Laphroaig 10 Jahre

Ich konnte mir die meisten nicht leisten. Kurz nach meinem Studium war der Inhalt meines Geldbeutels nicht üppig – mein Drang nach neuen Whiskys hingegen schon.

Dumm nur, dass die meisten der Single Malts für mich daher nicht erreichbar waren. Zumindest keine 0,7-Liter-Flasche. Das Hobby, das ich mir aussuchte, war nicht gerade bekannt für seine günstigen Preise.

Der Laphroaig 10 Jahre war da einer der wenigen Lichtblicke. Nicht einmal 30 Euro kostete eine Flasche.

Eine ganze!

Ich war also schon Fan dieses Whiskys, bevor ich ihn probiert hatte. Immerhin bot er mir mit meinen schmalen Geldreserven eine Möglichkeit: Ich konnte einen ersten Schritt auf die Isle of Islay setzen. Der Laphroaig 10 Jahre war meine Fähre vom Festland zu den äußeren Inseln Schottlands – zumindest sensorisch.

Durch diesen Tropfen lernte ich 3 Dinge über Single Malt Whisky:

  • Laphroaig wichtigstes Molekül heißt „Kresol“
  • Guter Malt Whisky muss nicht euer sein
  • Torf bietet dir Terroir

In diesem Artikel zeige ich dir, wie du einen Laphroaig 10 Jahre verkosten kannst. Du lernst dabei, verschiedene Techniken, um zahlreiche Aromen in diesem Malt zu entdecken. Denn dieser Whisky bietet einige versteckte Düfte – und das für den schmalen Taler.

Du musst sie nur finden

Ok, legen wir los.

Bevor wir mit dem Laphroaig 10 Jahre beginnen..

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So entsteht der Laphroaig 10 Jahre

Kontrast. Klappern. Kresol.

Mein Eindruck, den ich hatte, als ich das erste Mal eine Flasche des Laphroaig 10 Jahre in Händen hielt, bestand aus 3 Teilen.

Zunächst war da die schlichte Eleganz seiner Metalldose. Wollte ich sie öffnen, begann die Flasche darin unweigerlich an die Wände der Dose zu schlagen – je fester ich zog, desto lauter klapperte es.

Und dann dieser Geruch. Das Rauch-Aroma des Laphroaig 10 Jahre stieg in dem Moment aus der Flasche, als ich sie öffnete. Dies war so intensiv, dass dessen Moleküle schon unter dem Korken zu warten schienen.

Allerdings: Irgendwas war anders an diesem Rauch. Irgendwas grenzte in klar von dem der Whiskys von Ardbeg, Lagavulin oder Bowmore ab.

Später erfuhr ich den Grund: die chemische Verbindung Kresol.

Damit du verstehst, wieso ein Laphroaig 10 Jahre dir Rauch, Schinken und Medizin in die Nase schickt, möchte ich dir etwas zeigen.

Laphroaig Haus-Stil

In der Grafik erkennst du, dass sich der Haus-Stil – die typischen Laphroaig-Aromen – in 4 Teile gliedern lässt.

Neben Teer besitzt Laphroaig 4 Aromen, die das Bouquet dessen New Makes prägen:

  • Rauch
  • Medizin
  • Enzian
  • Malz

Und jedes einzelne davon kannst du ohne Probleme in einem Laphroaig 10 Jahre finden. Dadurch ist dieser Malt – zumindest meiner Einschätzung nach – der einzige der Destillerie, der den Brennerei-Charakter Laphroaigs deutlich zeigt.

Beim Gros der anderen Malts überlagert der Einfluss des Holzes einige dieser Aromen.

Um daher noch mehr Freude und Genuss an einem Glas Laphroaig 10 Jahre zu bekommen, möchte ich dir im Folgenden 2 Fragen beantworten:

  • Wie kommt die Destillerie zu diesen Aromen?
  • Wie entdecke ich sie in einem Glas Laphroaig 10 Jahre?

