Laphroaig 16 Jahre

Stehe ich vor einem Whisky-Regal, ist dies wie ein kleines Kind vor dem Spielzeug-Regal. Die Auswahl ist überwältigend. Aber ich weiß: eines davon möchte ich haben.

Diese Faszination hege ich für viele Single Malts. Zahlreiche Marken bringen zahlreiche gute Tropfen auf den Markt. Aber ich muss zugeben, wenige davon üben eine solche Anziehungskraft auf mich aus wie die Malts von Laphroaig.

So ist es auch immer eine Gratwanderung für mich, wenn diese Destillerie einen neuen Malt rausbringt. Es fühlt sich an wie etwas zwischen „Perfekt, den hole ich mir“ und „Bitte versaut es nicht.“

Wobei ich sagen muss, dass es für den zweiten Punkt bis heute keinen Grund gibt. Bis dato habe ich keinen Single Malt von Laphroaig probiert, den ich nicht empfehlen könnte. Manche waren Meilensteine, manche guter Durchschnitt.

Und da ist noch ein Punkt, der dich als Whisky-Fan interessieren dürfte: Im unteren Preis-Segment können nur wenige Marken Laphroaig in Sachen Preis-Leistungs-Verhältnis das Wasser reichen.

In dieses Segment schafft es der neue nicht. Mit rund 100 Euro gehört der Laphroaig 16 Jahre seit 2019 zum gehobenen Segment der Destillerie. Ein Single Malt, der nun aber zum Kernportfolio zählt.

Was dich erwartet, wenn du die Scheine für den Laphroaig 16 Jahre auf den Tisch legst, möchte ich dir in diesem Artikel zeigen. Hierdurch sollst du herausfinden, ob er sich für dich lohnt oder ob die Destillerie vielleicht eine bessere Alternative als den Laphroaig 16 Jahre für dich anbietet.

Bevor wir mit dem Laphroaig 16 Jahre beginnen..

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So entsteht der Laphroaig 16 Jahre

Einen Whisky zu verkosten, hier und da ein Aroma zu entdecken, macht Spaß. Dies bringt tolle Abende, Gespräche und Momente.

Es gibt aber noch eine andere Möglichkeit an die Verkostung eines Whiskys heranzugehen – eine intensivere. Und zwar die des Kontexts.

Das heißt, du begibst dich – wie im Falle des Laphroaig 16 Jahre – nicht nur auf die Suche nach Aromen, du setzt sie stattdessen in einen Rahmen.

  • Wie erhält er seine medizinische Note im Rauch?
  • Warum schmecken junge Laphroaig Malts rauchiger als ältere?
  • Woher stammen die nicht-rauchigen Aromen?

Verstehst du wie ein Single Malt zu seinen individuellen Aromen gelangt, riecht und schmeckt er für dich intensiver.

Ich habe beides über Jahre ausprobiert. Zuerst zahlreiche Single Malts getrunken, ohne einen blassen Dunst, woher die grazilen Aromen stammen; dann zahlreiche Single Malts getrunken und davor herausgefunden, warum er schmeckt, wie er schmeckt.

Letztlich ist dies ja auch eine Frage, wie viel Whisky du für dein Geld bekommst.

Um möglichst viel hiervon zu bekommen, möchte ich dir zeigen, wie der Laphroaig 16 Jahre zu seinen Aromen gelangt.

Laphroaig Whisky

Wie du in der Grafik erkennst, hat ein Laphroaig bereits in dem Moment, da er aus den Brennblasen fließt, einen kräftigen Körper. Er ist schwer und kraftvoll.

Hinzukommen 4 Aromen, die den Stil dieses Whiskys prägen. Sie geben ihm Wiedererkennungswert:

  • Rauch
  • Medizin
  • Enzian
  • Malz

Dass ein Laphroaig diese Aromen besitzt, hat mehrere Gründe.

Zum einen ist da der Torf. Vergleichst du einen Lagavulin, Ardbeg oder Bowmore mit einem Laphroaig, fällt dir die medizinische Note in letzterem auf. Sie ist markant.

Dies erreicht die Destillerie unter anderem dadurch, dass sie einen Teil ihres rauchigen Malzes selbst produziert – auch für den Laphroaig 16 Jahre:

Hinzukommt die Tatsache, dass Laphroaig bei ihrem eigenen Malz erst die Rauchschwaden darüber ziehen lässt und dieses danach mit heißer Luft trocknet. Standard wäre die andere Reihenfolge.

Auf diese Weise erreicht Laphroaig ein individuelles Rauch-Aroma mit einer medizinischen Note.

Wenn du nun noch bedenkst, dass die Destillerie für ihre Malts wie den Laphroaig 16 Jahre unvorstellbar viel Vorlauf abzieht, erklärt das einiges an diesem Haus-Stil.

Einfach ausgedrückt, kannst du die Destillation in 3 Schritte einteilen: den Vorlauf, Mittellauf, Nachlauf.

