auf die steigende Nachfrage nach ihren Malt Whiskys. Sie erweiterte die Ausstattung innerhalb der Destillerie.

So stockten sie unter anderem die Anzahl ihrer washbacks, ihrer Fermentations-Behälter, auf. Jede Erweiterung geschah jedoch mit dem Vorsatz den bisherigen Whisky-Stil nicht zu verändern. Der Brennerei-Charakter musste unangetastet bleiben.

Und so sieht er aus.

Ardbeg Brennerei-Charakter

Die Übersicht zum Haus-Stil Ardbegs suggeriert, dass deren Feinbrand aus vier gleichwertigen Aromen besteht.

Mitnichten.

Hältst du deine Nase über ein Glas dieses Destillats, hülst du deine Nase in eine Rauch-Wolke. Dieses Aroma gibt den Ton an, prägt den Brennerei-Charakter.

In diesem Punkt unterscheidet sich Ardbeg nicht von den meisten Brennereien der Isle of Islay, Laphroaig, Lagavulin oder Bowmore; sie alle bauen ihr Whisky-Bouquet auf rauchigen Aromen.

Die Unterschiede erkennst du aber in den Nuancen.

Und jetzt wird es spannend.

Was du über deren „Rauch“ wissen solltest

Verkostest du einen Whisky, kann dieser Rauch-Aromen besitzen – manche davon aus dem Holz-Fass.

Hast du jedoch das Gefühl, dichte Rauchschwaden steigen aus dem Glas und umhüllen deine Nase, dann gibt es für diese nur einen Ursprung: geräuchertes Malz.

Den Unterschied, ob dieser oder jener Whisky nun seine rauchigen Aromen aus dem Fass oder dem geräucherten Malz bezog, erkennst du. Immer.

Denn während die Fass-Variante Rauch-Aromen nur in Nuancen liefert, zieht die andere Variante deine Nase direkt in Torf-Öfen.

So bei Lagavulin, Laphroaig… oder Ardbeg.

Aber selbst bei deren Single Malts erhältst du „nur“ eine abgeschwächte Rauch-Intensität.

Wirf einen Blick auf folgendes Diagramm und du verstehst, was ich meine.

Rauch-Moleküle bei Whisky-Produktion

Die Destillerie bzw. Mälzerei trocknet die Gerste mit Kohle und zusätzlich Torfballen. Bei letzterem entstehen durch das Verbrennen dichte Rauch-Schwaden, die die Gerste umhüllen.

Daran haften bleiben Hunderte von aromatischen Molekülen – sogenannte „Phenol-Derivate“.

Bei Ardbeg sind dies rund 54 ppm (parts per million; Ein Maß für die Intensität an „Rauch-Molekülen“). Je höher der Wert, desto „rauchiger“ das Malz.

Während der Destillation nimmt dieser Wert jedoch ab. Bei Ardbeg sind nach diesem Schritt noch rund 24 ppm vorhanden.

Der Feinbrand, der aus den Brennblasen fließt, hat daher rund 50 Prozent weniger ppm als das Gerstenmalz.

Und jetzt kommt’s:

Während der Reifung in Fässern nimmt deren Menge noch weiter ab.

So nimmt man an, dass nach 10 Jahren im Eichenfass nur noch rund 10 ppm enthalten sind. Ein Whisky, der 15 Jahre reifte, liegt nur noch bei 8 ppm; 6ppm bei 30 Jahren.

Nimmst du daher den Ardbeg Ten, kannst du davon ausgehen, dass dieser weniger als ein Viertel des ppm-Gehalts seines Malzes besitzt.

Und dennoch: ein Glas Ardbeg reicht aus, um ein kleines Zimmer in eine winzige Räucher-Kammer zu verwandeln.

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Dies ist der zweitwichtigste Schritt

Je jünger ein Single Malt von Ardbeg ist, desto deutlicher erkennst du dessen Haus-Stil.

Das heißt, Mundgefühl, Geschmack und Bouquet stammen dann vor allem aus Schritten vor der Fass-Reifung:

  • Getorftes Malz
  • Fermentation
  • Destillation

Vor allem durch die Fermentation liefert dir Ardbeg bereits eine Fülle an Aromen:

Ardbeg New Make Aromen

Diesen vier folgen aber noch weitere.

  • Ruß
  • Zitrone
  • Veilchen
  • Bananen

Diese Aromen erreicht die Destillerie in erster Linie durch zwei Herstellungsschritte.

