Benromach Whisky wird unterschätzt, wird nicht derart gewürdigt, wie sie es verdient hätten.

Ich nehme mich da nicht raus. Ich hatte in den vergangenen Monaten private Verkostungen und auch welche für EYE FOR SPIRITS. Ein Benromach war jedoch nicht dabei.

Bis vor ein paar Wochen. Bis der deutsche Importeur Schlumberger den neuen Benromach 15 Jahre vorstellte.

Und das Ding war ein Schlag ins Gesicht.

Diese Wucht an Aromen, diese Komplexität hatte ich schon lange nicht mehr im Glas.

Allerdings ist die Qualität des Whiskys auch nicht gerade das, was so mancher Whisky-Fan derzeit am neuen Benromach 15 Jahre bemängelt.

In diesem Artikel möchte ich dich daher auf den aktuellen Stand über die Whiskys von Benromach bringen. Noch viel wichtiger aber: Ich zeige dir, was dich in einem Glas Benromach 15 Jahre erwartet. Und das ist eine Menge.

Benromach 15 Jahre: Whisky im Stile der 1960er

Benromach ist eine Whisky-Marke, die einen Schritt vor und zwei zurückgeht. Keine schlechte Eigenschaft bei Malt Whisky. Denn wenn du bedenkst, welche Preise für alte Whiskys heute gezahlt werden, ist eines offensichtlich: die Nachfrage ist immens.

Natürlich liegt dies an verschiedenen Gründen. Reputation der Marke, Seltenheit einzelner Abfüllungen etc. Eine der Ursachen dafür, dass wir uns die Finger nach alten Whiskys lecken, ist aber auch deren Qualität.

Und genau diesen Spagat versucht Benromach mit Single Malts wie den Benromach 15 Jahre. Man möchte dem Whisky-Trinker im hier und jetzt den Whisky-Stil der 1950er bieten.

Das wichtigste Puzzle-Teil dabei: moderat getorftes Malz.

Benromach Whisky-Stil

12 ppm an „Rauch-Molekülen“ verwendet Benromach bei deren Malz. Das ist nicht gerade eine Hausnummer. Ehrlich gesagt, befinden sie sich im schottischen Vergleich damit weit unten IN der Skala rauchiger Whiskys.

Vergleiche dies nur mal mit den Islay-Destillerien Bowmore und deren 20 bis 25 ppm, Caol Ila 30 bis 35 oder Laphroaig mit 40 bis 45 ppm. Dort drückt das Rauch-Aroma kraftvoll aus dem Glas und direkt in deine Nase.

Aber genau das möchte Benromach nicht.

Man möchte kein Abklatsch der Islay-Kollegen sein. Man möchte seinen eigenen Stil, seinen 1950er Stil.

Durch die Verwendung von Malz mit mittlerem Torgehalt, gelingt Benromach etwas geniales: Sie machen das Rauch-Aroma zu einem Bestandteil ihres Whisky-Bouquets. Nicht zu dem Aroma, sondern zu einem Aroma. Stelle es dir vor, als wäre das Bouquet von Benromach ein Blumenstrauß. Darin findest du zahlreiche Blüten und rund ein Viertel davon sind jene „Rauch-Blumen“.

Nicht mehr.

Auch nicht beim Benromach 15 Jahre.

Und das ist genial. Denn dadurch schaffen sie ein verspieltes und raffiniertes Bouquet, das dich über Minuten neue Aromen entdecken lässt.

Tipp: Der ppm-Gehalt ist ein schlechter Indikator, um die „Rauchigkeit“ des Whiskys zu beschreiben. Die Anzahl an Rauchmolekülen unterliegt starken Schwankungen während der weiteren Verarbeitung des Malzes zu Whisky. So nimmt der ppm-Gehalt während Fermentation, Destillation und Fassreifung stetig ab.

Hast du einen Benromach niedrigen Alters in deinem Glas, sticht dort der Brennerei-Charakter durch. Da bei diesem der Einfluss des Holzfasses noch nicht so fulminant ist, bekommst du hier paar Aromen, die ganz typisch sind für Malts von Benromach.