Das gute Zeug befindet sich in der Mitte. Allerdings – und das ist ein Vorteil von Pot Stills – arbeiten diese kupfernen Brennblasen recht unpräzise. Die Frage, wann etwas noch Vorlauf oder bereits Mittellauf, Mittellauf oder bereits Nachlauf ist entscheidet der Master Distiller.

Und bei Laphroaig hat man sich entscheiden, einen großen Bogen um den Vorlauf zu machen. Man möchte die dortigen Moleküle nicht im Whisky und wartet 45 Minuten ab. Eine Dreiviertel Stunde! Das ist Rekord in der Malt Whisky-Industrie Schottlands. Keine andere Destillerie schneidet den Vorlauf so großzügig heraus.

Die Folge: einen kräftigen, schweren Haus-Stil.

Beim Laphroaig 16 Jahre – und das ist das spannende an diesem Tropfen – wird das ein bißchen ad absurdum geführt. Denn dieser Single Malt wirkt nicht schwer und trotzig. Für einen Laphroaig ist er filigran und zurückhaltend.

Da nach der Destillation nur noch ein Schritt folgt, kann der Stil des Laphroaig 16 Jahre daher nur eine Folge der Fassreifung sein.

So reifte er ausschließlich in First Fill Ex-Bourbon-Fässern. Eigentlich Standard bei Laphroaig. Allerdings machen die Fässer in diesem Fall etwas Besonderes mit dem Whisky.

Was genau, möchte ich dir im Folgenden zeigen.

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Das erwartet dich in einem Glas Laphroaig 16 Jahre

Betrachtest du diesen Whisky im Glas, zeigt er dir eine gelbgoldene Farbe. Recht hell für einen Malt, der mindestens 16 Jahre in First Fill Bourbon-Fässern reifte. Allerdings darfst du an dieser Stelle nicht den Fehler machen und ihn mit jüngeren Malts des Laphroaig-Portfolios vergleichen.

So besitzt der Laphroaig 10 Jahre eine deutlich intensivere Farbe als dieser hier, allerdings wird der 10-jährige auch mit Farbstoff aufgehübscht.

Ok, gehen wir weg von Äußerlichkeiten. Schauen wir uns an, was er dir in Nase und Mund bieten kann.

Du kannst den Laphroaig 16 Jahre auf 2 verschiedene Arten verkosten. 2 Möglichkeiten, die dir 2 gänzlich andere Bouquets liefern.

Egal für welche Variante du dich aber entscheidest: Benutze ein Glas mit geringem Volumen.

Ich habe für das Tasting ein Glencairn-Glas verwendet und kann dir dies für diesen Malt nur empfehlen. Alternativ kannst du natürlich auch Gläser mit gleichem Volumen verwenden. Allerdings muss du dir bewusst machen: Je mehr Volumen dein Glas besitzt, desto schwächer wird der Laphroaig 16 Jahre. Je mehr du ihn in Kontakt mit Luft bringt, desto schwieriger wird es, Aromen zu entdecken.

Warum, erfährst du jetzt.

Variante #1: Der grazile, komplexe Malt

Je länger du den Laphroaig 16 Jahre atmen lässt, desto mehr Komplexität erhält er. Gibst du ihm 4 bis 5 Minuten Ruhe, nachdem du ihn eingeschenkt hast, tritt das Rauch-Aroma etwas in den Hintergrund. Dadurch treten fruchtigen und würzige Aromen hervor.

Schwarze Johannisbeere und gegerbtes Leder, Honigmelone und geröstetes Ciabatta. Allerdings darfst du dir nicht vorstellen, dass dir diese Aromen mit Anlauf ins Gesicht springen. Vielmehr sind dies feine Noten, die du suchen musst.

Schneller erkennst du hingegen die Spritzigkeit und Frische, die diese Variante bringt. Du bekommst den Eindruck, als fülle sich deine Nase mit Kohlensäure.

Dieses Bouquet zusammen mit seiner Frische, machen den Laphroaig 16 Jahre zu einem genialen Sommer-Whisky.

Variante #2: Die inyourface-Geschichte

Es gibt auch eine andere Möglichkeit den Laphroaig 16 Jahre zu verkosten. Die, bei der du ohne Umschweife mit der Verkostung beginnst. Schenke ihn ein und lege los.

Gib ihm keine Ruhepause, lass ihm nicht die Möglichkeit mit der Luft zu interagieren.

In diesem Fall bekommst du einen anderen Single Malt. Kräftiger, voluminöser.  Bei dieser Variante strömen 3 Aromen in deine Nase: Rauch, Mango und Vanille. Kein Platz für andere Nuancen, aber dafür mit viel Kraft und Intensität.

Im Mund kommt dann jedoch eine gewisse Schärfe hinzu. Entweder du gibst daher ein paar Tropfen Wasser hinzu oder atmest hin und wieder etwas Luft durch Nase und Mund ein. 

Hast du dies einmal unter Kontrolle gebracht, liefert dir der Laphroaig 16 Jahre nur ein paar Aromen. Diese kommen aber derart intensiv, dass ich bei der Verkostung nur noch den Kopf schütteln konnte.

