Bunnahabhain Distillery

Stelle dir eine Bühne vor, bei dem die Hauptdarsteller inmitten des Scheinwerferlichts stehen. Beliebte Persönlichkeiten suhlen sich darin im Applaus des Publikums.

Gleich neben dem Lichtkegel steht ein Darsteller, dem der Schritt ins Rampenlicht verwehrt bleibt. Nur ein kleiner Teil der Zuschauer bekommt dadurch seine Qualität und seine herausragende Leistung zu Gesicht.

Dieser Darsteller ist Bunnahabhain.

Eine Malt Whisky-Destillerie, die im Schatten ihrer berühmten Islay-Kollegen wie Ardbeg, Laphroaig oder Lagavulin steht.

Pech für diejenigen, die nicht über den Tellerrand gucken, Glück für diejenigen, die Bunnahabhain für sich entdeckt haben.

In diesem Artikel zeige ich dir, was dir die Malts von Bunnahabhain (sprich: Buh-na-hä-ven) bieten können.

Denn neben einem genialen Preis-Leistungs-Verhältnis sind dies auch noch wahre Gaumenfreuden.

Ok, legen wir los.

Bevor wir mit Bunnahabhain beginnen..

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Was du über Bunnahabhain wissen musst

Gegen den Strom zu schwimmen, kann den eigenen Umsatz in Schwung bringen. Ein Individualist zu sein, ein Farbklecks auf schwarzem Untergrund sorgt für Wiedererkennungswert.

Bei all dem Streben nach Einzigartigkeit, kann aber Authentizität auf der Strecke bleiben. Bunnahabhain kann davon ein Lied singen.

Um dies zu verstehen, lass uns erst einmal einen Blick auf den Haus-Stil von Bunnahabhain werfen. Das heißt, auf Aromen und Mundgefühl, die den Stil dieser Whisky-Destillerie definieren.

Ich kenne kein Spirituosen-Genre wie Single Malt Scotch, bei dem eine einzelne Unterkategorie derart Einfluss auf die gesamte Industrie ausübt.

Whiskys der Insel Islay erzeugten in den vergangenen Jahren einen derartigen Sog auf Whisky-Fans, dass deren rauchiges Aromenprofil von anderen Brennereien aufgegriffen wurde. Brennereien, bei denen seit Jahrzehnten – bei manchen noch nie – Rauch und Torfrauch bei der Herstellung keine Rolle spielten.

Nimm The Glenlivet. Die Brennerei aus der Speyside ließ eine Abfüllung ihrer Nàdurra-Serie in Fässern reifen, in denen zuvor Whisky von Islay lagerte.

Oder wie wäre es mit Edradour. Jene Highlands-Brennerei bringt mit Ballechin seit wenigen Jahren gleich eine ganze „Rauch-Whisky“-Serie auf den Markt.

Beide Brennereien stammen aus Regionen, bei denen rauchige Single Malts Jahrzehnte keine Rolle spielten.

Aber heute gilt das Credo: „Smoke sells.“

Da wirkt es fast schon fahrlässig, in der Keimzelle des rauchigen Whiskys keinen solchen zu produzieren. Eine Scotch-Destillerie auf Islay, die kein rauchiges Bouquet liefert, verschenkt Marktpotential.

Das hat auch die Malt Destillerie Bunnahabhain erkannt.

Nur leider erst im Jahr 2003.

Wenn es um rauchigen Whisky ging, war Bunnahabhain… nun ja…sagen wir…unentschlossen.

Wirf mal einen Blick hier drauf:

Bunnahabhain Geschichte 21. Jahrhundert

Von 1963 bis 2003 konzentrierte sich die Brennerei ausschließlich auf ungetorften Whisky; war also der Rebell auf Islay. Einer, der gegen den Strom schwamm.

Seit 2003 gibt es den Haus-Stil von Bunnahabhain auch mit höherem Torfgehalt von 38 ppm.

Dabei erhalten sie rund 90 Prozent ihres Malzes von der Großmälzerei Simpson’s Berwick Maltings, die anderen knapp 10 Prozent von Port Ellen Maltings.