Neben dem Rauch sind dies Noten von Bananen, Waldpilzen und Malz. Das spannende ist aber sein Körper. Dieser ist kraftvoll; du hast das Gefühl, der Whisky drückt mit ordentlich Gewicht auf deine Zunge.

Zwar können diese Eigenschaften vielen Jahren der Fassreifung standhalten. Du erkennst sie noch, nachdem der Benromach lange im Fass reifte.

Bei einer Reifungszeit von 15 Jahren – und das zeigte der neue Benromach 15 Jahre – bekommst du einen Malt, bei dem Fass und Haus-Stil genial nebeneinander stehen. Die genannten Aromen auf Augenhöhe mit Fass-Noten wie Vanille und Karamell sind eine Wucht.

Diese Balance trotz eines hohen Alters von 15 Jahren erreicht Benromach vor allem durch ihre Fermentation. Bei diesem Schritt geben sie ihren Hefen zwischen 67 und 115 Stunden Zeit. Eine ordentliche Spannweite, wenn man bedenkt, dass das Industrie-Minimum bei 48 Stunden liegt.

Es scheint als mache Benromach bei ihren Single Malts alles richtig. Der 60er Jahre-Stil, die abgefahrene Fermentation, der moderate Rauch-Gehalt.

Zwar sind sie mit ihren 700.000 Litern jährlicher Produktionskapazität ein kleines Licht der Malt Whisky-Industrie Schottlands (Zum Vergleich: Branchen-Primus Glenfiddich kommt auf 14 Millionen pro Jahr). Aber die Zeichen stehen bei Benromach auf Wachstum. Allein im Jahr 2016 wuchs deren Produktion um 40 Prozent.

Whisky-Lagerhaus von Benromach, Speyside
Abb.: Blick ins Lagerhaus der Benromach Distillery, Speyside

Allerdings macht der New Make und dessen Aromen keinen ganzen Whisky. Per definitionem eigentlich überhaupt keinen. Zwar sind die Eigenschaften dieses Feinbrands Voraussetzung für einen guten Whisky, das Kerngeschäft läuft aber im Fass ab.

Hier setzt die Destillerie zur Kreation des Benromach 15 Jahre auf eine Kombination aus 80 Prozent First-Fill-Ex-Bourbon- und 20 Prozent First-Fill-Ex-Sherry-Fässern. Den Einfluss von beiden erkennst du…und zwar richtig.

Wobei man auch sagen muss, dass die Qualität nie das war, was am neuen Benromach 15 Jahre bemängelt wurde. Er er im Frühsommer 2020 erschien mokierten sich einige der Szene eher über sein Äußeres.

Denn wie auch der 10-jährige als auch eine Vintage-Version erschien der Benromach 15 Jahre im neuen Design. Umverpackung, Glas- und Label-Design alles neu. Aber nicht jedem schien die Änderung zu gefallen.

Diese Kritik hörte man auch bei Benromach und Schlumberger und nimmt sie selbstbewusst entgegen.

Das erwartet dich in einem Glas Benromach 15 Jahre

Schickst du den Benromach 15 Jahre in Glas, liegt er dort erstmal mit einer ansehnlichen Bronze-Farbe. Aber glaube mir, du wirst dem nicht viel Aufmerksamkeit schenken.

Denn die Aromen dieses Tropfens drücken derart schnell und kraftvoll aus dem Glas, dass du dich diesen widmest.

So fällt als erstes das Gegenspiel von Rauch- und Sherry-Aromen auf. Diese beiden Eindrücke sind so auffällig, dass du das Gefühl bekommst, du sitzt mit einem Glas Weißwein am Lagerfeuer. Spritzige Trauben-Aromen zusammen mit trockenem Rauch.

Interessant ist, dass sich diese Front an Aromen nach einer Weil wandelt. Trauben gehen über in Kirschen, Rauch geht über in Karamell.

Das war der Moment, in dem ich kurz das Glas von der Nase nahm und dachte: „Krass. Das Ding ist nicht nur unbeschreiblich komplex, die Aromen gehen hier auch fließend ineinander über – sie verwandeln sich.“

Nach einer Weile unter der Nase zeigen sich dir noch Schokoladen-Aromen, Himbeeren und Weihrauch.