Was ist so besonders am Rauch des Laphroaig 10 Jahre?

Um es kurz zu machen: nichts.

Zumindest nichts, was du nicht auch bei den anderen Malts von Laphroaig findest. Jeder Whisky von Laphroaig basiert auf dem gleichen Feinbrand – New Make.

Der Unterschied zum Rest des Portfolios ist jedoch der Einfluss des Holzfasses. Meiner Erfahrung nach ist dieser beim Laphroaig 10 Jahre geringer als beim Rest deren Malts.

Zwar ist das jüngste Destillat bei diesem Whisky 10 Jahre alt. Ich wage allerdings zu bezweifeln, dass die anderen Destillate darin deutlich älter sind.

Und dies ist der Grund, warum du den Brennerei-Charakter hier so gut erkennen kannst.

Wenn also nicht das Fass, welcher Schritt ist dann der bedeutende?

Es sind 4!

Der Malz-Vorgang und die Trocknung, die Fermentation und die Destillation.

Trotz seiner Größe mälzt Laphroaig 20 Prozent selbst

Laphroaig ist eine – gemessen an der Produktionsmenge – riesige Malt Whisky-Destillerie.

Dennoch verarbeiten sie rund 20 Prozent ihres Getreides selbst – auf dem Destilleriegelände. Die restlichen 80 Prozent beziehen von der Großmälzerei Port Ellen Maltings.

Wirfst du einen Blick auf die folgende Grafik, erkennst du: Diese 20 Prozent sorgen für Individualität.

Laphroaig Malt Spezifikation

 

Sowohl die Getreide-Zusammensetzung als auch Konzentration der „Rauch-Moleküle“ gilt für jeden Malt der Destillerie – auch den Laphroaig 10 Jahre.

Für die eigene Gerste gibt die Destillerie diese in Wasser und lässt sie dort 51 Stunden quellen. Anschließend kommt dieses sogenannte „Grünmalz“ auf 2 Darrböden. Laphroaig trocknet diese nun 15 Stunden mit Torfrauch und anschließend 19 Stunden mit heißer Luft. 

Laphroaig Torf
Abb.: Mitarbeiter der Laphroaig Distillery füllt Torfbrocken in den Trocknungsofen

Den längsten Vorlauf von allen

Fermentiert die Destillerie ihre Maische, erhält sie dadurch ein Sammelsurium verschiedener Duftmoleküle. Die Hefe haut hier während der Gärung einiges raus – nicht nur Alkohol.

Unter anderem landen dadurch Ester-Moleküle in der Maische, die du im Whisky als Ananas, Kirsche oder auch Birne erkennen kannst. Ester machen Früchte.

Aber genau das will Laphroaig nicht. Auch nicht beim Laphroaig 10 Jahre.

Um möglichst alle Ester-Verbindungen abzutrennen, geht die Destillerie ins Extreme. Sie trennt den Vorlauf später ab als jede andere Brennerei.

Nach 45 Minuten!

Laphroaig trennt ihren Vorlauf erst nach 45 Minuten (!) ab.

Dadurch legt sich der Whisky schwerer, rauchiger und mit 18 ppm auf deine Zunge.

Laphroaig Fässer

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Das erwartet dich in einem Glas Laphroaig 10 Jahre

Die Farbe des Laphroaig 10 Jahre lässt sich am besten mit „Bernstein“ beschreiben. Schwenkst du ihn einige Male, bildet er zudem einige ölige Tropfen an der Glasinnenseite.

Allerdings solltest du nach dem Schwenken nicht all zu lange warten. Der Laphroaig 10 Jahre ist kein Single Malt, der viel Luft benötigt.

Im Gegenteil.