Ein Bunnahabhain hat heute jedoch den Ruf ein Single Malt ohne Rauch-Aromen zu sein. Die 40 Jahre zwischen 1963 und 2003 waren einfach zu prägend. Zwar hatte das Malz auch damals einen ppm-Gehalt von 2. Nach der Destillation wandelt sich dies jedoch zu 0,5 ppm.

o,5 ppm? Diese Rauch-Aromen entdeckt selbst der feinste Whisky-Gaumen nicht mehr.

Bunnahabhains hat aber keinen Feinbrand, der ohne Torf hergestellt wird und dem dadurch ein riesiges Aromenloch entsteht.

Dieses Destillat besitzt auch ohne Raucharomen einen schweren Körper und interessante Nuancen. So erkennst du hier beispielsweise eine Hefe-Note, die bei einigen ihrer Malts trotz mehrjähriger Reifung noch gelegentlich aufblitzt.

Oder nimm dessen andere Nuancen. Wo finden wir schon ein Bouquet, das Anflüge von Ingwer und Tomatensauce hat.

Entkleidest du einen Bunnahabhain, ziehst ihn blank, erkennst du seinen Brennerei-Charakter. Entfernst du die Aromen, die er aus dem Holzfass erhielt, bekommst du einen Tropfen, der sowohl trocken auf der Zunge liegt, als auch mit malzigen und würzigen Aromen um sich wirft.

Denn auch heute noch konzentriert sich die Destillerie auf ungetorften Whisky. 85 Prozent ihrer Produktionsmenge liefert Malt Whisky ohne Raucharomen.

Kurz nach der Jahrtausendwende wollten Brennerei und Dachkonzern die steigende Nachfrage nach rauchigem Islay Malt aber nicht mehr ignorieren. Seither enthalten 15 Prozent ihres Malzes einen Torfanteil von ca. 38 ppm.

Werte an denen sich auch andere Islay-Brennereien wie Laphroaig oder Ardbeg orientieren.

Je nach Maische setzt Bunnahabhain unterschiedliche Fermentationszeiten an.

Von 60 Stunden bis 80.

Die Destillation erfolgt anschließend in Wash Stills und Spirits Stills mit klassischer Form.

Bunnahabhain Stills
Abb,; Wash- und Spirit Still in der Bunnahabhain Distillery

Interessant ist dabei, dass Bunnahabhain ihre Brennblasen nur wenig befüllt:

  • Füllmenge Wash Still: ± 47 Prozent
  • Füllmenge Spirit Still: ± 60 Prozent

Das dies wenig ist, siehst du, wenn du es mit anderen Islay-Destillerien vergleichst. So füllen Ardbeg und Bowmore ihre Wash Stills zu rund 65 Prozent mit vergorener Maische; die Spirit Still hingegen füllt Bowmore gar bis zu 90 Prozent.

Dass Bunnahabhain ihre Brennblasen gerade einmal zur Hälfte füllt, hat Konsequenzen für den Whisky. Der Dampf erhält während seines Aufstiegs mehr Kontakt zum Kupfer je geringer die Brennblase gefüllt wurde.

Bunnahabhains New Make kommt entsprechend sauber und filigran aus den Brennblasen.

Am Ende fließt ein Feinbrand mit 68,5 %Vol. aus den Pot Stills, der dann auf 63,5 %Vol. verdünnt wird.

Dann geht es ins Fass.

Bunnahabhain verkosten

  • Glas: Nosing Glas; Stiel-Glas mit bauchigem Unterteil und schmal zulaufender Öffnung.
  • Serviertemperatur: Verkostest du Bunnahabhain Whiskys, ist es wichtig, dass du auf dessen Temperatur achtest. Vielleicht sogar mehr als bei vielen anderen Malts.

Der Grund liegt darin, dass er in jungen Jahren schwer, süß und ölig ist. Trinkst du ihn mit diesen Eigenschaften bei einer Temperatur von 20 °C und mehr, verstärkt dies jene Eindrücke. 

Das ölige Mundgefühl nimmt zu und die Süße nimmt überhand.

Am besten du steigerst die Trinktemperatur mit der Zunahme des Alters. Beginne bei einem 12 jährigen Bunnahabhain bei ungefähr 18 bis 19 °C und erhöhe diese mit jeder Altersstufe um 1 maximal 2 Grad.

Foodpairing mit Single Malts von Bunnahabhain

Je länger ein Bunnahabhain im Fass bleibt, desto mehr Aromen saugt er aus diesem. Jede dieser Noten taucht in ein schweres, süßes Destillat ein und bleibt darin gefangen.

