Bowmore Distillery

Es ist eine Herkules-Aufgabe. Verkostest du einen Single Malt der Bowmore Distillery stehst du vor Schwierigkeiten, die du mit Malts vieler anderer Brennereien nicht hättest.

Nicht nur hat Bowmore mit Vorurteilen zu kämpfen, die du beiseite schieben musst; deren Bouquet erfordert zudem Expertise.

3 Faktoren erschweren aus meiner Sicht nämlich die Degustation eines Bowmore Whiskys:

  • Vorurteile gegenüber der Qualität der gesamten Marke
  • Qualitätsschwankungen innerhalb des Portfolios
  • Raffiniertes Bouquet mancher Malts

Den ersten Berührungspunkt, den ich je mit Whiskys der Marke Bowmore hatte, war ein Kommentar eines Whisky-Fans vor rund 12 Jahren:

Bowmore? Machen die nicht so schlechten Malt Whisky?

Und so ein Satz brennt sich ins Gehirn; verfolgt dich jedes Mal, wenn du ein Label mit der Aufschrift „Bowmore“ siehst.

Aber: Das ist ein Vorurteil, das dieser Marke nicht gerecht wird.

Gut, zumindest einem Teil seines Portfolios nicht.

Diese Destillerie liefert dir High End-Whiskys. Du musst lediglich wissen, wonach du suchen musst und wie du diese verkostest.

Dieser Leitfaden hilft dir daher, Malts von Bowmore nicht nur zu verstehen, sondern jedes Detail aus einem Glas dieser Brennerei herauszuholen.

Ok. Legen wir los

Bowmore Whiskys… diese Details solltest du kennen

Bowmore Distillery
Abb.: Eingang zur Bowmore Distillery

Von einer der bekanntesten Malt Destillerien der Isle of Islay erwartet der Whisky-Trinker – lassen wir uns mal von Vorurteilen leiten – eine gewaltige Rauch-Bombe.

Torf- und Raucharomen überall.

Nur hier spielen die Malts der Bowmore Distillery nicht mit. Sie machen es dezenter, machen es filigraner.

Bowmore ist in Sachen Torf-Gehalt… sagen wir…die Goldene Mitte von Islay.

Bevor wir aber in die Details deren Rauch-Aromen eintauchen, lass uns kurz einmal einen Überblick über deren Bouquet und Haus-Stil verschaffen.

Bowmore

2 Eigenschaften stechen bei der Verkostung eines Bowmore Malts hervor:

  • Rauch-Aromen
  • Schwerer Körper

Aber auch, wenn deren torfiger Teil des Bouquets nicht derart voluminös wie bei zum Beispiel Lagavulin oder Laphroaig ist, so hat es dennoch Kraft.

Neben dieses gesellen sich 3 weitere Aromen, sobald das frische Destillat bei Bowmore aus den Brennblasen fließt:

  • Vanille
  • Nuss
  • Gras

Diese ziehen sich als Nuancen durch das Portfolio dieser Marke und sind – je nach Reifungsdauer – mal besser, mal schlechter erkennbar.

Diesen Haus-Stil erreicht Bowmore vor allem durch 2 Parameter im Herstellungsprozess: dem ppm-Gehalt am Malz und der Fermentationsdauer.

Wirfst du einen Blick auf den „Torf-Gehalt“ am Malz von Bowmore, stellst diesen dann dem anderer Islay-Brennereien entgegen, fällt dir Folgendes auf:

Bowmore Whisky kann gar nicht so rauchig sein, wie jene von Ardbeg, Laphroaig oder Lagavulin.

Sie benutzen schlichtweg nicht derart intensiv geräuchertes Malz wie eine der anderen drei.

So arbeitet Laphroaig mit einem „Rauch-Gehalt“ von 40 bis 45 ppm; Bruichladdichs Octomore hat bisweilen über 300 ppm „Torf-Moleküle“ am Malz.

Und Bowmore?

Die schwören für deren Haus-Stil auf lediglich 25 ppm.

Am Malz wohlgemerkt!

Was nach Fermentation und Destillation letztlich noch im New Make übrig bleibt, sind 8 bis 10 ppm.

Dies ist kein Qualitätskriterium; lediglich eine messbare Größe, die bestätigt, dass die Destillerie Bowmore beabsichtigt, einen anderen Stil zu fahren, als das Gros der Whisky-Destillerien auf Islay.