Ein Laphroaig bei dem das Aroma von Vollmilchschokolade und Vanille derart intensiv ist wie das Rauch-Aroma? Hatte ich noch nie! Beim Laphroaig 16 Jahre ist dies allerdings der Fall.

Schokolade Laphroaig
Abb.: „Schokolade“ ist ein charakteristisches Aroma im Laphroaig 16 Jahre

Das Rauch-Aroma macht hier Platz für Noten, die aus dem Holz des Fasses stammen. Eine Eigenschaft, die ich so eigentlich nur von Laphroaig Single Malts mit hohem Alter, 25 Jahre und aufwärts, kenne. Diese Eigenschaft bei einem Laphroaig mit mindestens 16-jähriger Fassreifung ist neu für mich.

Hinzukommt ein leichter Körper, der hervorragend zu den genannten Aromen passt.

Verlässt der Laphroaig 16 Jahre schließlich deinen Gaumen, liefert er ab, was diese Destillerie auszeichnet: intensive Rauch-Aromen. Zwar ergänzt er hie und da noch Pfeffer- und Vanille-Noten, übrig bleibt aber vor allem dicker, schwerer Rauch.

Urteil zum Laphroaig 16 Jahre

Ich zog den Korken aus der Flasche des Laphroaig 16 Jahre und war mir sicher: da kommt jetzt gleich eine Mischung zwischen Laphroaig 15 und 18 raus.

Beide Malts kenne ich, beide Malts mag ich. Deren Bouquet ist kräftig und das Rauch-Aroma lässt anderen Nuancen nur bißchen Spiel. 2 klassische Laphroaig Whiskys.

Der Laphroaig 16 Jahre ist aber anders.

Auch wenn sein Alter anderes vermuten lässt, aromatisch passt er nicht zwischen den 15- und 18-jährigen. Bist du schon länger Laphroaig-Fan und erwartest dies: da muss ich dich enttäuschen.

Dieser hier fährt eine komplett neue Schiene. Graziler, verspielter und mit neuen Aromen.

Ich hatte bei der Verkostung das Gefühl, dass der Laphroaig 16 Jahre hinsichtlich Aromen mehr den alten Laphroaigs mit einem Alter von 25 Jahre aufwärts ähnelt. Denn je älter die Malts dieser Destillerie werden, desto mehr rückt der Rauch in den Hintergrund. Hervortreten dann Aromen des Holzes. Das kann alles mögliche sein: von Früchten wie Himbeeren und Mango, bis hin zu Tabak und Schokolade.

Möchtest du daher einen Laphroaig trinken, der nicht in dem typischen Ruf dieser Destillerie entspricht, dann solltest du dir eine Flasche des 16-jährigen holen. Sei aber auf die alkoholische Schärfe gefasst!

Möchtest du hingegen einen Klassiker; einen Single Malt, der dir die Rauchschwaden nur so um die Ohren haut, dann solltest du dich im jüngeren Bereich des Laphroaig Portfolios bedienen. Dort bekommst du nicht nur mehr Rauch, sondern musst auch weniger Scheine auf den Tisch legen.

Denn der Preis des Laphroaig 16 Jahre von knapp 100 Euro ist nicht gerade ein Pappenstiel.

Positiv:

  • Verschiedene Möglichkeiten der Verkostung
  • Spannende Aromen untypisch für Laphroaig
  • Gute Balance zwischen Rauch- und Gewürz-Aromen

Negativ:

  • Alkoholische Schärfe teils zu dominant
  • Hoher Preis

Foodpairing mit dem Laphroaig 16 Jahre

Seebarsch
Abb.: Der Laphroaig 16 Jahre funktioniert hervorragend als Begleitung oder Digestif zu Fisch-Speisen.

Wenn du für eine Flasche Laphroaig 16 Jahre schon so tief in Tasche greifen musst, dann bietet es sich an, auch das Maximum aus dieser herauszuholen – das geschmackliche Potential voll auszuschöpfen.

Das kann auf der einen Seite im Purgenuss geschehen oder in Kombination mit der ein oder anderen Zutat. Damit meine ich jetzt nicht, aus dem Laphroaig 16 Jahre einen Cocktail zu kreieren, sondern ihn mit Speisen zu kombinieren. Käse, Schokolade etc.

Dadurch bekommen Bouquet und Geschmack dieses Whiskys eine gänzlich neue Dimension.

Was ich meine, erkennst du, wenn du ihn mit einer oder mehreren der folgenden Zutaten begleitest:

  • Gemüse/Käse/Backwaren: Baguette, Lebkuchen, Ciabatta, Roggenbrot, Gruyère
  • Kräuter/Gewürze: Schokolade, Kakaobohnen
  • Fleisch: Rindfleisch, französischer Pfefferschinken, geräucherter Lachs, Zander, Seebarsch
  • Früchte: Mango, Honigmelone, Schwarze Johannisbeere