Zum einen die Fermentation: Dieser lassen sie rund 60 Stunden Zeit – in Maischebottichen aus Pinienholz.

Zum anderen erweiterte Ardbeg einen Teil ihrer Brennblasen – die Spirit Stills – um einen Purifier. Dieser erzeugt einen Rücklauf in die Brennblase, was dem Feinbrand fruchtige Noten und einen süßen Geschmack verleiht.

Das richtige Glas für Ardbeg-Whiskys?

Möchtest du deinen Whisky nicht nur genießen, sondern verkosten, gelangst du irgendwann zu folgender Frage:

Welches Glas eignet sich am besten?

Die häufigste Antwort, die du dann erhältst, lautet: ein Nosing-Glas. Gläser mit einem Bauch, der breiter ist als dessen Öffnung.

Völlig unpräzise.

Denn auch bei Nosing-Gläsern entscheidet Form und Volumen darüber, wie du deinen Single Malt wahrnimmst.

Ob er dir schmeckt, welche Aromen du erkennst: Punkte, die du mit der Wahl deines Glases beeinflusst.

Bei Single Malts von Ardbeg nimmt seit Jahren – zumindest habe ich diesen Eindruck – der Einfluss der Fässer ab. Zwar erscheinen hie und da Abfüllungen mit über 20 Jahren Fass-Reifung. Aber dies ist die Ausnahme.

Die Mehrheit ist entweder jung oder ohne Altersangabe.

In diesem Fall tritt der Haus-Stil der Brennerei mehr und mehr in den Mittelpunkt, mehr und mehr in deine Nase.

Dementsprechend solltest du auch die Form des Glases wählen.

Glencairn Whisky-Glas
Abb.: Glencairn-Glas zur Verkostung von Whisky

Nimm für die Verkostung von Ardbeg Whiskys Nosing-Gläser mit kleinem Volumen – zum Beispiel Glencairn. In diesem Fall konzentrieren sich die Aroma-Moleküle. Sie bekommen weniger Kontakt zum Sauerstoff der Luft, wodurch du sie intensiver wahrnimmst.

Foodpairing mit Single Malts von Ardbeg

Kombinierst du Ardbeg Single Malts mit Speisen, dann achte vor allem auf drei ihrer Aromen:

  • Rauch
  • Seetang
  • Zitrusfrüchte

Letztere erwecken den Eindruck einer Mischung aus Zitrone, Limette und Grapefruit.

Dies macht Ardbeg Whiskys – auch wenn der erste Eindruck anders scheint – zu einem optimalen Begleiter verschiedener Obstsorten. Pomelo, Orange und Schwarze Johannisbeeren sind hervorragende Begleiter zu deren Malts.

Ist dir eher nach etwas herzhaftem, dann probiere es zum Beispiel mit Rind oder Austern sowie Lachs, San Daniele- oder Serano-Schinken. Ein Schluck Ardbeg und ein Stück Serano-Schinken hinterher: Dein Mund scheint explodieren zu wollen.

Vorschläge

Gemüse/Käse/Gebäck

Paprika, Pommes, Lauch, Brie, Kohlrabi, Rosenkohl

Kräuter/Gewürze

Kardamom, Koriander, Basilikum, Muskat, Minze, Rosmarin, Koriander, Nori, Walnuss

Fleisch/Fisch

Rind, Austern, Lachs, San Daniele Schinken

Früchte

Mango, Pomelo, Orange, Cranberry, Zitrone, Schwarze Johannisbeeren, Lychee, Rosine

Diese Ardbeg Whiskys solltest du probieren

Ardbeg hat sich unter der Ägide von Moët Hennessy vor rund 10 Jahre „Limited Editions“ auf die Fahnen geschrieben.

Seither erschien durchschnittlich ein Single Malt pro Jahr in begrenzter Stückzahl.

Ardbeg Galileo

Abb.: „Galileo“; Ardbeg veröffentlichte diesen Single Malt im Jahr 2012 in begrenzter Stückzahl.

Allerdings hat Ardbeg auch eine Hand voll Single Malts im Portfolio, die stets verfügbar sind. Möchtest du daher einen Whisky, dessen Bouquet auf Rauch, Zitrusfrüchten und Algen basiert, solltest du einmal folgende Tropfen probieren:

  • TEN
  • An Oa
  • Uigeadail

Bildnachweise: Ardbeg Distillery: 13threephotography – Shutterstock.com; Glencairn-Glas: Sabelskaya – Shutterstock.com; Ardbeg Galileo: barinart – Shutterstock.com