islay
Abb.: Leuchtturm bei Lochindaal, Port Charlotte, Islay; Bildquelle: Kevin Standage – Shutterstock

Ein Reisebericht von Eye For Spirits-Autor Nicolas Kröger

Nachdem das Jahr zuvor die Speyside und ihre Destillerien auf unserer Liste standen, nahmen wir uns vor einiger Zeit die traumhafte Insel der rauchigen Whiskys vor: Islay – und alles, was wir auf unserem Weg dorthin finden konnten. Ein Traum für Naturfreunde, Wanderer, Ornithologen und vor allen Dingen:

Freunde der rauchigen Whiskys

Vom Glasgower Flughafen fuhren mein Freund Benedikt und ich direkt nach Oban, wo wir die erste Nacht verbrachten, um am nächsten Morgen die Ortsdestillerie mit gleichem Namen zu besichtigen.  Leider war es uns nicht möglich die Besichtigung durchzuführen, da sich eine Reisegruppe von 50 Mann aus den Staaten angekündigt hatte und wir durch die entstehende Verzögerung unsere Fähre verpasst hätten.

Tipp: Selbst wenn die Brennereien feste Führungszeiten anbieten, empfiehlt es sich, vorher einen Termin zu vereinbaren.

Nachdem wir das Auto mit einem anständigen Biervorrat beladen hatten, kamen wir nachmittags auf Islay an. Ein Traum für Naturfreunde, Wanderer, Ornithologen und vor allen Dingen: Freunde der rauchigen Islay-Whiskys.

Unser erstes Ziel war die Kilchoman Destillerie, welche die letzte Farmdestillerie und eine der kleinsten in ganz Schottland ist.

Abb.: Kilchoman Distillery mit Fässern; Bildquelle: Kilchoman Distillery

Für die letzte Führung waren wir leider schon zu spät, also schauten wir uns auf eigene Faust noch ein bisschen um – was sich zu unserem Vorteil herausstellen sollte, da wir Mitarbeiter trafen, die uns eine kleine Privattour gaben. Nette Unterhaltungen wurden mit dem Destillateur und dem Warehouseholder geführt, während wir den jungen Islay-Whisky probierten, der noch frisch aus der Pot Still floss.

Gin & Whiskey: Von Kilchoman bis Bruichladdich

Wie jede neue Brennerei bleibt auch Kilchoman nicht von den hohen Kosten – ohne Einnahmen – der ersten Jahre verschont, was den jungen Whisky in einer Preis/Leistungs-Blindverkostung schlecht abschneiden lässt. Aber darum geht es ja auch schließlich bei dessen Kauf nicht.

Am darauf folgenden Tag stand als erstes Bruichladdich auf der Liste.

Die sich vor einigen Jahren noch im Privatbesitz befindende Islay-Destillerie (heute Teil von Rémy Cointreau) schloss 1994 ihre Tore und wurde 2001 wieder eröffnet. Jedes Jahr werden dort rund 850.000 l Single Malt produziert, die auch alle in eigene Abfüllungen fließen. Kein Tropfen geht in den Verkauf für Blended Whiskys.

Bruichladdich Distillery
Abb.: Bruichladdich Distillery; Bildquelle: Martin M303 – Shutterstock

Am Anfang der Tour probierten wir zuerst den “Wash” – also das ungehopfte Bier, welches anschließend zu Whisky destilliert wird – in zwei verschiedenen Stadien: Der eine nach einer Stunde Gärung (sehr leicht und süß) und nach 24 Stunden (ein warmes, sehr hefelastiges, ungehopftes Bier).

Allerdings wird nicht nur Whisky produziert. Der im Hause produzierte Islay Dry Gin – the Botanist – stand auch zur Verkostung bereit.

Aber auch die extremen Islay-Whiskyfanatiker kommen hier nicht zu kurz. Denen wird angeboten gleich ein ganzes Fass jungen Whiskys zu kaufen. Die 1300 Pfund enthalten eine Garantie und Lagerzeit von 10 Jahren.

Das Tasting wurde vom Master Destiller, Jim McEwan, höchst persönlich geleitet. Probiert wurden unter anderem the Black Art 89, Edition 03.1.

Jim ist die einzige Person, die weiß, welches Fass er dafür abgefüllt hat. Ich tippe auf ein First Fill Bordeaux Cask.

Außerdem probierten wir unter anderem ein Oloroso Cask von ‘92, welches er speziell für das Spiel Madrid vs. Barcelona anstach, wo die Besucher des Hauses anschließend ihre eigene Flasche abfüllen und etikettieren konnten.

Insgesamt hat uns die Tour + Tasting 5 Pfund gekostet. Bestes Preis-/Leistungsverhältnis, das wir je hatten. Wunderbare Tour, traumhafte Destillerie, aber vor allen Dingen sind es die Mitarbeiter, die dieses Haus so hervorheben.

Die Leidenschaft ihrer Arbeit macht sich in den Whiskys bemerkbar, die zwar jung, aber fantastisch sind! Hier wird viel experimentiert und ein bisschen anders gemacht. Sehr zu empfehlen!