Sein Bouquet ist weich und seine Aromen auffällig. Dementsprechend solltest du das Tasting vorbereiten:

  • Glas mit geringem Volumen; z.B. Glencairn
  • Nur wenig schwenken
  • Wenig Ruhe

Hältst du den Laphroaig 10 Jahre unter deine Nase, bilden 3 Eindrücke die Vorhut:

  • Rauch
  • Milde
  • Teer

Vor allem die Bedeutung der Verbindung Kresol erkennst du deutlich: das Rauch-Aroma wird dich an Teer, Medizin und Iod erinnern. Schwenkst du das Glas unter deiner Nase, bekommst du nach einer Weile zudem den Eindruck, als hieltest du sie in eine Meeresbrise.

Hat sich deine Nase dann an diese deutlichen Aromen gewöhnt, zeigen sich Nuancen von trockenem Holz, Erdbeere und Vanille. Zudem etwas warmes Brot.

Warmes Brot, Laphroaig Aroma
Abb.: Nimmst du ein paar Schlücke des Laphroaig 10 Jahre zeigt er Aromen, die an warmes Brot erinnern..

Du siehst: Bereits in der Nase findest du beim Laphroaig 10 Jahre den Großteil des Brennerei-Charakters. Allerdings solltest du nicht auf zu viel Tiefgang hoffen. Du wirst ihn nicht finden.

Denn aufgrund seines geringen Holzeinflusses sticht zwar der New Make durch, es mangelt ihm aber an Vielschichtigkeit. Nach einer Hand voll Düften geht das Bouquet zu neige. Es gibt kaum Nuancen im Hintergrund.

Nimmst du dann die ersten Schlücke, setzt er diesen Weg fort. Er legt sich weich und mit leichtem Körper auf deine Zunge. Nach einer Weile erkennst du herben Geschmack und Aromen von Rauch, Enzian und Milchreis.

Auch hier kommt der New Make deutlich durch. Mit all seinen Aromen, aber ohne die Fehlnoten junger Destillate.

Mir scheint es, als hätte die Destillerie den Laphroaig 10 Jahre just in dem Moment aus den Fässern gezogen, als alle Fehlnoten junger Malts verschwunden waren.

So bleibt auch der Nachklang nur kurz mit einem Hauch Teer und Rauch.

Urteil zum Laphroaig 10 Jahre

Suchst du einen Single Malt, der dir die Tiefe und Vielseitigkeit von Holzfässern demonstriert, bist du beim Laphroaig 10 Jahre falsch.

Mir scheint es als hätten die Ex-Bourbon-Fässer, die hier verwendet wurden, in erster Linie eine Aufgabe gehabt: ungewünschte Aromen abbauen. Dass parallel noch Noten von Vanille etc. in den Whisky eindringen, war ein positiver Nebeneffekt.

Der Laphroaig 10 Jahre ist – meiner Ansicht nach – ein Beispiel für das Minimum, das ein hochwertiger Whisky erfüllen muss.

Ein Minimum, bei dem die Aromen des Haus-Stils und der positive Einfluss des Holzes sich auf Augenhöhe begegnen.

Und dies zu einem unglaublichen Preis-Leistungs-Verhältnis.

Positiv:

  • Komplexe Rauch-Aromen
  • Haus-Stil kommt mit größtmöglicher Intensität durch
  • Keine Fehlnoten

Negativ:

  • Fehlende Komplexität
  • Kurzer Nachgang mit schwachen Aromen

Foodpairing mit dem Laphroaig 10 Jahre

Auch wenn du nicht viele Scheine für diesen Whisky auf den Tisch legen muss, ist er dennoch ein Genussprodukt.

Ein spannendes, sowohl pur als auch in Kombination mit Speisen.

Auf Basis der Aromen des Laphroaig 10 Jahre habe ich dir eine Liste an Zutaten erstellt. Hiermit lassen sich Gerichte und Desserts zubereiten, für die dieser Malt der perfekte Begleiter ist.

  • Gemüse/Käse/Backwaren: Baguette, Lebkuchen, Ciabatta, Roggenbrot, Brie
  • Kräuter/Gewürze: Pfeffer, Vanille, Kokosnuss, Meersalz
  • Fleisch: Rindfleisch, geräucherter Schinken, geräucherter Fisch
  • Früchte: Erdbeere