All dies entdeckst du, ohne dass du den Benromach 15 Jahre hast atmen lassen. Er braucht kaum Luftkontakt, um dir seine Wucht an Aromen entgegen zu werfen. Wichtig ist jedoch, dass du ein Glas mit geringem Volumen verwendest. Z.B. ein Glencairn-Glas.

Grundsätzlich kannst du natürlich jede Art von Nosing-Glas verwenden. Allerdings ist der Alkohol beim Benromach 15 Jahre derart gut eingebunden, dass du hier mit dem Glas nichts „korrigieren“ musst. Es lohnt sich daher ein Glas zu nehmen, dass durch sein geringes Volumen alles zu deiner Nase schickt, was der Whisky zu bieten hat.

Nimmst du zwei bis drei Schlücke dieses Single Malts werden dir 3 Dinge auffallen:

  • Er legt sich weich und schwer auf die Zunge
  • Der Alkohol ist fast nicht zu erkennen
  • Er süß wie Honig

Diese Eindrücke erkennst du allein mit deinen Sinnen im Mund. Allerdings hat er hier auch noch ein paar Aromen zu bieten, für die du jedoch deine Nase benötigst.

Öffne hierfür deinen Mund, sauge etwas Luft hinein und atme durch die Nase wieder aus. Hierdurch erhältst du exakt die Aromen aus der Nase – bis auf den Rauch:

  • spritziger Weißwein
  • saftige Kirschen
  • Weihrauch

Den Rauch, der im Mund kurz eine Pause machte, erscheint aber schließlich wieder am Gaumen. Ist der Whisky verschwunden, bleibt eine dezente Melange aus trockenem Rauch, frischem Holz und roten Waldbeeren zurück.

Das Urteil zum Benromach 15 Jahre

Dieser Single Malt ist einfach der Knaller. Ich habe versucht, Kritikpunkte zu finden, habe aber keine gefunden.

  • Der Alkohol ist perfekt eingebunden
  • Die Aromen sind komplex und deutlich
  • Das Zusammenspiel zwischen Nase, Mund und Nachklang ist genial

Spannend fand ich dabei, dass er – im Gegensatz zu einigen anderen Malts – keine Zeit zum Atmen braucht. In dem Moment, in dem du ihn ins Glas gießt, treten Kirschen, Weißwein und Rauch den Weg nach draußen an.

Das macht ihn sowohl für Einsteiger zu einem interessanten Whiskey, als auch für Whisky-Fans, die nach einem Spektakel suchen. Erstere bekommen ohne große Vorkenntnisse etwas geboten, die anderen können sich über Minuten auf Aromensuche begeben.

Wenn das äußere der einzige Kritikpunkte sein soll, dann hat Benromach mit diesem Single Malt alles richtig gemacht.

Tipp: Ein richtiges geniales Erlebnis bekommst du, wenn du einige Stunden später oder am nächsten Tag am leeren Glas des Benromach 15 Jahre riechst. Hierdurch zeigen sich dir ein paar interessante Aromen, die zu schwer waren und sich bis dahin noch nicht verflüchtigen konnten. Ein Zeichen für komplexe und hocharomatische Malts.

Welche Speisen kann man mit ihm kombinieren?

Dadurch, dass beim Benromach 15 Jahre verschiedene Aromen erkennbar sind, macht es dir beim Foodpairing leicht.

Auf der einen Seite stehen die trockenen, würzigen Aromen, auf der anderen die fruchtig-spritzigen.

Zu mindestens einer der beiden Eigenschaften passen zahlreiche Zutaten.

Probiere zum Beispiel eine Hauptspeise, die viele aber leichte Aromen besitzt. Experimentiere mit Süßkartoffeln, Tomaten und Zwiebeln, wahlweise mit etwas Rindfleisch.

Vorschläge

Gemüse/Käse/Gebäck

Süßkartoffel, Tomaten, Zwiebel, Waldpilze

Kräuter/Gewürze

Olivenöl, Schwarzer Tee, Grüner Tee, Honig, Zitronengras, Koriander, Basilikum

Fleisch/Fisch

Rindfleisch, Schinken, Salami, San Daniele Schinken, Parma-Schinken, Räucherlachs

Früchte

Guave, Lychee, Orange, Aprikose, Kirsche, Trauben