Bowmore produziert – ähnlich wie Laphroaig – einen Teil ihres Malzes zudem selbst. Zwar ist deren eigene Tennenmälzerei für ein jährliches Produktionsvolumen von rund 1,3 Millionen Liter Alkohol nicht ausgelegt, für 30 Prozent davon hingegen schon.

So bedient sich Bowmore an der Gerste von 16 Landwirten in den schottischen Lowlands – in erster Linie die Sorte Optic.

Floor Malting in der Bowmore Distillery, Islay

Und ab dann beginnt der Islay-Teil bei Bowmore: Ist die Gerste in der Destillerie angekommen, mälzt und räuchert es Bowmore. Dabei verwenden sie Torf des Gartbreck Moss, ein Torfmoor im Hinterland Bowmores.

Das besondere daran ist, dass Torf dieses Moores Bowmore mit individuellen Aromen ausstattet. Der Grund: Torf des Gartbreck Moss besteht – der Name lässt es vermuten – zum großen Teil aus Moos. Bei Torf von Port Ellen ist dies nicht der Fall.

Den restlichen Teil liefert die Großmälzerei Simpson’s.


Du möchtest mehr über dieses Thema erfahren?

Das Torf-Kompendium: Was du über rauchige Whiskys wissen musst

Der große Single Malt Scotch Whisky-Leitfaden

27 Whisky-Sorten und wie du die richtige für dich auswählst


Die Destillerie nutzt 2 Fermentationszeiten.

Nicht, dass dies in der Scotch-Industrie unüblich wäre, auffallend bei Bowmore ist nur deren Differenz. Während der eine Vorgang mit 48 Stunden am Minimum läuft, dauert der zweite Prozess 62 Stunden. Den kürzeren werktags, den längeren am Wochenende.

Diese kurze Dauer sowie die Tatsache, dass die Maische bei Bowmore vergleichsweise warm ist, liefert am Ende einen Alkoholgehalt von 7 %Vol. Wirklich gering im Vergleich zu anderen Destillerien; und einer der Gründe, warum der New Make von Bowmore so schwer auf der Zunge liegt.

Mithilfe der Hefe-Züchtungen Kerry und Mauri erzeugt die Destillerie dadurch die oben genannten Aromen.

Während der Fermentation gebildet, während der Destillation konzentriert.

Stills Bowmore
Abb.: Brennblasen der Bowmore Distillery

Um eine möglichst hohe Aromenausbeute durch den Brennvorgang zu erreichen, destilliert Bowmore lediglich auf einen Alkoholgehalt von 68,8 %Vol.

Um dann allerdings eine Fasslagerung zu garantieren, bei der das Maximum an Aromen aus dem Holz gezogen wird, verdünnt sie mit Quellwasser.

68,8 %Vol. plus Wasser ergibt bei Bowmore 63,5 %Vol.

Die Destillerie hält sich damit an einen Branchen-üblichen Wert, der zwischen 62,5 und 63,5 %Vol. schwankt. Dieses Verhältnis von Wasser zu Alkohol ermöglicht eine optimale Extraktion von Holzbestandteilen während der Fasslagerung.

Im Anschluss an die Destillation kommt es schließlich zur Entscheidung. Bei diesem Prozess gibt es die Antwort auf die Frage:

Wird es ein guter Bowmore oder nicht?

Denn dass der Haus-Stil dieser Destillerie hervorragenden Single Malt Whisky hervorbringt, steht außer Frage.

Wirf mal einen Blick auf Bowmores Mizunara Cask Finish. Dieser Malt erschien 2015 und warf alle Vorurteile über diese Destillerie über den Haufen.

Gut, zugegeben. Mit knapp 1.000 Euro war dieser Whisky damals nicht gerade ein Schnäppchen. Aber was du dafür in Händen halten durftest, war brutal gut.

Und dies, obwohl Bowmore beim Mizunara Cask Finish noch nicht einmal eine offizielle Altersangabe machte.

Sie kreierten also allein mit der Nachreifung in einem Fass aus Mongolischer Eiche einen Whisky, der Standards setzte.

Und dies mit einem Holz, das viele Jahre als ungeeignet für die Reifung von Whisky galt.

Du siehst, der Haus-Stil von Bowmore eignet sich ohne Frage zur Kreation hervorragender Whiskys. Entscheidend ist jedoch das Fass-Management.

Und hierfür enthält deren Fass-Bestand ca. 14 Prozent Sherry-Fässer.

