Ein Benriach Single Malt ist kein Whisky, der einem ins Gesicht springt. Das ist keine Marke, die einem beim Einstieg in die Whisky-Welt gleich als erstes begegnet. Das ist auf der einen Seite schade, auf der anderen Seite gut. 

Negativ ist, dass einem dadurch lange Zeit geniale Whiskys verborgen bleiben, positiv, aber für die, die Benriach schon entdeckt haben. Die haben weniger Konkurrenz. In diesem Artikel zeige ich dir, was die Malts von Benriach so besonders macht und warum sich deren neuester Whisky, der Benriach The Original Ten, lohnt zu probieren.

Der Haus-Stil von Benriach

Benriach ist so eine Destillerie, deren Entwicklung man sich heute als Whisky-Fan gar nicht mehr vorstellen kann. Heute leben wir in einer Zeit, in der sicher keine Malt Whisky-Destillerien in Schottland geschlossen werden. Im Gegenteil. Es kommen eher noch neue hinzu.

Da ist es schwer zu glauben, dass Benriach einen Großteil seiner Existenz geschlossen war. Es stand alles an Ort und Stelle und doch gab es keinen Whisky. Und das nicht mal 1 oder 2 Monate. Nein, das waren 65 Jahre (!). Sie wurde dann später auch nochmal kurzzeitig geschlossen, aber 65 ist schon eine echte Hausnummer.

Wenn man nicht gerade Mitarbeiter der John Duff & Co im Jahre 1900 ist, kann man schon irgendwie über die Vita von Benriach schmunzeln. Zumindest über den Teil, der zur Jahrhundertwende geschah.

Denn gerade einmal 2 Jahre nach ihrer Gründung wurde das Unternehmen bereits wieder stillgelegt.

Das ist deswegen so irrwitzig, da Malt Brennereien um die Jahrhundertwende nicht die Hürden zu bewältigen hatten, die Whisky Destillerien heute haben.

Zum Beispiel das Alter. Heute muss Scotch Whisky mindestens 3 Jahre im Fass verbringen, bevor er als Whisky verkauft werden darf.

Dass Whisky eine Mindestdauer im Fass verbringen muss, regelte der Immature Spirits Act. Dieser wurde aber erst 1915 mit 2 Jahren Mindestreifungsdauer erlassen; 1 Jahr später auf 3 angehoben.

Das war 15 Jahre nachdem Benriach dicht machte. Sie produzierten also Whisky und hätten ohne Umschweife damit in den Handel gekonnt.

Fässer von Benriach
Abb.: Fässer von Benriach

Die Destillerie Benriach wurde allerdings in der Blended Whisky-Euphorie des ausgehenden 19. Jahrhunderts gegründet. Deren Erzeugnisse mussten also gewisse Zeit ins Fass, um für Blender interessant zu sein.

Für die war der Markt aber bereits groß genug; auch um die steigende Nachfrage aus dem Ausland zu bedienen. So folgte auf einen Wirtschaftsboom eine Rezession, in deren Folge Dutzende Malt Destillerien schließen mussten.

Gab es 1899 in Schottland noch 161 Grain- und Malt-Destillerien, war diese Zahl bis 1908 auf nur noch 132 geschrumpft. 

Darunter auch Benriach. Also das was Gin in ähnlicher Art und Weise heute durchlebt, hat Scotch schon vor über 100 Jahre erlebt. Natürlich gibt es gewaltige Unterschiede zwischen den beiden Spirituosen und deren Marktentwicklung, aber das auf und ab ist ähnlich. Wobei Benriach damals zu den Verlierern gehört hat.

In den folgenden 65 Jahren interessierte sich niemand für die Destillerie in der Speyside. Bis 1965. Bis The Glenlivet Distillers Ltd. die Führung der Brennerei übernahm. Aber auch die hatten wenig Glück mit Benriach und verkauften sie bereits 13 Jahre später an die nächste Firma. Und die haben sie dann 2002 gleich wieder dicht gemacht.

Gut, wobei man sagen muss, in der schottischen Whisky-Landschaft hast du Probleme eine Destillerie zu finden, die nicht mindestens einmal geschlossen wurde. Manche ereilte dieses Schicksal sogar mehrere Male.

Und bei Benriach?

Ja, da klafft ein riesiges Loch im Lebenslauf. Das musst du dir mal auf der Zunge zergehen lassen. 

Über die Hälfte ihres Daseins produzierte Benriach keinen Whisky.

Und selbst danach bekam keines seiner vielen Dachkonzerne beide Beine mit der Destillerie auf den Boden. Benriach war ein Sorgenkind, das von Adoptiveltern zu Adoptiveltern weitergereicht wurde.

Ruhe kam dann erst 2004, als der ehemalige Geschäftsführer von Burn Stewart, Billy Walker zusammen mit der südafrikanischen Intra International Trading die Destillerieführung übernahm, ging es aufwärts.