…und weiter geht die Islay-Tour

Caol Ila
Abb.: Pot Stills bei Caol Ila; Bildquelle: 13threephotography – Shutterstock

Caol Ila war als nächste Islay-Destillerie an der Reihe. Wir buchten die “Tasting Tour” (full range für 15 Pfund).

Ich zählte Caol Ila schon immer zu einer meiner Lieblings-Whisky-Häuser. Nach der Tour bleibt mir aber nichts anderes übrig, als zu sagen, dass dies nicht mehr der Fall ist.

Und das hat nicht einmal etwas damit zu tun, dass sie der Hauptlieferant für getorfte Whiskys für DIAGEO und deren Blended Whiskys sind. Auch nicht damit, dass sie nur 5 Prozent ihrer 6,5 Millionen Liter (Caol Ila ist Islays größte Destillerie) wirklich für Single Malts nutzen.  

Ich realisierte, dass ich mich noch nie wirklich ausführlich mit den Standardprodukten des Hauses auseinander gesetzt hatte. Die Caol Ila Whiskys, die ich vorher probierte, kamen immer von unabhängigen Abfüllern wie unter anderem der Scotch Malt Whisky Society. Die waren wirklich etwas Besonderes.

Mit hohen Erwartungen ging es also in die Verkostung.

Das Personal hatte aus meiner Sicht keine Ahnung, wovon es redete. Weder vom Haus noch vom Whisky. Bei der Dame, die unser Tasting leitete, fragte ich mich sogar, ob sie schon mal je selbst einen der Whiskys probiert hatte. Es wirkte wie eine emotionslose Veranstaltung des Massentourismus.

Insgesamt waren die Whiskys zwar gut gemacht, allerdings nichts herausragendes – und überteuert. Der 18-jährige war enttäuschend.

In einer Blindverkostung hätte ich ihn auf 10 Jahre geschätzt. Ganz zu schweigen von dem Caol Ila Moch, welcher der schlechteste Whisky unserer Reise war. Hat geschmeckt wie ein frisch destillierter Whisky, der mit Holzchips aromatisiert wurde – den 12-jährigen würde ich gerne davon ausschließen. Nach wie vor ein wunderbares Produkt zu einem tollen Preis.

Die Tour – insbesondere die Tasting Tour – ist nicht zu empfehlen. Leider.

Bowmore Distillery
Abb.: Blick auf die Bowmore Distillery; Bildquelle: Beam Suntory

Um 15.00 Uhr haben wir unsere Tour bei Bowmore gebucht. Es ist eine der letzten 6 Destillerien in ganz Schottland, die noch einen Teil ihres Malzes selber mälzen (40 Prozent) und beinahe die komplette Produktion des Whiskys fließt in ihre eigenen Malts. Zum ersten Mal konnten wie hier den Mälzprozess mitverfolgen.

Die Tour an sich war für Touristen aufgebaut und die Leidenschaft hat ein bisschen gefehlt, insgesamt aber ganz gut gemacht. Gut gemachte, medium getorfte Whiskys, allerdings für meinen Geschmack nichts Besonderes mit einem kurzen Abgang.

Laphroaig – Wie bestellt und nicht abgeholt

Mit großer Vorfreude standen wir pünktlich um 10.00 Uhr morgens des darauf folgenden Tages bei Laphroaig auf der Matte.

Allerdings wurden wir auch hier direkt wieder enttäuscht. Wir hatten am Vortag eine besondere Tour gebucht, incl. Torfstechen, Abfüllen des eigenen Whiskys etc. – das volle Programm.

Allerdings erfuhren wir bei unserer Ankunft, dass es nicht möglich sei, die Tour anzutreten, da seit einigen Wochen Equipment fehle – etwas was sie uns auch wirklich schon am Telefon hätten sagen können!

Etwas enttäuscht nahmen wir also an der normalen Tour für 3 Pfund teil.

70 Prozent der Produktion nutzt Laphroaig für deren eigenen Whisky und 15 Prozent der Gerste mälzen sie auch noch selbst.

David war unser Guide. Ein sehr sympathischer Herr, mit seinem Herzen in Laphroaig. Seit 32 Jahren arbeitet er für das Haus, ehemals als Warehouseholder und nun aufgrund seines höheren Alters als Tourguide. Die Leidenschaft, die er an den Tag brachte, war unglaublich!

Seine Gespräche über alte Zeiten und wie damals alles besser war, waren wundervoll. Wie er die Zeit vermisse, wo es üblich war, dass jeder Mitarbeiter eine halbe Flasche während der Arbeit trank, immer strenger werdende health&safety-Regelungen die Arbeit veränderten und Whiskys wie Laphroaig mehr und mehr zu einem Jedermanns-Drink wurden, um ein größeres Publikum anzusprechen. Stundenlang hätte ich ihm zuhören können! Die Tour ist zu empfehlen in Islays schönster Destillerie.

Lagavulin
Abb.: Blick auf die Lagavulin Distillery; Bildquelle: Martin M303 – Shutterstock

Einen kleinen Fußmarsch entfernt war auch schon unser nächstes Ziel: Lagavulin.