Abb.: Fässer von Bowmore

Welche Trinktemperatur eignet sich für Bowmore Malts?

Ich gebe zu, dass du einen schlechten Malt auch nicht mit der optimalen Trinktemperatur in einen Spitzen-Whisky verwandelst.

Und davon gibt es bei Bowmore vor allem im unteren Preis-Segment ein paar.

Bist du allerdings bereit für einen Single Malt dieser Brennerei ein paar Scheine mehr auf den Tisch zu legen, bekommst du High End-Genuss.

In diesem Fall holst du das Optimum aus einem Glas Bowmore mit einer Trinktemperatur von ca. 20 °C.

Schenke 3 bis 4 Zentiliter in ein Glas, schwenke ihn und lasse ihn anschließend für rund 2 Minuten ruhen.

Foodpairing: Was passt zu Bowmore?

Möchtest du zu einer Speise Single Malts servieren, als Aperitif oder Digestif, sind Bowmore Malts eine sichere Nummer. Sie zicken nicht herum und deren Bouquet gibt bei den Speisen viel Spielraum.

So macht ihn seine salzige Rauch-Note zum perfekten Kollegen von Kliesche oder Krabben. Aber auch wenn du ihn mit Rindfleisch oder Ente servierst, macht er eine gute Figur.

Um die Vielseitigkeit dieser Single Malts zu entdecken: Probiere einen Bowmore mal mit dunkler Schokolade oder gesalzenem Popcorn.

Vorschläge

Gemüse/Käse

Tomate, Gruyère, Emmentaler, Kartoffeln, Bohnen

Kräuter/Gewürze

Kaffee, Honig, Sesam, schwarzer Tee, Mandeln, Zimt

Fleisch/Fisch

Ente, Rind, Krabbe, Hummer, Garnelen, Kliesche

Früchte

Guave, Feige, Aprikose, Pflaume, Erdbeere

Hast du diese Malts von Bowmore schon probiert?

Manch eine Malt Whisky-Brennerei muss nur ankündigen, einen neuen Tropfen auf den Markt zu bringen, schon schmeisst ihr eine Heerschar an Fans das Geld entgegen.

Ob das nun klug oder sogar für die Qualität eines Whiskys spricht, sei mal dahingestellt.

Bowmore hat diesen Luxus aus meiner Sicht aber nicht. Sie muss Überzeugungsarbeit für ihre Destillate leisten. Auch wenn sie das größte Kernportfolio aller Destillerien auf Islay vorweisen kann.

Letzten Endes ist dies – werfe ich einen Blick auf deren günstigere Malts – zu einem gewissen Grad Selbstverschulden.

Für Stigmatisierung ist dies allerdings kein Grund. Nicht so lange Bowmore noch derart gute Single Malts produziert – wenn in erster Linie auch nur im mittleren und oberen Preisbereich.

Bowmore 18 Jahre

Bowmore 18 jähre

Fasstyp: Ex-Oloroso Sherry-Fässern

Alkohol: 43 %Vol.

Jetzt den Bowmore 18 Jahre bei Amazon bestellen und selbst probieren

Bowmore 25 Jahre

Fasstyp: k.A.

Alkohol: 43 %Vol.

Jetzt den Bowmore 25 Jahre bei Amazon bestellen und selbst probieren

Bowmore Mizunara Cask Finish

Fasstyp: Nachreifung in Mizunara Fässern aus Mongolischer Eiche

Alkohol: 53,9 %Vol.

Bowmore Vintner’s Trilogy

Fasstyp: Bowmore 18 Jahre: 13 Jahre in Ex-Bourbon-Fässern sowie 5 Jahre in Manzanilla-Sherry-Fässern; Bowmore 26 Jahre: 13 Jahre in Ex-Bourbon-Fässern, danach 13 Jahre in Barriquefässern; Bowmore 27 Jahre: 13 Ex-Bourbon- und 14 Jahre Ex-Portwein-Fässer.

Alkohol: 18 Jahre: 52,5 %Vol.; 26 Jahre: 48,7 %Vol.; 27 Jahre: 48,3 %Vol.


UPDATE: Diesen Artikel haben wir am 07.05.2020 aktualisiert.

Bildquelle: Titelbild: Megan Frost Photography – Shutterstock, Eingang-Bowmore: Martin M303 – Shutterstock; Brennblasen und Fässer: Robert Colonna; Bowmore Distillery Malz: Beam Suntory