Seither produziert Benriach ohne Unterbrechung Single Malts. Und 2016 übernahm dann Brown Forman, also die heutige Eigentümer, die Führung von Benriach.

Zum Glück ist das vorbei. Zum Glück ist dieses ganze Auf und Ab vorbei und Benriach produziert heute wieder am laufenden Band. Sonst würde uns heute eine echte Perle der schottischen Whisky-Industrie fehlen. Denn wie viele Destillerien in der schottischen Speyside gibt es schon, die neben ihrer normalen Whisky-Linie auch einer sehr torfige führen, und manchmal sogar dreifach statt zweifach destillieren. Und zudem noch ihre eigene Mälzerei betreiben.

Eigene Floor Maltings bei Benriach
Abb.: Eigene Floor Maltings bei Benriach

Bei dem einen schwimmen sie aromatisch gegen den Strom ihrer Region, beim anderen pumpen sie Tausende von Euro in einen Herstellungsschritt, den man im industriellen Maßstab viel günstiger haben könnte. 

Schaue dir nur mal deren Torf-Linie an: Für diese verwenden sie Malz mit einem Torfgehalt von rund 35 ppm. Es ist nicht nur eine Besonderheit, dass eine Speyside-Destillerie überhaupt eine torfige Whisky-Linie führt, Benriach schlägt da auch noch gleich voll zu. Denn mit 35 ppm liegen sie ungefähr in dem Bereich in dem so manches Schwergewicht auf Islay arbeitet.

Aber nichtsdestotrotz ist Benriach vor allem bekannt für ihre Whisky-Linie, deren Bouquet ohne Torfrauch auskommt. Und das pushen sie seit der Übernahme durch Brown-Forman wie nie zuvor. Das Interessante dabei ist auch, dass Benriach mit Rachel Barrie eine Frau als Master Blender beschäftigt. In der Malt Whisky-Industrie Schottlands ist das eher eine Seltenheit.

Allerdings macht Rachel Barrie einen richtig guten Job, zumindest die Stationen, die ich bisher so auf dem Schirm hatte. Bei Benriach ist sie daher auch dafür verantwortlich aktuell das gesamte Kernportfolio umzukrempeln. Für eine Destillerie immer ein schwieriger Weg, weil man Fans der Marke dazu zwingt, ihre Lieblinge für neue Malts aufzugeben. So etwas braucht unglaublich viel Fingerspitzengefühl, Kenntnisse über den Markt und einen oder eine gute Master Blenderin.

Benriach The Original Ten
Abb.: Benriach The Original Ten

Einer der ersten Malts, der in diesem Zuge erschien ist der Benriach The Original Ten. Der Malt kam diesen September auf den Markt und ist die Einstiegs-Variante für das neue Portfolio.

Allerdings muss ich sagen, dass man hier für rund 36 Euro einen guten Tropfen für vergleichsweise wenig Geld bekommt.

Bevor wir jetzt aber gleich in den Malt eintauchen, ist es wichtig, zu verstehen, was Benriach hier kreiert hat. Klar, man kann die Banderole aufreissen, das Zeug eingießen und losverkosten. Aber so ein Single Malt wird erst richtig spannend, wenn man weiß, wie die kleinen Aromen entstehen; an welchen Stellschrauben Benriach und Rachel Barrie gedreht haben, um diese zu kreieren.

Schau dir dafür einfach mal nur den ersten Schritt an: die Auswahl der Gerste.

Kaufst du nämlich Benriach Single Malts, basieren diese aller Wahrscheinlichkeit nach auf einem anderen New Make als frühere Abfüllungen. Zumindest wenn deren Alter darauf schließen lässt, dass sie nach 2004 destilliert wurden, 

Denn die Destillerie verwendet für ihren Feinbrand heute fast ausschließlich Gerste der Sorte „Optic“. Diese Sommergerste sorgt neben ihrer Resistenz gegen Schädlingsbefall, für eine hohe Alkoholausbeute und ein charakteristisches Aromen- und Geschmacksprofil.

Hin und wieder verwendet die Destillerie die eigene Mälzerei. Standard ist dies bei Benriach allerdings nicht; denn meines Wissens – ich will jetzt nicht lügen, aber soweit ich weiß, haben sie die eigene Mälzerei 1998 abgebaut, dann 15 Jahre später, also 2013 wieder aufgebaut, allerdings bisher nicht so oft verwendet. Nur ganz selten im Jahr.

Auf der Basis von „Optic“ erzeugt die Hefe während der Fermentation zahlreiche Frucht- und Gewürzaromen. 

Schaust du dir nur mal den New Make von Benriach an, sind das Fenchel, Zitrone, Kekse und Kuchen. Also wirklich eine bunte Mischung verschiedener Aromen. Der Feinbrand, der dann aus Benriachs Brennblasen fließt, ist frisch, sauber und liefert dir wie gesagt ein Potpourri an Aromen.