So sehr ich die Produkte von DIAGEO auch schätze und gerne mit ihnen arbeite, bei den Touren ihrer Häuser ist wirklich noch sehr viel Potential nach oben (Cragganmore/Speyside ist da eine Ausnahme).

Die Führung wurde von einer sehr jungen Dame gehalten. Das Englisch der jungen Osteuropäerin war auf einem schlechten Niveau. Hinzu kommt, dass sie den Gästen von vorne bis hinten falsche Informationen (angefangen von der Herstellung bis Lagerung) übermittelte.

Die Qualität des 16-jährigen hat mir schon immer gefallen. Der aktuelle 12-jährige Cask Strength und die Destillerie Edition waren allerdings bei der Tour schwach.

Insgesamt ein sehr enttäuschendes und langweiliges Erlebnis.

Ardbeg und seine versteckten Schätze

Ardbeg
Abb.: Ardbeg Distillery; Bildquelle: Whisky & Art

Auf ging es zur letzten Tour des Tages, zur Nachbarsdestlillerie Ardbeg.

Für 20 Pfund buchten wir die Tour “old Ardbeg, new Ardbeg”. Die Idee dabei ist, den Gästen die Geschichte des Hauses mithilfe von Proben aus der jeweiligen Zeit näher zu bringen. Durch die häufigen Wechsel der Firmenbesitzer passierte dort ja einiges – auch geschmacklich.

Nachdem Hiram Walker 1977 über das Haus wachte, übernahm Allied Lyons 1987 die Führung.  Zu der Zeit genoss Single Malt allerdings noch nicht den Status wie heute. Vor allen Dingen waren stark getorfte Whiskies nicht sehr gefragt.

Lyons passte sich dem Trend an und produzierte einen sehr, sehr leicht getorften Whisky.  1991 schlossen sie Ardbeg aber erneut. Glenmorangie eröffnete sie dann 1997 wieder.

Wir probierten den 17 Jahre alten (1980) Ardbeg, Kildalton 24 Jahre (1981), die ganze Palette von heute und einige Destillateur-Samples.

Ardbeg zählt sowieso zu einem meiner Lieblingshäuser, auch wenn ich die Preise teilweise nicht ganz in Ordnung finde. Allerdings fehlten mir bei dem “old-style” die Worte!

Wie schade, dass sie heute nicht mehr produziert werden. Einige unserer besten Whiskys unserer Tour – und überhaupt, die ich bisher verkosten durfte!

Insgesamt war die Tour die beste Erfahrung unseres Trips, geführt von einem unglaublich leidenschaftlichen Guide, der sehr ins Detail ging. Etwas für Liebhaber und sehr zu empfehlen!

Am Freitag war es dann auch leider schon an der Zeit die Insel meiner Träume zu verlassen. Um 11 Uhr kamen wir wieder in Oban an.

Diesesmal hatten wir auch im Voraus angerufen und konnten an der Tour teilnehmen. Auch hier gehen 100% der Produktion in ihre Malts. Die Tour ist sehr für Anfänger zu empfehlen, da sie gut aufgebaut ist und die Grundlagen abdeckt.

Um 14.00 Uhr trafen wir in Glasgows Destillerie Auchentoshan ein – das einzige Haus, welches ihre Whiskys 3-fach-destilliert.

Unser Führer war ein Polizist, der Whisky so sehr liebt, dass er in seiner Freizeit Touren gibt. Anhand der Art und Weise, wie er über das Lebenselixier sprach, war diese Leidenschaft auch schnell festzustellen.

Zum Abschluss schenkte er uns einen, im Bourbonfass gereiften, 16-jährigen ein. Wenn man bedenkt, dass die sich in der Flasche befindenden 1/3 die letzten dieser Erde sind, war das doch schon etwas Besonderes. Sehr schöne Führung, schöne Whiskys, allerdings ist die Außenansicht der Destillerie im Herzen des Glasgower Industriegebiets nicht gerade eine Augenweide.

Alles Gute hat aber auch irgendwann einmal ein Ende. Als letzte Destillerie der Reise war Glengoyne vorgesehen. Sehr interessant ist, dass hier die Destillerie in den Highlands steht und die Lagerhäuser in den Lowlands. Die Straße, die beides voneinander trennt ist die Grenze der beiden Gebiete und macht Glengoyne somit zur einzigen Destillerie auf zwei verschiedenen Gebieten.

Unser Guide hatte ein bemerkenswertes Wissen über das Haus. Ein wirklich schöner Ort, der allerdings ein wenig seinen Charme verliert, da er eine ziemlich beliebte Touristenattraktion zu sein scheint. Der Whiskyladen war vollgefüllt mit irgendwelchen “Destillerie-Editions” zu absurden Preisen. Wirklich schade um diesen generell wundervollen Whisky!

Am Ende waren wir uns beide einig, dass es eine hervorragende Tour war – sehr unterschiedlich zur Speyside, da es auf Islay viel persönlicher zuging und alles noch entspannter war.

Wir haben uns einfach total in dieses wunderschöne Fleckchen Erde verliebt!