So kannst du dir die aromatische Entwicklung jener Single Malts vorstellen. Ein Aromen-Potpourri, eingebettet in eine süße, ölige Matrix.

Dieser Charakter ändert sich zwar mit jedem Jahr, den ein Bunnahabhain im Fass bleibt, erkennbar ist er jedoch immer.

Aus diesem Grund eignen sich jene Single Malts in erster Linie als Begleitung oder Digestif herzhafter Speisen. Als Appetitanreger taugt er hingegen nichts. Er ist zu schwer, zu süß.

Probiere zum Beispiel einen 12 jährigen Bunnahabhain als Begleitung zu Hühnchen. Dessen Bouquet erinnert teilweise an Feigen und harmoniert dadurch hervorragend mit jenem Geflügel.

Vorschläge

Gemüse/Käse/Gebäck

Marzipan, Brokkoli, Kirschtomaten

Kräuter/Gewürze

Vanille, Kaffee, Schokolade, Sencha-Tee, Mandel, Nori

Fleisch/Fisch

Krabbe, Rind, Hühnchen, Muscheln,

Früchte

Erdbeere, Williams-Christ-Birne, Aprikose, Brombeere, Pflaume, Feige, Rosine

Ein Blick zurück: Die Achterbahnfahrt von Bunna

Egal wen du fragst, über die Anfangsjahre von Bunnahabhain ist nicht viel bekannt. Auch kann dir niemand eine verlässliche Antwort darauf geben, mit welchem Whisky-Stil der Bunnahabhains Gründer William Robertson in den Jahren nach 1881 arbeitete.

Fakt ist allerdings, dass du Single Malts dieser Brennerei aus den Jahren vor 1963 nur mit intensivem Torfaroma bekommst. Bis Mitte der 60er war Bunnahabhain eine Destillerie, die den typischen Islay-Charakter bediente. Rauch vom Boden bis zur Öffnung des Glases.

Im Jahr 1963 erweiterten die damaligen Besitzer allerdings nicht nur die Brennblasen-Anzahl von 2 auf 4, sondern krempelten das gesamte Portfolio um. Rauchiger Whisky war passé. An dessen Stelle rückte ein weicher Brand, frei von torfigen Aromen.

Bunnahabhain reagierte damit auf die Nachfrage nach Blended Whiskys, für deren Markt die Destillerie hauptsächlich produzierte. Rauchige Malts waren in Blends ungewünscht, also schwenkte die Destillerie um.

Zumindest bis 1982.

In jenem Jahr schloss die Brennerei; die Produktion wurde eingestellt.

Diese Pause dauerte allerdings gerade einmal 2 Jahre, und 1984 ging es weiter wie gehabt. Bunnahabhain stellte bis auf wenigen Ausnahmen in den 1990ern Malts ohne Raucharoma her.

Erst als im Jahr 2003 Burn Stewart Distillers die Islay-Destillerie unter ihre Fittiche nahm, bekamen rauchige Whiskys wieder einen festen Platz im Sortiment.

2004 erschien nach 40 Jahren der erste Bunnahabhain Single Malt mit rauchigem Bouquet. Sein Alter: 6 Jahre.

Probiere diese 3 Malts

Bunnahabhain 12 Jahre

Bunnahabhain 12 Jahre
  • 12 Jahre Reifung in Ex-Bourbon- und Ex-Sherry-Fässern
  • Alkoholgehalt: 46,3 %Vol.

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Bunnahabhain Eirigh na Greine

Bunnahabhain Eirigh na Greine
  • Reifung in französischen Rotwein-Fässern
  • Alkoholgehalt: 46,3 %Vol.

Jetzt den Bunnahabhain Eirigh na Greine bei Amazon bestellen und selbst probieren

Bunnahabhain Toiteach

  • Melange aus ungetorftem und getorftem Whisky; Reifung in Oloroso Sherry-Fässern
  • Alkoholgehalt: 46,3 %Vol.

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Update: Dieser Artikel wurde am 21.04.2020 aktualisiert.

Bildquelle: Brennblasen: 13threephotography – Shutterstock; Destillerie-Ansicht: Martin M303 – Shutterstock; Packshots: Amazon; Titelbild: Martin M303 – Shutterstock