So beginnt sein Bouquet süß und fruchtig. Es erinnert gelegentlich an Zitronenkuchen. Gleich danach folgen Gemüse-Sorten wie Zucchini oder Fenchel. Also wirklich eine spannende Geschichte.

Nimmst du den ersten Schluck des New Makes wirkt er schwer und ölig. Ein Brand mit kräftigem Körper. Also grundsätzlich…aber warte mal, wie dann der Original Ten aussieht.

Insgesamt produziert Benriach pro Jahr rund 1.8 Millionen Liter New Make. Da sind dann aber auch die getorften und dreifach-destillierten Varianten dabei.

Aber in erster Linie ist das die ungetorfte, zweifach-destillierte Linie. 

Und das interessante an beim Whisky-Stil von Benriach: Je älter die Malts werden, desto mehr nimmt die Viskosität ab. Das heißt, wir haben ja gerade vorhin gesagt, dass sie schwer und ölig auf der Zunge liegen, sobald sie aus den Brennblasen kommen….mit jedem Jahr im Fass wird das jedoch weniger. 

Das ist so ein allgemeiner Trend bei Benriach, und der Original Ten ist hier das absolute Paradebeispiel dafür….also wirklich ein Prototyp eines Benriach Single Malts.

Was man bei Benriach auch noch wissen muss, ist, dass sie mit einem großen Schnitt arbeiten. Das heißt, das Destillat enthält einen großzügigen Teil vom Vor- und Nachlauf. 

Wenn du den Original Ten daher verkostest, solltest du auf 3 Punkte achten, wenn du das Maximum an Aromen aus ihm herausholen willst:

  • lieber etwas kühler trinken: 16 bis 18 °C ist perfekt. Je wärmer er wird, da zeigt er nicht mehr Aromen, wird aber schärfer.
  • Dann: lange stehen lassen. Der Malt braucht locker 2 bis 3 Minuten, bevor du ihn anfassen solltest.
  • Und das Glas: Am besten eignet sich ein Glas, das klein und kompakt ist, bei dem der Whisky also nicht zu viel Kontakt zur Luft bekommt. Ein Glencairn-Glas ist von Form und Volumen da perfekt.

Ist der Benriach The Original Ten was für dich?

Lass uns einen Blick in den Benriach The Original Ten werfen.

Hast du ihn im Glas, zeigt er eine gelbgolde Farbe, die etwas an Bernstein erinnert.

Lass ihn ein paar Minuten ruhen und er wird richtig komplex .Honig, Birne und Apfel, dann frische Orange und Vanille. Seine Fruchtnote ist derart deutlich, dass du das Gefühl bekommst, du hieltest deine Nase in ein Glas Obstmus.

Es folgt eine weiche Note, die an Hefe und Malz erinnert. Allerdings ist das Bouquet des Original Ten eher leicht. Komplex ja, aber auch leicht. Ein klassischer Speysider.

Nimmst du dann den ersten Schluck, legt er sich leicht auf die Zunge. Keinerlei alkoholisches Brennen. Allerdings fehlt es ihm hier bißchen an Aromen. Diese Fülle an grazilen Aromen in der Nase hat er hier nicht. Die paar, die er hat, hie und da ein paar Früchte, haben aber eine gute Balance. Seine Stärke liegt aber definitiv in der Nase, nicht im Mund. 

Im Nachklang zieht er dann aber nochmal an und liefert Aromen, die an Rotwein erinnern und Tannine, also angenehm süßlich-herb. Und nach einer Weile: Vollmilchschokolade.

FOODPAIRING MIT DEM BENRIACH THE ORIGINAL TEN

Wenn es um die Kombination mit Speisen geht, liebe ich die Whiskys von Benriach – da macht auch der Original Ten keine Ausnahme. Die einzelnen Qualitäten unterscheiden sich teils so stark, dass dir die unterschiedlichsten Kräuter und Gewürze zur Verfügung stehen.

Je nach Single Malt kannst du ihn entweder als Dessert-Begleitung reichen oder gar als Aperitif. Wobei der Original Ten deutlich besser als Aperitif geeignet ist. Er ist im Mund eher trocken und die grazilen Aromen würde nach dem Essen untergehen. 

Vorschläge

Zimt, Süßholz, Walnuss

Fleisch/Fisch

Schinken

Früchte

Apfel, Pfirsich, Aprikose, Melone, Rosinen, Banane

Wenn ich jetzt ein Fazit zum Benriach Original Ten ziehe, muss ich sagen, für den Preis ist es ein genialer Whisky. Er ist handwerklich perfekt hergestellt. Klar….er hat nicht die Komplexität und Intensität wie ein Benriach mit 20 oder 30 Jahren Reifung, aber mit seinen grazilen Noten bringt er es schon auf eine beachtliche Menge an Aromen.

Wenn du also auf einen grazilen Single Malt stehst, dessen Bouquet quasi einem Potpourri an Früchten gleicht, dann ist der Benriach Original Ten auf jeden Fall einen Blick Wert.